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Prezi-Gründer Arvai: Über den Kampf gegen die Powerpoint-Diktatur

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Prezi-Mitgründer Peter Arvai

Seit 2009 tritt das Startup Prezi gegen das Powerpoint-Diktat an. Wir einnern uns: Prezis sind die Präsentationen, die auf dem Bildschirm zwischen Bildern und Texten hin und her zoomen. Prezi hat in dieser Woche eine deutsche Version gelauncht. Mitgründer Peter Arvai sagt im MEEDIA-Gespräch, warum es wichtig ist, für europäische Startup-Champions zu kämpfen.

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Arvai gründete Prezi mit zwei Kollegen in Ungarn. Ein Teil seiner Mitarbeiter sitzt heute zwar in San Francisco, die Mehrheit, rund 140 Mitarbeiter aus 26 Nationen, sind in Budapest beschäftigt. „Wir müssen den brain drain umkehren“, sagt Arvai. Warum das wichtig sei? „Was die Zukunftsindustrien angeht, liegen wir weit hinter den USA und Asien zurück. Wir haben zwar unglaubliche Annehmlichkeiten in Europa, etwa was das Gesundheitswesen angeht oder bezahlbare Bildung, aber solche Dinge werden wir in Zukunft nicht mehr finanzieren können, wenn wir so weitermachen.“

„Europa braucht mehr Startup-Champions“, fordert Arvai. Ansonsten sei es Essig mit guten Jobs für die Generation unserer Kinder. Arvai spricht bedächtig und abgeklärt, aber das Thema liegt ihm am Herzen. Erst vor kurzem sprach er zu einer Gruppe politischer Entscheider in Brüssel. Nicht nur dort wird man es mit Sorge betrachten, dass nur vier der Top30 IT-Unternehmen ihren Sitz in Europa haben.

Nun kamen Arvai und seine Kollegen allerdings auch nicht an den USA vorbei. Ihr Startup wird von Accel Partners, Sunstone Capital und den TED Conferences mit Kapital für die Expansion versorgt. Die USA, an deren Universitäten sehr viel Wert auf Präsentations-Skills gelegt wird, waren und sind vermutlich auch ein guter Nährboden zur Verbreitung der Software.

Das Geschäftsmodell ist bestechend einfach, logisch und hat dazu geführt, dass Prezi bereits im ersten Jahr „cash-flow-positiv“ war. Jeder Nutzer kann das Tool gratis verwenden, solange er zustimmt, dass seine Präsentationen öffentlich sind. Wer für seine Firma an Darstellungen arbeitet, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sein sollen, muss eine monatliche Gebühr zahlen. Je nach Komfortlevel sind das knapp 5 oder gut 13 Dollar im Monat. Arvai sagt, es gebe bisher 36 Millionen registrierte Nutzer der Software, mit über 100 Millionen veröffentlichten Prezis.

Deutschland gehört zu den Top-10-Prezi-Ländern. Wie hoch hier die Nutzerzahlen sind, verrät Arvai nicht. Eine deutschsprachige Version sei nötig, erklärt er, weil sich offenbar doch viele Nutzer wohler mit einer Anleitung und Menüs in ihrer Muttersprache fühlen. Hauptzielgruppe von Prezi sind Lehrer an Schulen und Universitäten sowie Marketing- und Sales-Leute. Je mehr Menschen das Tool nutzen, um so schneller wird es sich theoretisch verbreiten. Denn Prezi wird je gerade verwendet, um anderen Menschen vorgeführt zu werden.

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Die weit verbreiteten Programme Powerpoint (Microsoft) und Keynote (Apple) sind sowohl Hindernis wie Chance für den Aufstieg des Startups. Hindernis, weil viele Menschen auch aus Bequemlichkeit das Tool nehmen, das auf ihrem Computer oft sowieso installiert ist. Chance, weil Prezi ganz anders funktioniert als die Marktführer – die das Geschäfts- und Bildungssystem entsprechend mit ihren auf Folien notierten Spiegelstrich-Texte weiterhin prägen. Arvai hat Erkenntnisse aus der Hirnforschung parat, um seine Anwendung zu promoten.

Fragt man also eine Person, welche Küchengeräte sie besitzt, wird sich diese Person in der Regel ihre Küche vorstellen und dann aufzählen, was dort vor dem geistigen Auge erscheint. Was man eher nicht tut, ist im Kopf eine Liste zu bilden. Das Hirn funktioniert vor allem bildgetrieben. Das macht sich Prezi zunutze – es ist vor allem eine visuelle Anwendung.

Wohin geht es für Prezi? Zwei Milliarden Menschen bräuchten eine Anwendung, um ihre Ideen besser darstellen zu können, findet Arvai. Und ist in diesem Moment nun doch ein wenig amerikanisch, wo er sonst eher die europäische Antithese zum US-Gründer ist, der das Potenzial seiner Geschäftsidee im Prinzip immer eher über- als untertreibt. „Wir müssen größer über unsere Ideen denken“, sagt Arvai – und meint damit auch seine eigene Firma.

Eine Prezi-Präsentation über die eigene Gründungsgeschichte des Startups gibt es hier.

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