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Facebooks Medienchef Mitchell: „Filter Bubble gab’s schon vor Internet“

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Andy Mitchell ist "Director of Global Media Partnerships" bei Facebook

Er ist der Mann, der die Pressemitteilung zum Launch von CNN.com schrieb. Heute ist Andy Mitchell so etwas wie der Medienchef von Facebook. Heißt: Als "Director of Global Media Partnerships" knüpft er Kooperationen mit klassischen Medien. Im Gespräch mit MEEDIA sagt Mitchell, warum er die berühmte "Filter Bubble" nicht für ein digitales Phänomen hält.

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Mitchell und sein Team von etwa 20 Mitarbeitern (in Europa gehört dazu beispielsweise Ex-Burda-Digitalscout Heiko Hebig) haben eine Hauptaufgabe: klassischen Medien rauf und runter erklären, warum und wie sie das soziale Netzwerk am Besten für ihre Zwecke nutzen sollen. Denn was Medien nützt (mehr Traffic und mehr Nutzerkontakte), bringt auch Facebook etwas. Nämlich massiv hochwertige Inhalte. Vor einigen Monaten wertete Facebook via Algorithmus-Update u.a. journalistische Inhalte auf, die nun besser in den Timelines der Nutzer zu sehen sind.

„Wir wollen, dass mehr gute Inhalte von Publishern geteilt werden“, sagt Mitchell, der nach langen Jahren für CNN kurz für die US-Seite „Daily Beast“ gearbeitet hat, bevor er 2010 zu Facebook wechselte. Die Regeln, an die sich Redaktionen halten können, sind denkbar unkompliziert: Mehr Inhalte posten, große Bilder verwenden, keine irreführenden Überschriften posten. Mitchell: „Je mehr Inhalte wir haben, desto besser können wir sie an Nutzer ausspielen, die sich dafür interessieren.“

Mitchell war in der vergangenen Woche einer der Referenten beim Digital Innovators Summit, den der Zeitschriftenverlegerverband VDZ organisiert. Auch hier galt: viel erklären, welche Optionen sich Medienunternehmen auf Facebook bieten. Siehe etwa die Features „Recommended Articles“, „Stories to Share“ und „Trending“, sowie nicht zuletzt die News-App „Paper“. Die allerdings gibt es offiziell noch nicht für deutsche Nutzer (die Beschränkung lässt sich aber umgehen). Erst müsse die Anwendung besser werden, bevor sie über die USA hinaus zugänglich gemacht werde, sagt Mitchell.

Eine Interessensüberschneidung gibt es auch, was die Nutzung von Geräten angeht. Sowohl Facebook wie Medienunternehmen müssen sich jetzt mit voller Kraft in die Entwicklung mobiler Anwendungen stürzen. Dabei ist Facebook freilich schon viel weiter, auch bei der mobilen Monetarisierung. Die Migration der Nutzer vollziehe sich „in hohem Tempo“, sagt Mitchell über die Nutzung von Facebook. Es müsse auch den Publishern gelingen, über reine News hinaus etwa Reportagen und Infografiken so auf mobilen Geräten darzustellen, dass das Lesen Spaß mache. Die Arbeit mit Instagram, das Facebook vor einiger Zeit gekauft hatte, zeige auch, wie wichtig gute Bilder für das Storytelling seien.

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Wie sehr Facebook zum mobilen Netzwerk bereits schon geworden ist, belegen Zahlen aus den USA. Demnach soll die monatliche mobile Facebook-Nutzung im Durchschnitt bereits bei 16 Stunden und 50 Minuten liegen. Zum Vergleich (die Angaben stammen von Facebook): Instgram komme auf 5:30 Stunden, Twitter auf 3.55 Stunden, Linkedin auf nur schmale 20 Minuten. 757 Millionen Nutzern, die Facebook täglich auf ihrem Desktop aufriefen, stünden aktuell 556 Millionen täglich aktive mobile Nutzer gegenüber.

Wird mit dem verstärkten Engagement, gute Medieninhalte auf das Netzwerk zu bekommen, zunehmend eine Art Nachrichtenagentur aus Facebook, analog der Diskussion zu Twitter? Kommt darauf an, sagt Mitchell. Darauf, für was man sich als Nutzer interessiere. Nachfrage: ist damit gemeint, dass die von Eli Pariser so benannte „Filter Bubble“ immer mächtiger wird? Also die Entwicklung, dass Nutzer sozialer Netzwerke zunehmend nur noch solche Inhalte sehen, die sie interessieren – und jegliche anderen relevanten Inhalte oder auch abweichende Meinungen einfach ausgeblendet werden?

Er schätze den Autoren und Upworthy-Gründer Eli Pariser, sagt Mitchell. Doch die Sache mit der Filter Bubble sehe er anders. „Es mag eine Filter Bubble geben, doch sie existierte bereits vor dem Internet.“ Denn: „Wir haben doch schon vor dem Web Informationen aus bestimmten Quellen und von bestimmten Personen bezogen.“ Ein neues Phänomen sei das also nicht. Die Vorstellung, dass Facebook den Horizont seiner Nutzer begrenze, statt ihn zu erweitern, sie behagt Mitchell sichtlich nicht.

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