Audis Pep-Scoop: Wie aus einer PR-Story eine weltweite Sportnews wurde

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Marketing Bayern-Trainer Pep Guardiola hat in einem Interview erzählt, warum er beim FC Barcelona aufhörte. Die weltweite Sportpresse zitierte aus dem Gespräch. Allerdings unterhielt sich der Coach nicht mit einem Journalisten, sondern mit dem Audi-CEO. Gedruckt wurde das Interview auch nicht in einem Presseerzeugnis, sondern im Geschäftsbericht der Autobauer. Für den deutschen Sportjournalismus ist das eine weitere schlechte Nachricht.

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Es ist eine Binsenweisheit: guter Journalismus braucht Unabhängigkeit. Gerade in der Sportberichterstattung gilt jedoch mittlerweile: erfolgreiche Berichterstattung muss schon lange kein reines journalistisches Produkt mehr sein.

So zeigen Auswertungen des Social-Media-Analyse-Portals 10000 Flies immer wieder, dass Fußball-Vereine mit ihren Pressemitteilungen zu Transfers oder Trainerentlassungen in den sozialen Netzwerken längst mehr Leser finden, als die klassischen Medien mit ihren Berichten und Meldungen zum selben Thema. Zum einen ist es schön, dass sich so viele für die Originalquelle interessieren. Zum anderen bekommen die Vereine so eine immer größere Deutungshoheit, um die Nachrichten ganz in ihrem Sinne steuern zu können.

Die Entwicklung übt bereits einen gewissen Druck auf die Arbeit vieler Sportjournalisten aus. Dieser dürfte sich seit der Veröffentlichung des Geschäftsberichts von Audi noch erhöhen. Wie viele andere Konzerne, geben sich auch die Autobauer aus Ingolstadt größte Mühe, ihre Geschäftszahlen in einem qualitativ hochwertigen und emotionalen Magazin-Umfeld zu präsentieren. Ihr Geschäftsbericht für das Jahr 2013 wird bei vielen Corporate-Publishing-Awards sicherlich einige Preise abräumen. Allerdings können sich die Macher, produziert wurde der Bericht vom Ramp-Team um Michael Köckritz, diesmal auch auf eine dicke Mappe mit unzähligen Presseclippings freuen.

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Denn eine Story des Geschäftsberichts ging durch die Weltpresse. In einem Gespräch mit Rupert Stadler, dem Vorsitzenden des Vorstands der Audi AG, spricht der Bayern-Trainer Pep Guardiola über die Gründe, warum er beim FC Barcelona aufhörte. So beschreibt er das Ausscheiden aus der Champions League im Jahr 2012 gegen den FC Chelsea als einen „Moment großer Traurigkeit. Als würde plötzlich das Flutlicht ausgehen“. Weiter sagt er: „Wir waren unserem Gegner weit überlegen, kassierten im Rückspiel ein unnötiges Tor und waren plötzlich draußen. Es war für mich eine sehr harte Niederlage. Ich hatte das Gefühl, meine Mannschaft nicht mehr zu erreichen.“

Das Resultat aus dieser Niederlage war, dass Guardiola sich entschloss, eine Pause als Trainer einzulegen. Denn: „Wenn du als Trainer deine Spieler nicht mehr erreichst, ist der Zeitpunkt gekommen, zu gehen“.

Dieses Gespräch hätte jeder deutsche Sportjournalist gerne geführt. Doch dies ist unmöglich. Denn der Bayern-Coach hat sich einen Passus in seinen Vertrag schreiben lassen, dass er der Presse keine Einzelinterviews geben muss. Bei einem so wichtigen Sponsoren wie der Audi AG, sieht das natürlich anders aus.

Das Beispiel Audi wird sicherlich Schule machen. Schon bald gibt es den einen oder anderen großen Sponsoren von einem anderen Club, der auch gerne eine exklusive Geschichte oder Nachricht von einem Spieler oder Trainer für seine Kommunikation haben will. Je wichtiger das Thema Content-Marketing wird, desto häufiger werden wir schon bald solche exklusiven Interviews und Berichte auf PR-Plattformen von Unternehmen lesen, statt in den Sportteilen der großen Medienmarken. Denn längst gilt auch für Unternehmen: Content is King.

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