Tadel für Qualitätsportal: Presserat rügt FAZ.net

Tebartz-van-Elst-presserat-faz1.jpg

Auch Qualitätsmedien können in den Augen des Presserates mal über die Stränge schlagen – zumindest ihre Online-Töchter. So kassiert FAZ.net nun eine Rüge für ihre Spekulationen zum Gesundheitszustand von Bischof Tebartz-van Elst. Weitere Rügen gingen an Bild.de, Das Goldene Blatt und die Dithmarscher Landeszeitung.

Anzeige

Nach Ansicht der Medienwächter verletzte FAZ.net die Privatsphäre des Bischofs. Die Frankfurter hatten Gerüchte über eine mögliche psychische Erkrankung des Geistlichen wiedergegeben. Laut des beanstandeten Presseberichtes hatte der Bruder von Tebartz-van Elst, ein Psychiater, dies angeblich „Vertrauten“ gesagt. Allerdings enthielt der Artikel keine Stellungnahme des Bischofs oder seines Bruders zu den Spekulationen.

Das Goldene Blatt wurde dagegen gerügt, weil die Illustrierte gegen seine journalistische Sorgfaltspflicht verstoßen habe, indem sie ein Porträt ohne Faktenprüfung wieder veröffentlicht hätten. In dem Stück ging es um ein Frau, die in einem Wohnmobil wohnt. Allerdings erschien der Artikel bereits vor vier Jahren in mehreren anderen Zeitungen. Das Goldene Blatt druckte die Story einfach noch einmal. Allerdings haben sich die Lebensumstände der Frau völlig verändert. Durch die Veröffentlichung sah sie sich nun – laut Presserat – „schwer belastet“.

Gegen die Dithmarscher Landeszeitung gingen die Medienwächter vor, weil sie einen Leserbrief abdruckte, „der Antisemitismus und staatliche Euthanasie in der NS-Zeit relativiert und eine falsche Behauptung über Zionisten aufgestellt hatte“. Dabei schreibt der Pressekodex vor, dass auch bei der Veröffentlichung von Leserbriefen die Publizistischen Grundsätze zu beachten sind.

Bild.de kassierte diesmal ein Rüge wegen einer diskriminierenden Berichterstattung über den Fall einer irischen Roma-Familie, der die Behörden vorübergehend ein blondes Mädchen entzogen hatten. „Das Kind war zum Zeitpunkt der Berichterstattung bereits wieder zu der Familie zurückgekehrt, weil sich der Verdacht gegen die Eltern, sie könnten das Mädchen entführt haben, als unbegründet herausgestellt hatte“, schreibt der Presserat. Die Medienwächter störten sich allerdings weniger an dem Bericht, als an der Fotostrecke und deren Bildunterschriften, die zu dem Artikel gestellt wurden.

Insgesamt sprach der Presserat diesmal vier Rügen und elf Missbilligungen aus. 24 Beschwerden waren unbegründet.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige