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„Borowski und das Meer“: der Kieler Tatort im MEEDIA-Check

Borowski und Brandt ermitteln wieder in Kiel.
Borowski und Brandt ermitteln wieder in Kiel.

Das Kieler "Tatort"-Duo ist in Bestform - vor allem, weil es zwischen den beiden Ermittlern endlich ein wenig menschelt. Diesmal geht es um Seltene Erden und lebendige Tote. Und plötzlich schleicht ganz nebenbei Frank Schätzing durch die Meeres-Kulisse. Daher: unbedingt ansehen!

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Die Story: Die Kieler müssen einen Mord ohne Leiche aufdecken. Bei einer Boots-Betriebsfeier der Firma Marex ging ein Jurist über Bord, offensichtlich wurde er erschossen. Marex baut als weltweiter Marktführer Rohstoffe in der Tiefsee ab. Aus der Förderung Seltener Erden – ein Metall, das in jedem Mobiltelefon vorhanden ist – macht das Unternehmen ein Millionengeschäft. Auf dem PC des Juristen findet Brandt eine Video-Botschaft, in dem der Jurist selbst seinen Arbeitgeber für den Mord an ihm verantwortlich macht. Borowski vermutet, der Mord wurde inszeniert – und sucht die Leiche selbst im Ozean.

Die Story hinter der Story: Es geht um die Frage nach Kapitalismus und Moral. Konkret: um die Machenschaften profitgieriger Unternehmen und die Macht geheimer Forschungsergebnisse. Und es geht um zwischenmenschliche Abhängigkeiten – personifiziert als masochistische Ehefrau, gutgläubige Geliebte und rückgratloser Strippenzieher.

Sind die Ermittler in Form? Zwischen Brandt und Barowski scheint endlich das Eis gebrochen: locker und vertraut scherzt, streitet und singt das Ermittler-Duo miteinander. Mal ist sie beleidigt, weil er vor den Verdächtigen ihre Autorität untergräbt, mal wirft er nebenbei ganz väterlich ein, dass er sich wegen ihrer Epilepsie-Anfälle sorgt. Sicher ist: Sie funktionieren als Team richtig gut.

Der Satz zum Mitreden bzw. Mitstreiten: Der Schenkelklopfer von Brandt: anstelle von Borowski, will sie ihren Kollegen nur noch „Trophobie“ nennen – „Klaus Trophobie“.

Was taugt das Drehbuch? Der Öko-Krimi mit realem Hintergrund kann was. Autor Christian Jeltsch beleuchtet das skrupellose Milliardengeschäft mit Seltenen Erden. Doch der Plot zieht sich teilweise wie Kaugummi, die wenigen Spannungsmomente verpuffen schnell, die Geschichte wirkt zu konstruiert. Nette Dialoge zwischen Brandt und Barowski machen das aber ein bisschen wett.

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Gossip-Schnippsel: Mit dieser Hintergrund-Info können Sie punkten: Axel Milberg leidet tatsächlich an Klaustrophobie. Beim Tauchgang in dem kleinen Forscher-U-Boot sah sich der Schauspieler mit seiner „Urangst“ konfrontiert. Das wurde dann prompt ins Drehbuch eingebaut – als Borowksis wunder Punkt.

Eher peinlich: Eindeutig die Skype-Video-Chats zwischen Brandt und ihrem neuseeländischem Kollegen Sam. Die tölprigen Flirtversuche – sie streift ständig durch ihr Haar, er fletscht ein Dauer-Zahnpasta-Grinsen – wirken gestelzt und passen so gar nicht zu dem sonst so selbstbewussten Wesen der Kieler Ermittlerin.

Offene Fragen: Vom wem muss Borowski immer träumen, wenn er mit Marte Adam (Nicolette Krebitz) spricht? Und: Wäre eine richtige Leiche auch ohne Bleistiefel sofort untergegangen?

Einschaltempfehlung auf einer Skala von 1 bis 10: 8

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