Kosten runter: Kölner Zeitungen legen Lokalredaktionen zusammen

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Kölner Verleger: Alfred Neven DuMont (l.), Helmut Heinen

Publishing Die Kölner Zeitungen Stadt-Anzeiger und Rundschau legen einen Teil ihrer Lokalredaktionen zusammen. Insgesamt fünf Redaktionen sollen ab 1. Juni in der neuen, nicht tarifgebundenen Rheinischen Redaktionsgemeinschaft gebündelt werden. 30 Stellen fallen weg, vier Millionen Euro sollen jährlich gespart werden.

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Der Hintergrund: Dem Kölner Über-Verlag M. DuMont Schauberg gehört in Köln u.a. der Kölner Stadt-Anzeiger. An der Kölnischen Rundschau des Verlegers Helmut Heinen hält DuMont eine Beteiligung sowie die Titel- und Verlagsrechte. Das Kartellamt hatte die Kooperation 1999 genehmigt, weil Heinen mit Einstellung des bis dahin defizitären Titels gedroht hatte. Die Redaktion, hieß es damals immer wieder, bleibe eigenständig.

Von dieser Eigenständigkeit bleibt nun nicht mehr allzu viel übrig. Den Mantelteil bezieht die Rundschau seit einiger Zeit vom Bonner General-Anzeiger (an dem DuMont wiederum eine Minderheitsbeteiligung hält). Nun folgt die Zusammenlegung von vier Lokalredaktionen – Rhein-Erft, Rhein-Berg, Rhein-Sieg und Euskirchen/Eifel. Die Redaktionen in Oderberg arbeiteten bereits zusammen. Alle Mitarbeiter sollen in die Rheinische Redaktionsgemeinschaft übersiedeln, an der beide Verlage jeweils die Hälfte halten.

Von den insgesamt knapp hundert Stellen fallen 30 weg, sie sollen „sozialverträglich“ abgebaut werden. Übrig bleiben bis Ende 2015 67 Redakteure. Kostenersparnis: rund vier Millionen Euro im Jahr. Die Redaktionsleitung liegt bei Cordula von Wysocki (Rundschau) und Rudolf Kreitz (ab 1. April Vizechef des Kölner Stadt-Anzeiger). Nicht zur Redaktionsgemeinschaft gehören die Redaktionen in Köln, Bonn und Leverkusen.

DuMont Schauberg baut gleichzeitig 84 Arbeitsplätze in Köln ab. Das immens wichtige Stammgeschäft in Köln leidet vor allem unter dem Wegfall von Werbeeinnahmen. Gleichzeitig hat auch Kooperationspartner Heinen Probleme, bei den bestehenden Kosten die Zeitung auf Kurs zu halten. Der Heinen-Verlag hält ebenfalls einen Minderheitsanteil an Berliner Verlag und Hamburger Morgenpost. Dass der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) auch in seinem eigenen Verlag nun nicht-tarifgebundene Tochterunternehmen aufbaut, muss angesichts der Rahmenbedingungen nicht überraschen – etwas pikant ist das dennoch.

Die Verlage sehen die Leistung, die sie künftig erbringen, indes keinesfalls geschmälert. Die Qualität werde durch die Zusammenlegung „nachhaltig gesteigert“, sagt DuMont-Aufsichtsratschef Alfred Neven DuMont. Denn jeder Lokalredaktion stünden nun in Summe mehr Redakteure zur Verfügung. Diese produzieren aber nun jeweils zwei Lokalteile, damit die beiden Blätter ihre jeweilige „Farbe“ erhalten können. DuMont-Partner Heinen sieht es pragmatisch: „Lieber eine starke Lokalredaktion als zwei schwache.“

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