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DuMont Schauberg und die Angst vor dem Aschermittwoch

DuMont-Vorstandschef Christoph Bauer
DuMont-Vorstandschef Christoph Bauer DuMont-Vorstandschef Christoph Bauer

Der neue Chef von M. DuMont Schauberg, Christoph Bauer, hatte keinen Traumstart. Noch bevor er seine Strategie vorstellen konnte, wurde die Bilanz für 2012 veröffentlicht, und die fiel mit einem Verlust von 112 Millionen katastrophal aus. Bauer, der für die Fehler der Vergangenheit nichts kann, erklärte die Probleme in einem Interview "für "gelöst". Das mag für die Frankfurter Rundschau zutreffen – für den Rest des Hauses nicht.

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Zunächst: es war richtig und wichtig, dass DuMont Schauberg im vergangenen Jahr endlich einen familienfremden Zeitungsmanager engagierte, der den Vorsitz im Vorstand übernimmt. Die echten und eingebildeten Zwänge, denen sich DuMont durch eine komplexe Familiengeschichte unterwarf, gehörten und gehören beseitigt. Die Idee, dass sich die beiden Gesellschafterfamilien immer in einer Art „balance of power“ zueinander verhalten müssen, ist anachronistisch. Ebenso wie die dynastische Idee von Familienmitgliedern als geeigneten Managern. Sie hat sich als Irrweg erwiesen. Die Familie gehört in den Aufsichtsrat, wo sie ja auch gut vertreten ist.

Der Kauf der Frankfurter Rundschau war ein großer Fehler, den Patriarch Alfred Neven DuMont zu verantworten hat. Der Kauf der Zeitungen in Berlin und Hamburg hat bisher, vor allem wegen Berlin, zu Verlusten geführt. Ob DuMonts Manager das Ruder rumreißen können, wird sich zeigen. Im vergangenen Jahr wurde ein harter Sparkurs eingeschlagen. Die FR, die vor allem für die horrenden Verluste gesorgt hat, ist nun raus aus der Bilanz. Problem gelöst, sagt CEO Bauer im Interview mit der SZ. Doch trifft das auch für den restlichen Verlag zu?

Beim Berliner Verlag musste eine recht heftige Wertberichtigung vorgenommen werden. So schwierig, wie sich der Werbemarkt entwickelt, dürfte die Talsohle noch nicht zwingend erreicht sein. Der Tagesspiegel hat kürzlich seine Positionierung überarbeitet, die Berliner Morgenpost gehört jetzt zur Funke Mediengruppe. Es bleibt dabei, dass in Berlin sicher keine großen Beiträge zum Wohlergehen von DuMont zu erwarten sind.

Prekär könnte es da werden, wo der Heimatmarkt von DuMont betroffen ist. Eine Information des Handelsblatt, die auch MEEDIA vorliegt, lautet: der Kölner Stadt-Anzeiger soll bis Ende 2015 1,3 Millionen Euro einsparen. Reise- und Honoraretats seien drastisch gekürzt worden, mehr Beiträge sollen angeblich in Zukunft von der DuMont Redaktionsgemeinschaft („Rege“) kommen. Bestätigt wird das alles nicht. Es halten sich zudem Gerüchte, die Bild-Zeitung könnte einen weiteren Angriff auf den Markt des Kölner Express starten. Spekulationen, die Hamburger Morgenpost könnte zum Verkauf stehen, werden derweil heftig dementiert.

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In der Zeitschrift MDSintern hat der Vorstand just die Strategie der Gruppe vorgestellt. Künftig heißen die drei Säulen: Regionalmediengeschäft, Fachmediengeschäft, Digitalgeschäft. Doch Fachmedien und Digitalgeschäft sind bisher zwei sehr schlanke Säulen, sind eher so etwas wie Zierpfeiler. Die Fachmedien sind in erster Linie der Bundesanzeiger-Verlag, der mittlerweile ganz ordentlich arbeitet. Doch zu einem richtigen Geschäftsfeld fehlt noch einiges. Mit dem Digitalgeschäft sind vor allem die Beteiligungen an Startups gemeint, die bei DuMont Venture gebündelt sind. Der einzig wirklich namhafte Exit gelang mit der Beteiligung an dem Werbenetzwerk Plista.

Die Konzentration auf die drei Säulen ist naheliegend und sicher auch nicht falsch. Doch bleibt es auf absehbare Zeit dabei, dass der Haupterlösbringer das Regionalgeschäft sein muss. Und hier hat DuMont auch in Zukunft, trotz eines kleinen Gewinns in 2013, noch unter den Folgen der riesigen Verluste zu leiden. Denn die Frage ist ja, wie viel Spielraum in den beiden Wachstumsfeldern bleibt. Ohne Zukäufe wird es vermutlich nicht gehen, doch hat die Gruppe überhaupt die Mittel? In der Bilanz von 2012 war die Eigenkapitalquote auf 10,5 Prozent gesunken.

Die Vorstellung bzw. Darstellung des neuen Chefs Christoph Bauer, er könne nun quasi wieder bei Null starten, sind nachvollziehbar. Aber entsprechen wahrscheinlich nicht ganz der realen Lage. Bauer, der von sich sagt, er sei „verhalten optimistisch“, wird zunächst mit den Titeln arbeiten müssen, die er im Portfolio hat. Und dennoch bleibt ihm zunächst nichts anderes übrig, als dem Markt eine Wachstumsstory anzubieten. Andernfalls könnte man ja, das sagt er im Interview selber, auch gleich aussteigen, sich von der Branche verabschieden. Doch das ist natürlich keine Option.

Jetzt feiert Köln erstmal Karneval. Den Aschermittwoch, an dem bekanntlich „alles vorbei“ ist, hat Bauer mit seinen Ansagen erstmal aus dem Kalender gestrichen.

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