Spiegel Online und stern: Medien geben im Fall Hoeneß keine Ruhe

Der stern kommt mit neuen Enthüllungen zum Fall Uli Hoeneß
Der stern kommt mit neuen Enthüllungen zum Fall Uli Hoeneß

Sollte Uli Hoeneß geglaubt haben, wenn er das Urteil in seinem Steuerstrafprozess akzeptiert und auf die Revision verzichtet, dann ist alles ausgestanden, hat er sich getäuscht. Spiegel Online ließ diese Woche den Rechtsanwalt Rainer Pohlen über Verschwörungstheorien im Fall Hoeneß räsonieren. Und im stern kommt ein Informant zu Wort, der in der Sache noch ein paar Milliönchen draufpackt.

Werbeanzeige

Die wahre Dimension des Falls Hoeneß sei in dem Verfahren vergangene Woche nicht aufgeklärt worden, sagt der anonyme Informant im neuen stern: „Die tatsächlichen Beträge, um die es geht, konnte die Justiz gar nicht nachvollziehen. Die meisten Kontounterlagen sind ja erst kurz vor Prozessbeginn vorgelegt worden.“ Tatsächlich hätten auf Hoeneß‘ Schweizer Konto zeitweise Werte von über 400 Millionen Euro gelegen. Der stern will sich in Sachen Hoeneß offenbar rückwirkend die Butter nicht vom Brot nehmen lassen. Das Magazin teilt mit, der Informant sei einer jener Insider, die die Steuerstrafsache Hoeneß ins Rollen gebracht haben. Und verweist auf den alten stern-Bericht über ein geheimes Fußball-Konto bei der Schweizer Vontobel Bank. Nachdem das Magazin in der Sache recherchierte, begann Hoeneß mit seinen Beratern mit der letztlich missglückten Selbstanzeige. Subtext: Wer hat’s ins Rollen gebracht? Der stern!

Gleiches könnte freilich auch der Focus für sich beanspruchen. Das Münchner Magazin hat den Namen Hoeneß erstmals im Zusammenhang mit der Steuersache öffentlich gemacht. Später hat dann freilich die Süddeutsche Zeitung mit vielen Details die Berichterstattungs- und Deutungs-Hoheit übernommen. In dem einen oder anderen SZ-Artikel kam es bisweilen so rüber, als sei der stern eher zufällig auf der richtigen Fährte gewesen, habe das Ziel Hoeneß dann aber verfehlt. Leyendecker bezeichnete die erste stern-Story über das Vontobel-Konto als „eher nebulöse Geschichte„. Nun legt der stern also nach. Es seien auch  hohe Beträge auf Konten bei anderen Schweizer Banken geflossen, erzählt der mitteilungsfreudige Informant. Außerdem hätten auch Spieler des FC Bayern Geld bei Vontobel gebunkert.

Spiegel Online wählte diese Woche einen anderen ganz Weg, um die Hoeneß-Story am Köcheln zu halten. Dort ließ sich der Strafverteidiger und Strafblogger Andreas Pohl über die „Ungereimtheiten“ im „seltsamen Prozess“ aus und raunte gleich zu Beginn seines Textes von Verschwörungstheorien, an die er aber natürlich nicht glaube. Zwinker, zwinker. Beim Publikum kommt sowas gut an, der Text war zeitweise eine der meist verschickten Stories bei SpOn. Juristisch mag der Fall Hoeneß vorbei sein, medial scheint es noch einiges an Aufarbeitung zu geben. Kleiner Trost für Uli: Die große Titelstory des stern ist diese Woche nicht ihm gewidmet, sondern der „Maschmeyer-Connection“. Andererseits – ob sich ein Uli Hoeneß wirklich freuen kann, wenn der „Maschi“ ihn vom Titel verdrängt?

Werbeanzeige

Werbeanzeige

Werbeanzeige