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Erdbebenberichte: LA Times lässt Roboter-Journalisten schreiben

Die Los Angeles Times setzt auch auf Computer-Journalisten
Die Los Angeles Times setzt auch auf Computer-Journalisten

Kollege Roboter übernimmt die Meldung: Schon länger diskutiert die Branche über den Einsatz von Algorithmen zum Schreiben von Meldungen. Bei der Los Angeles Times ist das schon Alltag: Dort schreibt ein Roboter-Journalist die Erdbebenberichte.

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Am Erdbeben-Artikel der Los Angeles Times, der über ein Nachbeben in der Nähe des Ortes Westwood in Kalifornien berichtet, wirkt auf den ersten Blick nichts ungewöhnlich. Unter einem Nachrichten-Video beginnt der Artikel von Ken Schwencke. Der Autor berichtet über ein Nachbeben, das sich etwa fünf Meilen von Beverly Hills, sechs Meilen von Santa Monica und sechs Meilen von West Hollywood ereignet hatte. Alles sieht nach einem gewöhnlichen Nachrichtentext aus – doch weit gefehlt. Denn Ken Schwencke hat den Text gar nicht geschrieben. Zumindest nicht direkt. Denn im letzten Absatz des Artikels heißt es: „Diese Information kommt aus dem USGS Earthquake Notification Service. Dieser Text ist aus einem vom Autor geschriebenen Algorithmus entstanden.“

Schwencke, Journalist und Web-Entwickler bei der LA Times, ist Autor des Algorithmus, der den Erdbeben-Artikel geschrieben hat. Der Clou dabei: Ein Computer analysiert in Echtzeit die E-Mails des US Geological Survey. Meldet die staatliche Stelle das Überschreiten eines bestimmten Grenzwertes, verfasst die Maschine eine entsprechende Meldung.

Seinen „Quakebot“ hat der Journalist vor rund drei Jahren programmiert, erzählt Schwencke dem Business Insider. Bereits vor zwei Jahren war er einsatzbereit. Durch seinen Roboter sparen Redaktionen wertvolle Zeit, so der Tüftler weiter. Registrieren die Behörden ein Erdbeben der Stärke sechs, können die Medien direkt mit den Informationen live gehen. Bei Messwerten knapp unter der Grenze würde Quakebot seinen Text in die Redaktion leiten, wo die Redakteure entscheiden können, wie sie damit umgehen wollen. Dass die LA Times bei ihrer Berichterstattung auf automatisierten Journalismus setzt, ist nicht unbedingt neu. Auch der Homicide Report, der alle Mordopfer in der Gegend von LA auflistet, bezieht seine Informationen eigenständig.

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In einem Gastkommentar für das Handelsblatt (Ausgabe vom 13. März 2013) beschrieb Kommunikationswissenschaftlern Miriam Meckel den automatisierten Journalismus als „the next big thing“. Wo ergebnis- und zahlenorientiert berichtet wird, wie im Finanz- oder Sportjournalismus, hat sich der Algorithmen-Autor längst durchgesetzt. Die US-Website Statsheet.com beispielsweise ist spezialisiert auf Basketball-News, geschrieben von Computern, die statische Informationen mit Standardtexten zu einem Artikel formen. Ein vergleichbares Projekt für Baseball setzt die Northwestern University um. Die Nachrichtenagentur Reuters gilt als Beispiel für Automaten-Journalismus im Finanzbereich.

Auch das US-Unternehmen Forbes lässt sich von einer darauf spezialisierten Firma beliefern. Der Algorithmus von Narrative Science bestückt beispielsweise komplett das gleichnamige Blog des Wirtschaftsmagazins. Der Narrative-Science-CEO Stuart Frankel machte bereits klar: Automatisierter Journalismus wird in Zukunft noch intelligenter. „Wenn eine Geschichte anhand von Daten von einer Maschine geschrieben werden kann, wird das auch so geschehen. Das ist eine reine Zeitfrage.“

(ms)

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