Das Euro-Google: Qwant setzt auf Anonymität und Privatsphäre

Digital Economy Wer im Web sucht, der googelt. Und dennoch schicken sich die Franzosen Jean Manuel Rozan und Eric Leandri an, eine neue Suchmaschine auf deutschen Computern und Geräten zu etablieren. In Berlin haben die Qwant-Gründer erstmals seit dem Launch im Juli 2013 die Idee einer anonymen Websuche vorgestellt. Qwant will eine sichere, europäische Google-Alternative sein.

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Ein bisschen haben sich die Betreiber aber doch von Google inspirieren lassen: Die weltgrößte Suchmaschine überrascht häufig mit ungewöhnlich farbenfrohen Doodles, Abwandlungen des Google-Logos. Kunterbunt ist auch das Logo von Qwant, einer Suchmaschine aus Frankreich, die Nutzern mehr Sicherheit verspricht.  Seit 2011 arbeitet ein 25-köpfiges Team daran. “Mit unserem Anliegen, bei Suchanfragen neutral zu sein, die Privatsphäre der Internetnutzer zu schützen und den uneingeschränkten Zugang zu öffentlichen Inhalten – inklusive der sozialen Netzwerke – zu ermöglichen, entsprechen wir den Wünschen der meisten Internetnutzer”, erklärt Rozan, Vorstandsvorsitzender von Qwant.

Die Betreiber wollen die Freiheit der Nutzer bei der Suche im Internet wiederherstellen. Deshalb erfolgt nach eigenen Angaben die Ergebnisanzeige bei Qwant.com ungefiltert und unabhängig von vorherigen Suchanfragen. Der Besucher bleibt also anonym. “Wir sind sehr glücklich, unsere Lösungen heute erstmals im Ausland und zudem in der europäischen Internet- und Startup-Metropole Berlin präsentieren zu können”, so Rozan weiter. In den USA hat sich Duckduckgo als Alternative zu Google etabliert, die die IP-Adresse des Nutzers nicht erfasst. Bei Qwant wird zwar ein Cookie für die aktuelle Sitzung auf dem Rechner erstellt, aber nicht dauerhaft gespeichert. Zudem sind die Suchergebnisse nicht personalisiert, sondern sind bei allen Nutzern bei derselben Suchanfrage identisch.

Qwant sucht auch in Social Networks

Die Suchergebnisse werden in mehreren Spalten auf einer Seite zusammengefasst und nach fünf Kategorien sortiert. In der ersten Rubrik “Web” sind die Ergebnisse der klassischen Suche zu finden, während in der Kategorie “Live” aktuelle News einlaufen. “Social” liefert einen Überblick über öffentliche Beiträge aus den Social Networks Facebook, Twitter, Pinterest, Tumblr und Co. zum Thema. Die Spalte “Shopping” listet die online verfügbaren Produkte zum Suchbegriff. Videos und Bilder werden gesondert ausgeliefert. Alle Ergebnisse solle Nutzer “endlos” scrollen, ein Anklicken von Folgeseiten ist nicht notwendig.

Ab sofort will Qwant über eine Kooperation mit TripAdvisor auch Rezensionen, Bewertungen und Bilder von Hotels, Restaurants und Sehenswürdigkeiten in den Suchergebnissen ausspielen. Die Zusammenarbeit soll außerdem die Flugsuche und Vergleichsfunktion auf Qwant.com vorantreiben. “Zum ersten Mal gewährt die größte Internet-Reise-Plattform TripAdvisor einem Partner Zugang zu ihrer gesamten Reisedatenbank”, erklärt sich Eric Leandri, CEO von Qwant. Ferner vertreibt die Firme Whitelabel-Lösungen ihrer Suchmaschine an Unternehmen. Darüber hinaus wird das Unternehmen an den Einnahmen aus der ausgespielten Werbung beteiligt.

Auch wenn die Suche nach einem ersten Kurztest nicht in allen Kategorien zu hundert Prozent zum gewünschten Ziel führt, dürfte der Ansatz einer Suchmaschine ohne Datensammelwut ihre Anhänger finden. Auch die integrierte Social-Media-Suche gefällt. Entscheidend für den Erfolg von Qwant dürfte letzten Endes aber die Qualität der Suchergebnisse sein. Sucht man etwa nach seinem eigenen Namen, gibt die Suchmaschine im Bereich Shopping unpassenderweise allerlei Waren mit dem eigenen Vornamen aus. Hier hat das Team noch eine Menge Arbeit vor sich. Doch wer Wert auf Privatsphäre und Anonymität legt, sollte Qwant unbedingt einmal ausprobieren.

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