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Falscher Twitter-Schmidt: „Fake ist mitunter echter als Harald Schmidt“

Rob Vegas: Dieser Mann ist der falsche Harald Schmidt bei Twitter
Rob Vegas: Dieser Mann ist der falsche Harald Schmidt bei Twitter

Am Montag war es mal wieder soweit: Die Bild fiel zum x-ten mal auf den falschen Harald Schmidt bei Twitter rein und musste eine Korrektur drucken. Hinter dem Fake-Schmidt verbirgt sich der Bielefelder "Showmaster 2.0" Rob Vegas. Im MEEDIA-Interview spricht er über seine Jahre als falscher Twitter-Schmidt. "Der Ritterschlag war damals die ARD. Die hatten den Link zu Twitter in die offiziellen Kontaktdaten zur Show aufgenommen".

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Bei Twitter sind Sie Harald Schmidt. Wenn Sie für jeden Journalisten, der Ihren Twitter-Account für den echten Schmidt hält, einen Euro bekommen würden, wären Sie dann schon ein reicher Mann?
Wahrscheinlich schon. Viele Verfolger denken aber ebenso, wie Journalisten, an die Echtheit. Man muss bei aller Schelte auf Bild und Co. aber auch menschlich bleiben. Da ist ein Twitterprofil von Harald Schmidt, hat 55.000 Verfolger und ist seit Urzeiten aktiv. Allein dieser Umstand lässt es scheinbar echt wirken. Stefan Raab hätte so eine Aktion durch seine Anwälte wohl binnen Minuten beendet. Schmidt lässt es laufen und gibt dem falschen Harald damit eine Menge Raum. Es schadet ihm ja auch nicht.

Harald-Schmidt
Das falsche Twitter-Account von Harald Schmidt

Wer hat Sie alles schon für den echten Schmidt gehalten?
Der Ritterschlag war damals die ARD. Die hatten den Link zu Twitter in die offiziellen Kontaktdaten zur Show aufgenommen. Dann natürlich etliche Medien von Basel bis Hamburg und selbst das ZDF und Oliver Kahn sind vor Millionen Fernsehzuschauern auf den falschen Schmidt reingefallen. Im Lebenslauf der damaligen ZDF-Twitter-Expertin Jeannine Michaelsen habe ich damit einen festen Platz.

Jetzt mal ehrlich: Arbeiten Sie für Schmidt und Bonito-TV?
Er hat 2007 meine YouTube-Show in einer Aktion für 100 Euro eingekauft. Harald wollte sich damals groß ins Internet einkaufen. Insofern bin ich sogar ein Teil der Show. Schmidt bezahlt mich aber nicht. Komiker sind sich selten grün untereinander. Da kann ich ihn sogar verstehen. Warum sollte er einem kleinen Wicht aus Bielefeld so einen Ritterschlag geben? Nach vielen Jahren hatte ich ihm vor ein paar Monaten aber eine einzige Mail geschrieben. Ich wollte ihm zumindest nachweislich die Übergabe des Accounts angeboten haben und bat um eine kurze Audienz fernab der Show bei Kaffee und Kuchen. Ich könnte mir immerhin keinen Prozess leisten. Es kam nie eine Antwort, aber dafür hätte ich vor Gericht zumindest die Lesebestätigung. Vor allem aber dient es Schmidt, mir und den Medien. Schmidt hatte in den letzten Jahren fast nur schlechte Presse. Dank dem falschen Harald Schmidt gab es immer tolle Schlagzeilen und ich bekomme lauter Anfragen für Jobs. Andere müssen sich auf zehn Seiten für einen Twitter-Job bewerben. Bei mir reicht die Zeile: „Seit 2009 Betreiber von BonitoTV auf Twitter ohne Klage.“ Das ist heute fast mehr wert als Geld.

Sie bezeichnen sich als Showmaster 2.0. Was machen Sie?
Ich habe seit 2006 meine eigene Show im Netz. Mittlerweile läuft sie sogar bei Focus Online als Gastkolumne zu politischen Themen. Das ist übrigens auch wieder sehr absurd. Vor einem halben Jahr beendete Harald Schmidt beim Focus seine Kolumne und nun bin ich dort Kolumnist. Ich bin kein hipper YouTuber und werde im Mai 30 Jahre alt. Mit politischen Themen muss ich mir hier, wie Schmidt, mein Publikum im Netz wirklich suchen. Da ist auch BonitoTV sehr hilfreich, weil Harald natürlich gerne meine Sprüche und Gags zitiert. Somit reite ich ebenfalls auf dem Pferd Schmidt durch die Medienlandschaft.

