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Abendzeitung-Verleger: „Die Perspektive der AZ ist hoffnungslos“

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Abendzeitung München

In einem offenen und weitgehend selbstkritischen Interview, das er der Süddeutschen gegeben hat, bekennt Abendzeitung-Verleger Johannes Friedmann: "Die Perspektive der AZ ist hoffnungslos." Die Zeitung schreibe ein Defizit von etwa acht Millionen Euro pro Jahr, nun sei die Familie nicht mehr bereit, die Verluste auszugleichen.

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Der Zeitpunkt ist offenbar nicht zufällig gewählt. Seit dem Wochenende hafte Friedmann nicht mehr mit seinem gesamten Vermögen für die Schulden der Abendzeitung. Zudem seien alle Anhängsel und Beteiligungen verkauft und in die Rettung der Zeitung gesteckt worden – die Ausgabe Nürnberg, Radio Gong, das ehemalige Verlagshaus in der Innenstadt. „Das war mehr als Mäzenatentum“, sagt Friedmann. Man habe „so viele Modelle durchgerechnet“ – doch keine Strategie sei aufgegangen. „Jetzt können wir nichts mehr tun.“

Die Familie ist Minderheitsgesellschafterin der Süddeutschen Zeitung, doch der Verlag habe sich „äußerst uninteressiert“ gezeigt. Für eine Kooperation oder gar Fusion hätte die Familie kein Geld verlangt, sagt Friedmann. Infrage käme womöglich eine Sanierungsfusion mit einer Zeitung des Münchner Verlegers Dirk Ippen (tz). Fragt sich eigentlich nur, was Ippen, der mit seinem Zeitungsportfolio vergleichsweise gut dasteht, eigentlich besser gemacht hat als die Familie Friedmann.

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Als Gründe für die anhaltenden Verluste nennt Friedmann die „erbarmungslose Konkurrenzsituation“ in München, bei sinkenden Anzeigenerlösen, sinkenden Leserzahlen, immensen Druckkosten. Ende der 90er habe der Verlag einen „außerordentlich nachteiligen Druckvertrag abgeschlossen“. Im Internet sei die AZ „herausragend gut“ unterwegs, doch die Erlöse reichten nicht, um auf einen grünen Zweig zu kommen. Vor zehn Jahren hätte man das Blatt eigentlich schon beerdigen müssen.

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