Anzeige

Tagesspiegel-Gruppe verkauft Berliner Stadtmagazin Zitty

Jens Lohwieser, Berliner Stadtmagazin Zitty
Jens Lohwieser, Berliner Stadtmagazin Zitty

Für das schrumpfende Segment der Stadtmagazine ist das eine bemerkenswerte Meldung: Die Tagesspiegel-Gruppe verkauft ihr Traditionsmagazin Zitty an den Raufeld Verlag. Raufeld? War da nicht was? Genau. Bei Raufeld erscheint seit vergangenem Jahr der Zitty-Konkurrent Tip. Beide Marken bleiben erhalten, sagt der Raufeld-Chef auf MEEDIA-Nachfrage.

Anzeige
Anzeige

Die beiden bekannten und über Jahrzehnte miteinander im Wettbewerb stehenden Stadtmagazine erscheinen damit ab dem 1. April im selben Verlag. Damit gelingt im Kleinen, was im Großen nicht erlaubt war – Berliner Verlag (ehemals Tip-Herausgeber) und Tagesspiegel (Zitty) durften einst nicht gemeinsam in der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck erscheinen. Das Kartellamt schob einer Übernahme den Riegel vor. Bei den Stadtmagazinen, die beide 14täglich erscheinen, ist nun eine Zusammenführung der Titel erlaubt, weil eine bestimmte Umsatzschwelle (Bagatellklausel) offenbar nicht erreicht wird.

tipBerlin_062014_Titel

Gegenüber MEEDIA sagt Raufeld-Geschäftsführer Jens Lohwieser, dass beide Titel erhalten bleiben. Raufeld übernimmt die komplette Zitty GmbH mitsamt ihren etwa 40 Mitarbeitern. Zur Tagesspiegel-Tochter Zitty gehört auch das kostenlose Stadtmagazin 030. Anzunehmen ist, dass Raufeld vor allem auf Verlagsseite gemeinsame Verantwortlichkeiten schaffen wird. Anders als der bei Übernahme durch Raufeld defizitäre Tip soll Zitty zuletzt ein positives Ergebnis erzielt haben. Wenn auch mit Stadtmagazinen vermutlich nicht allzu viel Geld verdient werden dürfte – das Segment steht unter gehörigem Druck, die Auflagen sinken. Zitty verlor zuletzt knapp 14 Prozent der Auflage im Jahresvergleich und liegt nun bei 25.942 Verkauften pro Ausgabe (IVW IV/2013). Beim Tip waren es im gleichen Zeitraum knapp 10 Prozent – seine Auflage liegt bei 28.558 durchschnittlich Verkauften.

Lohwieser sagt, mittlerweile arbeite der Tip wieder profitabel. Die Mitarbeiterzahl sei aufgrund freiwilliger Abgänge etwas gesunken, zudem seien Dienstleisterverträge gekündigt worden. Mit der Übernahme werde die Vermarktung der Titel „koordinierbar“, sagt Lohwieser. Er erwartet auch, dass der Anteil der digitalen Werbeerlöse an den Gesamtwerbeerlösen steigt. Beim Tip liegt dieser Anteil bei derzeit 15 Prozent. Tip und Zitty erreichten gemeinsam etwa eine Reichweite von einer halben Million Leser in der Hauptstadt.

Anzeige

10011479_10152280287865569_1155671965_n

„Die Redaktionen von Tip und Zitty sollen weiter eigenständig arbeiten“, sagt Lohwieser. Eine gemeinsame Redaktion, die beide Titel bestellt, sei nicht geplant. Vielmehr sollten beide Titel schrittweise möglichst eigenständiger positioniert werden, nachdem sie sich in den vergangenen Jahren auch optisch eher angenähert hätten. Den Beweis dafür muss Lohwieser gar nicht selber antreten – zurzeit liegen beide Magazine mit einer Titelgeschichte über Fahrradfahren in Berlin am Kiosk. „Der Tip war traditionell der Führer durch die Kulturlandschaft. Der Zitty war traditionell das eher gesellschaftspolitisch ausgerichtete Magazin.“

Beim Tip stehe demnächst erst einmal ein Relaunch des gedruckten Heftes an – es soll u.a. mit anderem Papier wertiger daherkommen. Und aus der Zitty könnte beispielsweise auch langfristig eine „gesellschaftspolitische Wochenzeitschrift“ werden, sagt Lohwieser. Entschieden sei bisher allerdings nicht, wie die inhaltliche Strategie für Zitty unter neuem Dach aussehen wird.

Tagesspiegel-Geschäftsführer Florian Kranefuß wünscht dem Zitty eine „langfristige Perspektive“ bei Raufeld, nach über 15 Jahren unter dem Dach des Zeitungsverlags. Die Gruppe konzentriere sich auf die Kernmarke Tagesspiegel.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige