Anzeige

„Scream! If you can“: Fernsehen, einfach erschreckend

Mit „Scream! If you can“ wollte ProSieben Deutschlands erste Horror-Show ausstrahlen. Ein Horror war die Show tatsächlich.
Foto: © ProSieben/Willi Weber
Mit "Scream! If you can" wollte ProSieben Deutschlands erste Horror-Show ausstrahlen. Ein Horror war die Show tatsächlich. Foto: © ProSieben/Willi Weber

Um die neue ProSieben "Horror"-Show "Scream! If you can" in nur einem Wort zusammenzufassen: Es war einfach "krass". Mit dieser Beschreibung lag Moderator Thore Schölermann schon mal gar nicht so falsch: Die Show war nämlich krass nicht sehr gruselig und dafür krass langweilig.

Anzeige
Anzeige

Mit der Ankündigung, es werde jetzt „schaurig spannend“, verabschiedete „Galileo“-Moderatorin Funda Vanroy ihr Publikum in die Primetime. Ab jetzt sollte der Samstagabend gruselig werden, ja wirklich nervenzerreissend. ProSieben zeigte die erste Folge von „Scream! If you can – Wer Angst hat, verliert“, in der fünf Freunde für eine Nacht in eine Horrorkulisse, einen Wald in Großbritannien, gesteckt werden, um dort nach insgesamt 70.000 Euro zu suchen. Das Problem: Jeder der insgesamt fünf Geldschätze lag in einer verschlossenen Kiste, die von kläffenden Hunden bewacht wurde. Um an die Schlüssel zu gelangen, musste das Team Aufgaben im Gruselwald bewältigen.

Wenn ProSieben ankündigt, Deutschlands „erste Mystery-Show“ zu produzieren, heißt es: Obacht! Denn auch die „erste demokratische Millionärswahl“ ging schließlich schief. Und auch in diesem Fall hat ProSieben bewiesen, dass dickes Auftragen im Vorfeld so rein gar nichts für die Quote bringt.

Bei „Scream! If you can“ ist bereits im Vorfeld ziemlich viel falsch gelaufen: die Wahl des Moderators (der immer liebe Thore Schölermann, wie angsteinflössend!), die Wahl der Sendezeit (Horror in der Primetime?) und auch die Auswahl der Kandidaten. Die fünf Freunde Alina, Kim, Jacqueline, Alex und Alec hatten im Vorfeld angeblich nicht gewusst, worauf sie sich einließen. Ein bisschen Action für 70.000 Euro Gewinn. Doch was sich für die Freunde nach Spaß anhörte, sollte in einem Trip enden, den sie wohl nie mehr vergessen werden. ProSieben wollte aus ihnen reale Komparsen eines Horrorfilms machen. Um an die 70.000 Euro zu gelangen, mussten die Freunde eine ganze Nacht einen finsteren Wald durchqueren, an blutspuckenden Vogelscheuchen vorbei, vor einer düsteren Mörderin fliehen, sich durch Gedärme wühlen und vor aggressiven Hunden davonrennen. Ja, „Scream! If you can“ war eine wirklich erschreckende Show. Erschreckend, wie die Verantwortlichen eine potentiell interessante Idee in den Sand gesetzt haben.

Anzeige

Thore Schölermann war die wohl größte Fehlbesetzung an diesem Abend. Der smarte „The Voice“-Moderator war zu lieb, seine Kommentare zu den Kandidaten-Aufgaben („wow, war das krass“, „echt krass“, „das ist krass“, „krass“) waren einfach nur krass daneben. Mit den fünf Freunden aus Bonn konnte der Zuschauer leider auch wenig anfangen. Zwar schienen die beiden Jungs in der Gruppe geeignete Kandidaten fürs Privatfernsehen zu sein („Digga, was machen die mit uns“, „Alta, wieso müssen wir ausgerechnet abends machen“), sie mutierten dann aber eher zu Weicheiern, deren größte Herausforderung es war, ein auf einen Grabstein geschriebenes Rätsel zu LESEN – von lösen mal ganz zu schweigen. Dafür zeigten dann die Mädel keinerlei Anzeichen von Furcht. Was dann aber auch wenig unterhaltsam war.

Hier wird ein Problem der Sendung deutlich: Kandidaten und Zuschauer wissen, dass die Beteiligten zu keiner Zeit in ernsthafter Gefahr sind. Vielleicht wären (Trash-)Prominente als Kandidaten besser? Die Georginas und Sarah Dingens dieses Landes wissen, wie man sich in gespielten Gefahrensituationen verkauft. Die Mystery-Show wirkte eher wie eine Karnevalsveranstaltung. Während der Challenges spielte die Regie immer wieder Sequenzen mit Grusel-Darstellern ein, etwa eine lebendige Vogelscheuche, die dann aber mit den Kandidaten gar nicht in Kontakt kamen. Einige Aufgaben luden eher zum Lachen als zum Gruseln ein.

Will ProSieben wirklich an dem Format, das schon jetzt hohe Flopwahrscheinlichkeit hat, festhalten, müssten wesentliche Änderungen her. Andere Moderatoren, andere Kandidaten, vielleicht sogar Promis? Und ein anderer Sendeplatz. Ansonsten wird es wohl bei einem einmaligen Experiment bleiben, was es bisher war.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*