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Harald Schmidts konsequent unsentimentaler TV-Abschied

Am runden Tisch der letzten „Harald Schmidt Show“
Am runden Tisch der letzten "Harald Schmidt Show"

Aus. Vorbei. Schluss. Am gestrigen Donnerstag lief beim Pay-TV-Sender Sky die (wahrscheinlich) endgültig letzte Ausgabe der “Harald Schmidt Show”. Und bei allem Wehmut, bei aller Humor-Duseligkeit und nach zig Senderwechseln muss man sagen: Es ist gut so, es ist okay. Das Konzept Schmidt war schon länger am Ende. Allerdings auf hohem Niveau.

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Schmidt tat zum Ende das, was erwartbar war: Er lieferte eine ganz normale “Harald Schmidt Show” ab. Zum Schluss wurden sechs Weggefährten an einem Tisch versammelt, es gab Würste mit Kartoffelsalat, man feuerte Stegreif-Pointen ab. Und weil die Leute am Tisch Olli Dittrich, Pierre M. Krause, Bastian Bielendorfer, Jürgen Vogel, Klaas Heufer-Umlauf und Nathalie Licard waren funktionierte das auch ganz gut.

Ansonsten spulte Schmidt – ganz der Profi, ganz das Bühnenschwein – sein Programm ab. Ein paar Witzchen über Uli Hoeneß. Ein wenig Selbstironie (“Ich habe die zwei Jahre bei Sky genossen. Ein tolles Gefühl, mal ganz unbeobachtet zu sein.”). Eine Prise Larmoyanz (“Schön, dass sie heute Abend eingeschaltet haben. Noch schöner wäre natürlich gewesen, sie hätten das in den vergangenen drei Jahren mal gemacht.”). Fertig war die Laube.

Am Schluss trat Judith Holofernes auf und sang ein lustiges Liedchen, dann war offenbar die Zeit rum, Schmidt verabschiedete sich hastig, Abspann. Ein bisschen hätte man dem TV-Helden aus früheren Tagen schon einen etwas pompöseren Abgang gewünscht. Eine ironische Supergala, ein Best-of, irgendwas halt. Aber dafür ist Schmidt wahrscheinlich nicht der Typ. Er hat ja alles schon gemacht. Jeden Witz, jede ironische Finte. Er hat sich als Hitler verkleidet, auf Französisch moderiert, hat das Playmobil-Theater erfunden. Und die grandios verkorkste Show auf einem Rheindampfer. Was soll da noch kommen?

Schmidt war, entgegen vieler landläufiger Meinungen, eben kein typischer Late-Night-Talker. Er war kein deutscher Letterman und kein Jay Leno. Schmidt hat über die Zeit eine eigene Form von anspruchsvollem, ironischen TV-Feuilleton entwickelt. Das war so intellektuell und so voller Anspielungen und Andeutungen, dass dies nur für einen kleinen Teil des TV-Publikums genießbar war. Den “Dirty Harry”, der in Gemüseregale kotzt und die “dicken Kinder von Landau” präsentiert, den gab es schon lange nicht mehr.

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Schmidt hat am Ende jahrelang Fernsehen gemacht für Leute, die eigentlich kein Fernsehen mögen. Die das Fernsehen jedenfalls nicht so mögen, wie es von den Machern gemeint ist. Schmidt sorgte für den ironischen Überbau und die Metaebene, die das alles alles wieder halbwegs erträglich machte. Das war vermutlich weder geplant, noch besonders mutig. Er konnte wohl einfach nicht anders.

Aber auch dieses Konzept hatte sich irgendwann totgelaufen. Die Schmidt-Show war am Ende bei Sat.1 und auch bei Sky auf sehr hohem Niveau. Einen Impuls einzuschalten, den  gab es aber nicht mehr. Die Leute, die kein Fernsehen mögen gucken heute wahrscheinlich “Breaking Bad” oder “Homeland” auf DVD. Den Schmidt brauchen sie nicht mehr. Eigentlich war es ein Wunder, dass sich Harald Schmidt mit dieser sperrigen Show überhaupt so lange auf dem Bildschirm gehalten hat. Dafür und für viele grandiose TV-Momente: Hut ab!

Hier gibt’s die letzte Ausgabe der Schmidt-Show zum Nachgucken:

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