Anzeige

Blackberry: Zurück in die Zukunft mit Smartphones aus 2008

Blackberry CEO John Chen Foto: dpa
Blackberry CEO John Chen Foto: dpa

Der Schritt klingt verzweifelt: Weil die jüngste Blackberry-Generation Z10 gefloppt ist, wird die Produktion der Vorgänger-Modelle mit Tastatur einfach wieder hochgefahren. Die Strategie kündigte der neue Blackberry-CEO John Chen nach Bekanntgabe der erneut desaströsen Quartalsbilanz an. Im Geschäftsjahr 2013 fuhr der einstige Smartphone-Pionier fast 6 Milliarden Dollar Verlust ein.

Anzeige
Anzeige

Es ist ein bisschen so, als würde Apple verkünden, das iPhone 3G wieder zu reaktivieren. Nicht das iPhone 4 oder das iPhone 3GS – das iPhone 3G aus dem Jahr 2008. So erscheint der Schritt von Blackberry-CEO John Chen, das BlackBerry Bold mit dem alten Betriebssystem 7 wieder auf den Markt zu bringen.

Der im November für den deutschen Ex-Siemens-Manager Thorsten Heins verpflichtete neue Vorstandschef hatte die Maßnahme bereits auf der Branchenmesse Mobile World Conference angedeutet: eine Vorgänger-Generation für eingefleischte Blackberry-Fans sollte wieder her – mit echter Tastatur versteht sich.

Nach Thorsten Heins übernahm der frühere Sybase-CEO John Chen

Ob mit der nostalgischen Verklärung ausreichend alte Kunden zurückzugewinnen sind, ist nach Jahren des Niedergangs höchst fraglich. Der einstige Smartphone-Pionier befindet sich fraglos in einer existenziellen Krise. „Mit Blackberry 10 sind wir auf einem Startplatz des mobilen Computing-Grand Prix, den wir gewinnen müssen“, hatte der deutsche Konzernchef Thorsten Heins im Frühjahr des vergangenen Jahres noch kurz nach Launch des neuen mobilen Betriebssystems vollmundig verkündet.

Doch bis auf ein paar Zwischenspurts ist Blackberry beim Comeback-Versuch nichts gelungen – Heins musste gehen. Blackberry holte den früheren Sybase-CEO John Chen, der nun eine Rolle rückwärts nach der anderen schlägt: Das Touchscreen-Smartphone Z10 floppte, also sollen es nun wieder die Modelle mit physischen Tastaturen richten – und die Fokussierung auf Firmenkunden.

63 Prozent weniger Umsatz
Anzeige

Unterdessen stellte sich Blackberry im vergangenen Jahr selbst zum Verkauf, doch niemand wollte zugreifen. Kein Wunder angesichts der immer dramatischeren Erosion des Kerngeschäfts: Einen Verlust von enormen 5,87 Milliarden Dollar vermeldete der frühere Smartphone-Hersteller am vergangenen Freitag für das abgelaufene Geschäftsjahr. 

Einen Hoffnungsschimmer war in der Bilanz für das abgelaufene Quartal jedoch kaum zu erkennen, obwohl Blackberry die äußerst heruntergeschraubten Wall Street-Erwartungen schlagen konnte und „nur“ 423 Millionen Dollar verlor. Doch die Umsatzerosion ist dramatisch: Nur 976 Millionen Dollar erlöste Blackberry im abgelaufenen Dreimonatszeitraum – 63 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Erstmals seit 2007 blieb der einst wertvollste Konzern Kanadas damit wieder unter einer Milliarde Dollar Umsatz.

Blackberry-CEO realistisch: „50 : 50 Chance“

Viel Zeit für eine Trendwende bleibt nicht mehr: Die Barmittel sanken im abgelaufenen Quartal auf 2,7 Milliarden Dollar. Bedeutet: Wenn Blackberry entsprechend viel Geld verliert, bleiben noch sechs Quartale bis zur Ausschöpfung der Cash-Reserven; ist das Minus so groß wie im Gesamtjahr 2013, müsste John Chen schon in sechs Monaten Kredite aufnehmen oder den Offenbarungseid leisten.

Der 58-jährige Tech-Haudegen bezifferte die Chancen aufs Überleben unlängst selbst mit „50:50“. Chen erwartet im kommenden Jahr die Rückkehr zur Profitabilität. Anleger sind da ein bisschen skeptischer und schickten die Blackberry-Aktie am Freitag nach den neusten Geschäftszahlen weitere 7 Prozent nach unten: Der Börsenwert von 4,45 Milliarden Dollar liegt keine zwei Milliarden über den noch verbleibenden Barmitteln.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*