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Die Rob-Vegas-Show läuft bei Robvegas.de

Wie steht der echte Harald Schmidt dazu?
Ich habe ihn einmal in der WDR Pressekonferenz im NATO-Saal zusammen mit Volker Herres erlebt. Er gab mir nicht die Hand. Ulli Tückmantel von der Rheinischen Post saß neben mir und fragte Schmidt dann irgendwann nach Twitter. Harald regte sich damals mit Blick zu mir darüber genüsslich auf. Information sei Ware – Nur gegen Geld oder gute Presse. Jetzt kündigte er an ab Herbst selber über die sozialen Netzwerke informieren zu wollen. Vor allem verschenkt er seine Gags seit Jahren auf der eigenen Website. Da liest sie nur niemand. Ich kopiere sie, verkürze sie oft lange auf 140 Zeichen für Twitter und generiere kostenlose Presse. Er hat es wohl mittlerweile verstanden. Er wird mich aber sicher nicht anrufen. Vielmehr wird er wohl ab Herbst selber twittern, oder über seine Facebook-Fanseite informieren. Warum er mich nicht mag? Ob er mich mag? Seine Gedanken dazu? Nie habe ich diese Frage von einem Journalisten in einem Interview mit ihm gelesen. Vielleicht bittet er sogar die Journalisten dann diese Fragen zu streichen. Ich habe keinen Schimmer.

Haben Sie Ihn denn schon einmal getroffen?
Mittlerweile denken viele Menschen wir würden kooperieren. Viele erinnern sich auch an einen Auftritt von mir in der Harald Schmidt Show. Es stimmt aber nicht. Ich habe Harald Schmidt nur einmal beim WDR erlebt (siehe oben). Ich bin einfach zur Pressekonferenz hin und die junge Dame bat mich um einen Eintrag in die Journalisten-Liste. Ich habe dort „Apothekenumschau“ reingeschrieben und sie hat geschmunzelt.

Was Sie als Harald Schmidt twittern ist wirklich lustig. Ist das auf Dauer nicht doof, dass immer wieder der echte Schmidt die Lorbeeren bekommt, die eigentlich Ihnen zustehen würde?
Das ist wie im Film „Wag the dog“. Der Produzent bekommt nie die Anerkennung für seine Leistung. Viele Gags kommen von mir, dazu die echten Sprüche von Schmidt und seinen Gagschreibern. Journalisten nutzen meine Arbeit immer um über die Bild herzuziehen. Die haben wieder falsch zitiert! Als damals noch niemand von dem Fake wusste, war jeder Gag von Harald Schmidt pures Gold. So konnte nur Harald twittern. Dabei war es ein Typ aus Bielefeld ohne fünf festangestellte Gagschreiber. Der Spiegel ärgert mich heute noch. Da rief mich der Journalist an und ich habe ihm erst einmal eine Stunde Twitter erklären müssen und war sehr freundlich. Am Ende wollte er mich aber als kleinen Wicht darstellen und Schmidt als den großen Könner. Zur Einleitung des Print-Artikels zitierte er dann einen Gag vom angeblich falschen Schmidt und zeriss ihn. Er zeriss also meinen Humor. Dann zitierte er einen Gag vom echten Schmidt und feierte ihn auf den kommenden Seiten ordentlich ab. Leider hatte er nur einen schweren Fehler gemacht. Er hat die Gags dummerweise vertauscht. Der angeblich falsche Gag kam von Schmidt und der angeblich echte super Spruch kam von Rob Vegas. Ich bin aber im Endeffekt dankbar. Würden Sie heute ein Interview mit mir ohne die Schmidt-Geschichte führen? Er ist mein trojanisches Pferd in die Presse.

Machen es sich viele Journalisten nicht zu kompliziert, wenn sie Sie als Harald Schmidt zitieren. Der Mann stellt doch sowieso die meisten seiner Gags online. Könnte man sich nicht einfach da bedienen?
Twitter ist halt sexy. Alle seine Gags findet man einen Tag später auf der Webseite mit Bildern. Sie könnten dort auch anrufen. Allerdings muss online alles schnell gehen und man kopiert lieber schnell einen Satz. Allerdings trauen sich viele Journalisten heute nicht mehr Schmidt zu zitieren. Dabei twittere ich ja auch die echten Sprüche. Mittlerweile ist der Account eine Mischung aus meiner Kunstfigur Schmidt und seinen echten Sprüchen. Das ist insgesamt ein sehr verrücktes Konstrukt geworden. Ich twitterte sogar letztes Jahr zum ersten April eine angebliche Vertragsverlängerung bei Sky um ein weiteres Jahr. Keine 48 Stunden später verkündeten Schmidt und Sky eben jene Vertragsverlängerung um ein weiteres Jahr. Der Fake ist mitunter echter als Harald Schmidt.

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