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Opel-Schleichwerbung? Gala muss sich für Interview rechtfertigen

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Totalschaden oder nur eine kleine Schramme im Gala-Lack? Das Promi-Magazin von Gruner + Jahr muss sich Schleichwerbevorwürfen wegen eines Interviews mit den Schauspielerinnen Nadja Uhl und Karoline Herfurth erwehren. Beide werben für Opel und beide durften in dem Gespräch offen die Vorzüge der Autos dieser Marke loben.

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Grundsätzlich geht es in dem Interview um Vorurteile. Das passt wunderbar zum Claim und Ansatz der neuen Opel-Kampagne „Umparken im Kopf“. In dem Gespräch sagen die beiden Sätze wie: „Ich wusste zum Beispiel überhaupt nicht, dass der Manta von Opel hergestellt wird. Dabei liebe ich den Film ‚Manta, Manta‘. Und ich wollte einen Corsa als erstes Auto, weil er so süß ist – aber meine Freundin meinte, der sei spießig und den würden nur Mütter fahren. Deswegen habe ich mir nie einen gekauft, was ich bis heute doof finde“ (Herfurth). Oder: „Ich wusste bis vor Kurzem gar nicht, dass es Opel überhaupt noch gibt! Mir war die Marke nicht mehr so gegenwärtig, deswegen habe ich sie beim Autokauf früher gar nicht in Erwägung gezogen. Erst im Zuge der Rettung des Opel-Standorts Deutschland habe ich mitbekommen, dass hier noch so viele Fahrzeuge produziert werden. Das ist für mich ein wichtiges Kriterium und hat etwas mit meiner ganz privaten Einstellung zu tun“ (Uhl).

Insgesamt macht der Teil des Gespräches, der sich direkt auf Opel bezieht und sich so liest, als ob die PR-Abteilung aus Rüsselsheim selbst die Antworten vorformuliert hätte, rund ein drittel des Interview aus.

Allerdings dürfte kein Leser überrascht sein über die Wendung, die das Gespräch mit der Headline „Haltung zeigen!“ nimmt. Immerhin heißt es direkt im Teaser der Story: „Nadja Uhl und Karoline Herfurth gehören zu unseren Top-Stars in Film und Fernsehen – jetzt spielen sie in einer aufsehenerregenden Werbekampagne. Gala sprach mit den beiden über falsche Klischees und echte Wahrheiten, über kleine Zicken und große Gefühle“.

Gegenüber dem Tagesspiegel verteidigt Gala-Chefredakteur Christian Krug die redaktionelle Entscheidung, die Geschichte zu drucken. „Es handelt sich natürlich nicht um Schleichwerbung, weil wir schon im ersten Absatz den Lesern erklären, dass der Anlass des Gesprächs mit den beiden Schauspielerinnen ihr ungewöhnliches Engagement für einen Autohersteller ist.“ Der Blattmacher sieht das Interview als Versuch, den Leser darüber aufzuklären, „warum die Schauspielerinnen bei dieser Kampagne mitwirken. Denn das wird sich der ein oder andere Leser von uns gefragt haben. Wir geben Antworten auf diese Frage.“

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Dem Presserat dürften diese Antworten möglicherweise nicht gefallen. Die Medienwächter sehen den Bericht schon einmal sehr „kritisch“. Möglicherweise verstoße er auch gegen das Gebot der Trennung von Redaktion und Werbung.

Grundsätzlich sind Interviews mit Prominenten, die im Zuge von Produktpräsentationen oder Sponsorenterminen geführt werden, ein schwieriges Umfeld. Mit einem leichten Grummeln hatte die Gala bereits schon einmal zu Kämpfen, als sie ein Gespräch mit Jürgen Klopp und seiner Frau zum Thema Dreitagebart führte. Es entstand während eines Termins des Rasierapparateherstellers Philips. Passenderweise wirbt der BVB-Trainer auch für den elektronischen Bartstutzer. Auch der Kicker musste sich einiger Kritik wegen eines Interviews mit Nationalkicker Jerome Boateng anhören, das am Rande einer PR-Termins für einen Fußballschuh entstand, ebenso wie der Guardian. Die Engländer führten ein international vielbeachtetes Gespräch mit Jürgen Klopp in den Büros von BVB-Sponsor Nike.

Der Presserat wurde im Fall der Gala bislang nicht aktiv. Die Berliner dürften erst dann mit der Prüfung eines Berichtes beginnen, wenn ihnen eine konkrete Beschwerde vorliegt. Gegenüber MEEDIA erklärten die Medienwächter, dass bislang (Mittwoch 11.00 Uhr) noch keine Beschwerde eingegangen sei.

Lustiges Detail: Die Gala hat das gesamte Interview auch online gestellt. Wer am Mittwochmorgen das Gespräch las, wurde dabei von einer aufdringlichen Autowerbung gestört, die sich über den Texte legte. Sie kam allerdings nicht von Opel, sondern vom Konkurrenten Audi.

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