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Provozierende Bangladesch-Werbung von American Apparel in der Kritik

Werbung mit politischer Botschaft? Die Kritik an der Werbekampagne wächst.
Werbung mit politischer Botschaft? Die Kritik an der Werbekampagne wächst.

Eine Frau, oben ohne, bekleidet mit einer offenen Jeans, darüber der Schriftzug "Made in Bangladesh". Dieses Motiv soll für faire Produktionsbedingungen bei American Apparel werben. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem sich das Unglück des Gebäudeeinsturzes einer Kleiderfabrik bei Dhaka jährt. Kritiker finden die Werbestrategie des US-Modelabels geschmacklos.

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Die junge Frau, so steht es unter dem Foto, ist die 22-jährige Maks, in Bangladesch geboren und in den USA aufgewachsen, die seit vier Jahren für American Apparel arbeitet. Sie trägt eine Jeans, die von 23 Arbeitern und Arbeiterinnen in Los Angeles gefertigt wurde. Der Text erklärt also indirekt die Werbestrategie: Es geht um die fairen Arbeitsbedingungen, unter denen die Jeans gefertigt wurde – in den USA und eben nicht in einer gefährlichen Billig-Textilfabrik in Bangladesch.

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Mit dem Plakatmotiv scheint das Unternehmen allerdings das Gegenteil vom gewollten Effekt zu erreichen. Frauen aus dem überwiegend muslimischen Bangladesch fühlen sich durch die nackte Frau beleidigt und sehen darin typisch amerikanische Selbstverherrlichung. Motto: Auch wenn eine Frau in Bangladesch geboren wurde, in Amerika kam sie auf den rechten Weg.

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Besonders ereifern sich Kritiker über den Zeitpunkt der Schaltung. Am 14. April jährt sich das Unglück nahe der Hauptstadt von Bangladesch, Dhaka, als bei einem Gebäudeeinsturz einer Kleiderfabrik 1.200 Menschen ums Leben kamen und weitere 2.500 verletzt wurden – mehrheitlich Textilarbeiterinnen. American Apparel scheint absichtlich genau zu diesem Zeitpunkt für faire Produktionsbedingungen zu werben – um damit aus dem Unglück Profit zu schlagen. Die Tenor im Web lautet: das ist schlicht geschmacklos

Laut dem Modeblog Fashionista äußert sich die Sprecherin des Modeunternehmens, Iris Alonzo, dahingehend, dass die Werbung aufrütteln möchte: In vielen Textilfabriken in Bangladesch arbeiteten die Frauen für umgerechnet unter 15 Cent pro Stunde – ohne irgendwelche zusätzlichen Leistungen.

American Apparel hatte mit übermäßig sexualisierter Werbung schon früher in der Kritik gestanden. Gegründet wurde das Label 1977 von dem Kanadier Dov Charney, heute ist es mit 251 Läden weltweit vertreten.

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