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Warentest: Threema ist die sicherste WhatsApp-Alternative

WhatsApp, Line, Blackberry, Threema und Telegram: Messenger im Test
WhatsApp, Line, Blackberry, Threema und Telegram: Messenger im Test

Die Stiftung Warentest hat nach der Übernahme von WhatsApp durch Facebook fünf Messenger-Dienste unter die Lupe genommen und vor allem den Datenschutz abgeklopft. Dabei schnitt Threema als "unkritisch" ab. WhatsApp hingegen bewerten die Tester als "sehr kritisch".

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Neben WhatsApp, Threema und Telegram wurden auch der Blackberry Messenger und die japanische Alternative Line getestet – und ebenfalls beide als „sehr kritisch“ eingestuft.

Threema bietet eine vertrauensvolle Verschlüsselung an und speichert Adressbuch-Daten nur in pseudonymisierter Form – und das auch nur nach Zustimmung des Nutzers. Zudem ist die App auch nutzbar, wenn sie nicht mit dem Telefonbuch des mobilen Gerätes verbunden wird. Zwar sei Threema weitestgehend unbedenklich, trotzdem gebe es Einschränkungen des positiven Urteils: Beim Angebot der Schweizer Entwickler handele es sich nämlich nicht um eine quelloffene App. Das verhindert, wie auch schon MEEDIA bemängelt hat, eine komplette Analyse des Datensendeverhaltens. „Die Prüfer können ausschließen, dass die App Nutzer­daten unver­schlüsselt über­trägt. Ob sie manche Daten aber eventuell verschlüsselt kommuniziert, konnten sie nicht zweifels­frei fest­stellen“, so Warentest. Positiv wiederum sei das Ampelsystem der App, mit dem Threema anzeigt, wie authentisch der Kontakt auf der anderen Seite ist.

Ebenfalls End-to-End-verschlüsselt wie Threema ist die Alternative Telegram. Stiftung Warentest bemängelt jedoch, dass der Nutzer die sichere Option erst gezielt aktivieren muss, bevor ein Chat verschlüsselt wird. Außerdem speichere die App automatisch alle Adressbucheinträge ohne die Zustimmung des Nutzers oder der betroffenen Personen. Ansonsten würden aber keinerlei andere Daten an die Server des Betreibers weitergeleitet werden. Positiv sei, dass Telegram die einzige der getesteten Apps ist, die ihren Quellcode zumindest teilweise offenlegt. Trotzdem sei eine vollständige Analyse des Datenverlaufes nicht möglich. Auch hier sei aber auszuschließen, dass die Nachrichten unverschlüsselt versendet werden.

Im Test miserabel abgeschnitten hat u.a. der Messenger des Geräteherstellers Blackberry. Hier habe sich nicht eindeutig prüfen lassen, ob der Messenger eine End-To-End-Verschlüsselung verwendet. Die iOS-Version übertrage Nutzerdaten zumindest teilweise unverschüsselt an die Server im Ausland. Vor- und Nachnamen der Nutzer würden sogar an Dritte übermittelt, genauso wie weitere Nutzerdaten wie möglicherweise Nachrichteninhalte. Die Android-App übertrage Daten zwar verschlüsselt, frage dafür aber umso mehr Daten hab. Hier gehen neben dem Vor- und Nachnamen auch der Nutzername, das Passwort, das Geburtsdatum, Heimatland, die Email-Adresse sowie die Sicherheitsabfrage und die dazugehörige Antwort an den Nutzer. Ebenfalls sehr kritisch seien die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der App. Mehrere Klauseln gestatteten es Blackberry, die gesammelten Informationen mit Daten anderer Quellen zu kombinieren. Dies ermögliche die Erstellung präziser Persönlichkeitsprofile. Der Blackberry-Messenger ist nicht quelloffen.

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Zu einem ebenso „sehr kritischen“ Testergebnis kommt die Stiftung Warentest beim Messenger Line, der Nummer 2 hinter WhatsApp. Die Nachrichten der Line-Nutzer werden nicht sicher verschlüsselt. Der Anbieter liest die Chats also mit. Aus dem Telefonbuch greift die App nur Daten ab, wenn der Nutzer ausdrücklich zustimmt. Auch bei Ablehnung kann die App verwendet werden. Zwischen Android- und iOS-Version gibt es Unterschiede im Datenschutz: Die Android-App sendet die Seriennummer des Gerätes unverschlüsselt an Dritte. Die iOS-Version übermittelt Dritten die eindeutige Identifikationsnummer des Geräts – diese kann aber jederzeit geändert oder ihre Freigabe verweigert werden. Auf Apple-Geräten, die ein älteres Betriebs­system als iOS 7 haben, vers­ende die App zusätzlich die WLAN-Netz­werk­adresse. Diese gingen aber nur an den App-Betreiber. Auch Line verbirgt seinen Quellcode.

Das wohl größte Datenschutz-Defizit hat laut den Testern WhatsApp. Auch beim Marktführer liest der Betreiber Nachrichten potenziell mit, Telefondaten werden übermittelt, ohne dass der Nutzer die Gelegenheit hat, die Weitergabe zu untersagen. Gleichzeitig gibt WhatsApp die Telefonnummer des Nutzers an Dritte weiter. Die Android-Version versende die Daten sogar dann, wenn der Nutzer sie erst ins Telefon eingibt. Auch die AGBs seien bedenklich. So behält sich WhatsApp vor, die Bedingungen jederzeit ändern zu können, ohne dass der Nutzer noch einmal zustimmen oder ablehnen darf. Auch WhatsApp ist quellverschlossen. WhatsApp-Gründer Jan Koum hatte auf der Digitalkonferenz DLD im Januar gesagt: “Wir haben nur die Telefonnummer und die Liste von Leuten, denen ein Nutzer Nachrichten schickt.”

 

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