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Bertelsmann: Rabes Wachstumsstory braucht noch einen Kickstarter

Konzernzentrale in Gütersloh: Weltweit beschäftigt Bertelsmann mehr als 100.000 Mitarbeiter
Konzernzentrale in Gütersloh: Weltweit beschäftigt Bertelsmann mehr als 100.000 Mitarbeiter

Am Mittwoch legt Bertelsmann die Bilanz für 2013 vor. Der Medienkonzern mit angeschlossenem Dienstleistungsbetrieb hat natürlich immer noch große und starke Medienmarken unter seinem Dach. Nur: die neue Wachstumsstory, die Bertelsmann erzählen will und muss, bleibt bisher etwas blutleer.

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Freilich ist es nicht so schwer, die Gütersloher für eine fehlende Vision an die Kandare zu nehmen. Nach der Ära Middelhoff regierten bei Bertelsmann Pragmatiker, mit mal mehr, öfter mit weniger ausgeprägtem Spaß an kreativen Inhalten. Funken sprühen eher selten. Zudem fallen sexy Übernahmeobjekte heutzutage auch nicht gerade vom Himmel. Und dann muss man sie auch übernehmen können. Schließlich ist da noch die Vergangenheit von Bertelsmann ganz nah an der Spitze der weltweit größten Medienkonzerne. Die wirft immer noch Schatten, schürt Erwartungen, die nicht eingelöst werden können.

So erklärt sich, warum im Vorfeld der Bertelsmann-Bilanzpressekonferenz Artikel mit Überschriften wie „Der gefesselte Gulliver“ (Handelsblatt) und „Bertelsmann fehlt die Erotik“ (FAZ) zu lesen waren. Dies hängt auch damit zusammen, dass CEO Thomas Rabe 2012 einen Konzernumbau angekündigt hatte. „Wachstumsstärker, digitaler und internationaler“ soll Bertelsmann werden. Bei jedem der Ziele gibt es Fortschritte, das wohl, aber keinen Durchbruch. Zu viel verlangt? Jein.

Vor allem die Wachstumsstory muss 2014 in Gang kommen, um weiter glaubhaft von Rabe vertreten zu werden. Der Umsatz stieg 2013 nur um 2 Prozent auf 16,4 Milliarden Euro. Trotz der Fusion von Penguin und Random House, die bei Bertelsmann konsolidiert wird. Trotz der vollständigen Übernahme von BMG. Trotz der Übernahme des Finanzdienstleisters Gothia durch Arvato. Es fehlt, das beklagen Bertelsmann-Kenner, das organische Wachstum.

Woher könnte das kommen? Die RTL Group als Hauptumsatzbringer stagniert auf hohem Niveau, Gruner + Jahr ist eher damit beschäftigt, sich von (internationalen) Wachstumsphantasien zu verabschieden. Random House ging mit der Fusion den richtigen Weg, doch wecken Millionenseller wie „50 Shades of Grey“ Hoffnungen, die nicht in jedem Jahr eingelöst werden können. Das war freilich schon immer so im Buchgeschäft.

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Arvato geht seit langer Zeit einen profitablen Kurs mit teilweise sehr unkonventionellen Geschäftsideen abseits des Mediengeschäfts – doch auch dort sind die Millionen hart verdient. Das Druckgeschäft, ausgelagert bei Beprinters, liegt ziemlich darnieder. Phantasien will Bertelsmann im Education-Geschäft wecken, doch das läuft auf eher niedriger Flamme an – das als Wachstumsfeld auserkorene Business kann fast nur über Zukäufe in Gang kommen. Digitale Geschäftsmodelle sind hier gefragt – wie mit Bildungsangeboten via Internet Geld verdient werden kann, wird Bertelsmann beantworten müssen.

Überhaupt, die Digitalisierung. Gern ist von „Transformation“ die Rede. Den Beweis, dass sich in der analogen, linearen Welt erfolgreiche Geschäftsmodelle wirklich transformieren lassen, müssen die meisten Medienkonzerne dieser Welt noch erbringen. Ein Blick auf die Bemühungen, digitale Zeitschriften nicht nur hübsch zu produzieren, sondern in nennenswerter Zahl auch zu verkaufen, reicht aus, um zumindest ins Grübeln zu kommen.

Doch Grübeln ist vermutlich der falsche Weg. Wie etwa Springer-Chef Mathias Döpfner mit einigem Erfolg vorgemacht hat, bleibt auch Thomas Rabe nicht viel anderes übrig, als sein Mantra vom Wachstum durch Transformation, Digitalisierung, Internationalisierung zu wiederholen, bis ihm Treffer gelingen. Da Bertelsmann nicht börsennotiert ist, bleibt ihm etwas Zeit. Doch zu viel Zeit freilich auch nicht – denn der Markt wartet nicht auf Bertelsmann.

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