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KLM und die „zensierte“ Pressereise

Pieter Elbers: stellvertretender Vorstandsvorsitzende von KLM
Pieter Elbers: stellvertretender Vorstandsvorsitzende von KLM

Die holländische Fluggesellschaft KLM hat die Pressefreiheit und Pressefotografie immer hochgehalten. Lange Jahre war sie Hauptsponsor der Stiftung World Press Photo in Amsterdam, die jährlich die Pressefotos des Jahres auswählt und prämiert. Ein aktuelles Beispiel zeigt nun, wie die Airline versucht, sich in redaktionelle Artikel einzumischen und Fotozensur auf einer deutschen Website zu betreiben.

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Im Jahr 2001 warb die KLM im Wettbewerbs-Katalog für das Pressefotos des Jahres in einer ganzseitigen Anzeige unter dem Motto: „KLM und Fotografie – ein starkes Bild ist mehr Wert als tausend Worte.“ Darin heißt es: „Wir haben mit Interesse, Bewunderung und Respekt … die Leistungen des Fotojournalismus beobachtet. Wir haben viel gemeinsam. Wir überbrücken auch Grenzen.“ Heute stößt KLM eher an Grenzen, versucht sie doch derzeit in einer selbst von erfahrenen Journalisten selten erlebten Art und Weise, Einfluss auf redaktionelle Berichterstattung zu nehmen. Das ist umso erstaunlicher, als die Airline aus Amsterdam als führend im Bereich der Nutzung von Social Media gilt, wo die Luftfahrtbranche ansonsten hinterherhinkt.

Anfang Februar luden die Holländer ein Dutzend Fachjournalisten aus ihrem Heimatland, Deutschland, Polen, Norwegen und Argentinien auf eine Kurzreise nach Südamerika ein. Anlass war die Eröffnung der KLM-Strecke von Buenos Aires nach Santiago de Chile. Während des Hinflugs sowie des gerade mal 26stündigen Aufenthalts in der chilenischen Hauptstadt stand der kürzlich ins Amt gekommene, 43jährige stellvertretende Vorstandsvorsitzende Pieter Elbers den Journalisten für Kurzinterviews zur Verfügung, außerdem gab es ein Rahmenprogramm mit Willkommenszeremonie am Flughafen und einer Party in der Residenz der niederländischen Botschaft in Santiago. Soweit alles im üblichen Rahmen solcher Touren. Was dann allerdings aus der KLM-Pressestelle folgte, kommentierte ein norwegischer Journalistenveteran nur mit „Frechheit“.

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Gleich mehrfach erhielten die mitgereisten Reporter von der KLM-Pressechefin Lisette Ebeling-Koning die Aufforderung: „Wir freuen uns Ihre(n) Artikel zur Freigabe vor Veröffentlichung zu erhalten.“ Dabei ging es ausdrücklich nicht nur um die häufig geübte Praxis, wörtliche Interview-Zitate abzustimmen, sondern darum, redaktionelle Texte abzunicken. Die meisten Adressaten dieser als unsittlich empfundenen Bitte kamen überein, das Ansinnen schlicht zu ignorieren. Die deutsche PR-Agentur Text & Aktion, die hierzulande für KLM spricht, kommentiert das Vorgehen der Amsterdamer Pressechefin denn auch zurückhaltend: „Auch für uns ist ihr Wunsch, Artikel vor Abdruck vorzulegen, überraschend. Wir denken, dass dies wahrscheinlich als Absicherung ihrerseits gedacht war und nicht als Kontrolle.“ Die KLM-Pressechefin rechtfertigte sich später damit, dass dies in Holland üblich sei und entschuldigte sich sogar für Ihr Vorgehen. Niederländische Kollegen bestreiten, dass dies gängige Praxis im Nachbarland sei.

Dann veröffentlichte die deutsche Branchenwebsite airportzentrale.de einen ausgiebigen, freundlich gehaltenen Artikel über den KLM-Erstflug mit vielen Fotos von der Reise. Unter anderem eins, das den KLM-Vizechef Pieter Elbers mit einer Wachsoldatin im chilenischen Präsidentenpalast in Santiago zeigt Airportzentrale.de. Er hatte dort bereitwillig für die Reporter posiert, KLM selbst verschickte später ein ganz ähnliches Foto ihres Südamerika-Chefs mit der gleichen Soldatin als Pressefoto-Link. Doch in Amsterdam stößt das Reporter-Foto von Elbers in vorauseilendem Gehorsam nicht auf Gegenliebe. Die Pressechefin lässt über die deutsche Agentur die Website-Betreiber wissen: „Pieter wird nicht amüsiert sein von seinem Bild mit der Frau in Uniform (zu privat), also sorgen Sie bitte dafür, dass dieses Foto von der Website entfernt wird.“ Dort steht es aber weiterhin, weil deutsche Journalisten sich weigern, ihre Bildauswahl nach den Befindlichkeiten einer Fluggesellschaft oder ihrer Pressechefin zu treffen.

Stillgestanden: Der Südamerika-Chef von KLM posiert mit einer Wachsoldatin vor chilenischen Präsidentenpalst

Auf den Facebook-Seiten, wo betroffene Journalisten den Fall schildern, sorgt er schon für heftige Diskussionen. „Das ist Zensur wie bei Putin“, kommentiert der deutsche Chef des Moskauer Flughafens Domodedowo, der vermutlich weiß wovon er spricht. Ein Reiseredakteur einer großen Zeitung bringt es auf die Formel: „KLM – Keine Lust Mehr.“

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