Anzeige

Licht und Schatten in der Olympia-Bilanz von ARD und ZDF

Die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi
Die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi

Die Olympischen Winterspiele in Sotschi waren für die deutschen TV-Sender ein Erfolg - aber kein uneingeschränkter. Eine Straffung des Programms hätte den Spielen gut getan, in Woche 2 ließ das Interesse der deutschen Fans merklich nach. Das MEEDIA-Fazit der Spiele von Sotschi.

Anzeige
Anzeige

Über die „höchste Sehbeteiligung seit Lillehammer 1994“ freute sich das ZDF am Sonntag in einer Pressemitteilung. Und tatsächlich: An den neun ZDF-Tagen sahen die Wettbewerbe im Durchschnitt 3,63 Mio. Fans, seit 1994 gab es keinen so hohen Wert. Was das ZDF aber nicht dazu sagt: 1998, 2002 und 2010 fanden die Spiele in Nagano, Salt Lake City und Vancouver statt – wegen der Zeitverschiebung konnte es da also gar keine besseren Zuschauerzahlen als jetzt geben. Immerhin: Die Spiele aus Turin 2006 wurden von Sotschi nun also getoppt.

Der Blick auf die Zahlen zeigt, dass teilweise mehr als 8 Mio., einmal sogar mehr als 9 Mio. Leute Olympia schauten – stolze Werte, insbesondere wenn man daran denkt, dass in der Prime Time nahezu nichts mehr stattfand. Die stärkste Live-Übertragung aus Sotschi war dabei das Einsitzer-Rodeln der Herren, in dem Felix Loch Gold gewann. 9,21 Mio. sahen am Sonntag, den 9. Februar ab 17.55 Uhr zu. Damit wurden auch die eigentlichen deutschen Zuschauer-Hits Skispringen und Biathlon geschlagen – die attraktive Sendezeit am Sonntagvorabend hatte natürlich einen Anteil daran.

Die Top 20 aus Sotschi:

Anzeige
TV-Quoten: Top-20-Übertragungen Olympia 2014
Platz Sendung Sender Zeit Mio.
1 Rodeln Einsitzer Herren ZDF 9.2., 17.55 9,21
2 Die Eröffnungfeier ZDF 7.2., 16.10 8,97
3 Skispringen Normalschanze ZDF 9.2., 18.30 8,70
4 Biathlon 7,5km Sprint Damen ZDF 9.2., 15.30 8,01
5 Rodeln Einsitzer Herren ZDF 9.2., 16.45 7,88
6 Eiskunstlauf Kurzprogramm Paare Das Erste 11.2., 20.10 7,85
7 Moderation ZDF 9.2., 17.10 7,65
8 Eiskunstlauf Kür Paare ZDF 12.2., 19.05 7,19
9 Skispringen Teamwettbewerb Herren Das Erste 17.2., 18.15 7,05
10 Rodeln Teamstaffel ZDF 13.2., 17.20 6,93
11 Eishockey RUS/GER Damen Zus. ZDF 9.2., 17.15 6,87
12 Skispringen Großschanze ZDF 15.2., 18.45 6,70
13 Skispringen Normalschanze Herren Qualifikation Das Erste 8.2., 17.30 6,53
14 Skispringen Damen Das Erste 11.2., 19.10 6,51
15 Ski Alpin Slalom Damen Das Erste 21.2., 17.15 6,50
16 Biathlon 10 km Sprint Herren Das Erste 8.2., 15.30 6,40
17 Rodeln Damen Das Erste 11.2., 15.25 6,35
18 Abschlussfeier Das Erste 23.2., 17.10 6,33
19 Ski alpin Slalom Herren ZDF 22.2., 17.20 6,27
20 Snowboard Halfpipe Damen Zus. ZDF 12.2., 19.45 6,23
Quelle: ARD, ZDF

Der Blick auf die Quoten-Charts zeigt aber auch, dass das Interesse vor allem in Woche 1 groß war. In der zweiten Woche der Spiele nahm es spürbar ab. Zwar gab es auch hier noch ein paar Highlights wie das Team-Skispringen oder die beiden Slaloms der Damen und Herren, doch die Zahlen der ersten Tage blieben unerreicht. Das lag sicher auch, aber nicht nur an den fehlenden deutschen Erfolgen. Es gab ganz einfach auch viel zu viel Leerlauf in den stundenlangen Sotschi-Live-Strecken. Fiel mal ein Biathlon-Rennen aus, wussten ARD und ZDF nicht so recht, wie sie die Sendefläche füllen sollten. Und auch wenn nichts ausfiel, gab es oft viel Langeweile. Hier sollte das IOC darüber nachdenken, die Winterspiele zeitlich wieder etwas zu straffen. 17 Tage von Eröffnungs- bis Schlussfeier scheinen deutlich zu lang. Schließlich macht es bei Sommerspielen auch gerade den Reiz aus, wenn viele Wettkämpfe parallel stattfinden und die TV-Sender hin- und herschalten. Dieses Erlebnis fehlte in Sotschi fast komplett.

Auch qualitativ gab es bei ARD und ZDF Licht und Schatten. Insgesamt zeigte man technisch nahezu reibungslose Live-Übertragungen mit soliden Reportern. Bei den Experten zeichnete sich ZDF-Ski-Mann Marco Büchel ebenso aus wie überraschenderweise Katharina Witt, deren Aufregung nach dem Fehlurteil beim Damen-Eiskunstlauf ein kritischer Lichtblick war – aber leider von Moderator Michael Antwerpes ziemlich abgewürgt wurde. Ohnehin: Kritik war offenbar nicht gern gesehen im Wohlfühl-Sport-Fernsehen von ARD und ZDF. Ein absolutes Negativ-Beispiel waren dabei die Porträts über IOC-Chef Thomas Bach, die eher wie Berichte von Fans, statt wie Berichte von Journalisten aussahen.

Für Pyeongchang 2018 gibt es also durchaus ein paar Dinge, die man verbessern sollte. Rekord-Quoten wird es dann wegen der Zeitverschiebung aber ohnehin nicht wieder geben.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*