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„Kartonschädel“: Matussek fällt über Stefan Niggemeier her

Mattias Matussek (l.), Stefan Niggemeier
Mattias Matussek (l.), Stefan Niggemeier

Ex-Spiegel-Mann und Welt-Autor Matthias Matussek hat in der Debatte um Homophobie einen vielzeilige Beleidigungsschrift auf einen Beitrag des Medienbloggers Stefan Niggemeier veröffentlicht. Matussek bezeichnet Niggemeier darin u.a. als "Kartonschädel", "Trottel", "aufgeschwemmten Mausepaul" und "Regenbogen-Haudegen". Die wüsten Beschimpfungen würzt Matussek mit einer gehörigen Portion Prahlerei in eigener Sache.

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Grund für Matusseks Erregung ist ein Beitrag Niggemeiers in seinem Blog, in dem er Matussek nachweist, dass dieser offenbar einen Fragebogen der Lehrergewerkschaft GEW, der an Siebtklässler gerichtet ist, gründlich missverstanden hat. Matussek deutete den Fragebogen so, als sollten Schüler mit Hilfe von Suggestivfragen quasi in ihrer Heterosexualität erschüttert werden. Dabei ging es dem Fragebogen in Wahrheit darum, stereotype Fragen, die normalerweise Homosexuellen gestellt werden, als absurd zu entlarven. Niggemeiers Artikel ist überschrieben mit „Matthias Matussek scheitert an Fragebogen für Siebtklässler„.

Am Ende des Beitrag schreibt Niggemeier: „Und der Mann, dessen Leseverständnis nicht ausreicht, um das richtig zu interpretieren, und der sich stattdessen in einen Empörungsrausch über die ‚Frankensteins‘ schreibt, die so etwas ‚tatsächlich aus ihren wirren Schädeln qualmen lassen«, war eine Weile Kulturchef beim Spiegel. Das wär jetzt wirklich mal ein Punkt zum Hände-über-dem-Kopf-Zusammenschlagen.“

Offenbar hat Niggemeier da bei Matussek einen wunden Punkt getroffen, denn der beißt beim Debatten-Portal The European nun verbal wild um sich. Matussek beginnt mit ungebremsten Prahlereien, was er alles schon erlebt und erreicht habe. U.a. gibt er damit an, LSD-Trips eingeworfen zu haben und „bekifft“ den Film „2001 – Odyssee im Weltraum“ geschaut zu haben. Dann verweist Matussek auf die im Vergleich mickrigen Errungschaften und Erfahrungen Niggemeiers:

„Was haben Sie erlebt – außer im Netz nach ‚Belegen‘ zu suchen, die der Denunzierung und dem Charaktermord dienen könnten? Sie sind Teil einer Generation, in der sich Anpasser und Aufpasser zu Hohepriestern einer repressiven, „menschheitsverbessernden“ Moral aufspielen. (…) Sie argumentieren wie ein Hitlerjunge, dem die bürgerliche Bildung ein Popanz ist; die gute Gesinnung, jetzt nicht die völkische, sondern der derzeit herrschende linke Konsens, finden Sie eher ‚in der Kommentardiskussion im Internet‘, als deren Blockwart sie sich verstehen.“

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Aber Matussek wollte ja auch auf den Vorwurf eingehen, dass er den GEW-Fragebogen nicht kapiert hat. Zu Beginn seiner Schimpfschrift schreibt er: „Natürlich habe ich nicht falsch gelesen, sondern lediglich kompletter als Sie.“ Irgendwo im hinteren Drittel gibt er dann aber doch zu: „Und wissen Sie was – ich hielt für möglich, dass die Oberlehrer der Gleichstellung 13-Jährige mittlerweile so fragen, denn wir leben in Zeiten, in denen sich eine vierfache Mutter, die von der traditionellen Familie als ihrem Lebensideal spricht, darüber belehren lassen muss, dass sie damit eventuell die Homosexuellen beleidigt.“ Hat er also doch „falsch gelesen“, bzw. den Fragebogen nicht kapiert, aber er ist halt noch stolz drauf. In der ganz und gar verqueren Matussek-Logik hat er sich mit seiner reaktionären Dusseligkeit damit sogar als „als homophil geoutet, denn ich habe klar gemacht: So sollte nicht gefragt werden. Und das Irre, Niggi: So werden Schwule längst nicht mehr befragt. Das war schon in den späten 1960er-Jahren nicht mehr der Fall.“

Also: Weil er., Matussek, den Fragebogen für Siebtklässer nicht kapiert hat, ist in seiner Denkart automatisch der Nachweis erbracht, dass Homosexuelle mit solchen Stereotypen nicht mehr konfrontiert werden, ergo hat Matussek gleichsam aus Versehen den „Beweis“ geliefert, dass Homosexuelle nicht mehr diskriminiert werden und Matussek ist homophob und homophil gleichzeitig.

It’s a mad, mad Matussek-World.

(swi)

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