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Die gebührenfinanzierte ZDF-Sause für die Gold-Rodler

ZDF-Moderator Jochen Brever spricht mit den Gold-Rodler Felix Loch, Natalie Geisenberger, Tobias Arlt und Tobias Wendl
ZDF-Moderator Jochen Brever spricht mit den Gold-Rodler Felix Loch, Natalie Geisenberger, Tobias Arlt und Tobias Wendl

Genau diese Geschichten sorgen immer wieder für ein Debatte um Sinn und Unsinn gebührenfinanzierten Fernsehens: Das ZDF will im "aktuellen Sportstudio" die Rodel-Goldmedaillengewinner präsentieren. Statt sie aus Sotschi zuzuschalten, lassen die Mainzer die Sportler extra einfliegen. Zu sehen war das Interview dann ab 0.36 Uhr.

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Die Macher vom Lernchenberg sind sich allerdings keiner Schuld bewusst. „Der Auftritt unserer Gold-Rodler ist ein Juwel für die Sendung. Wir müssen allein schon deswegen für eine besondere Atmosphäre sorgen, weil es eine Sendung mit Publikum ist“, verteidigte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz die Aktion.

Aber hätte das wirklich sein müssen? In Sotschi verfügen ARD und ZDF über ein eigenes – angeblich 500.000 Euro teures – Studio. Doch statt die Gold-Rodler Felix Loch, Natalie Geisenberger, Tobias Arlt und Tobias Wendl dem sportinteressierten Publikum einfach via Live-Schalte zu präsentieren, flog das Zweite die Sportler nach Mainz, sie traten 15 Minuten auf, schossen auf die Torwand, übernachteten in einem Hotel und wurden am nächsten Morgen wieder nach Russland geflogen. Die Flug-Kosten beliefen sich laut stern.de dabei auf rund 400 Euro pro Person.


Ab 0.36 Uhr kamen die Gold-Rodler im „aktuellen Sportstudio zu Wort

Unterstützung bekommt der TV-Sender vom deutschen Chef de Mission Michael Vesper: „Die Rodler haben die Aufmerksamkeit verdient. Ich wundere mich, dass das Einfliegen von Sportlern zum ZDF-Sportstudio über das ganze Jahr in Privatflugzeugen nicht kritisiert wird“, zitiert ihn die Rheinische Post. „Die Rodler hatten immerhin acht Goldmedaillen im Gepäck.“

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In einem empörten Kommentar schreibt Gianni Costa in der Rheinischen Post: „Es mag nur um einen niedrigen vierstelligen Betrag gehen, es bleibt aber ein vierstelliger Betrag, der von Gebührengeldern finanziert wurde. Das ist ein falsches Signal in Zeiten, in denen sich die Öffentlich-Rechtlichen rühmen, zu sparen, wo es nur geht. Umso erschreckender, dass Sportchef Dieter Gruschwitz die Aufregung nicht versteht. Es ist ja auch nicht sein Geld, sondern das der Allgemeinheit.“

Dass sich der ZDF-Mann der Brisanz des Themas Gebührenverschwendung offenbar tatsächlich nicht bewusst ist, zeigt seine Aussage in der Bild am Sonntag: „Der Auftritt ist uns jederzeit die Reisekosten wert“. Passend dazu begrüßte Moderator Jochen Brever nicht ohne einen gewissen Stolz: „Gerade noch in Sotschi, jetzt schon auf dem Mainzer Lerchenberg“.

In einer Stellungnahmen auf ZDFSport.de legt Gruschwitz noch einmal nach: „Für das ZDF war es keine Gebührenverschwendung, die Wertschätzung der Sportler und ihrer Leistung hört nicht bei 402 Euro auf. Nein – diese Diskussion ist eine Respektlosigkeit denen gegenüber, die in der vergangenen Woche auch von BILD zurecht gefeiert und in den olympischen Himmel gehoben wurden. Sie waren dem ZDF den finanziellen Einsatz jederzeit wert.“ Zudem wäre ein Zuschalten aus Sotchi alleine schon „wegen der Zeitverschiebung nicht zumutbar  – nachts um 2.30 Uhr ein Auftritt in einem leeren Studio“.

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Alle Kommentare

  1. Ich würde vorschlagen, dass die Verantwortlichen in die private, zu Unrecht gut gefüllte Kasse greifen, denn mit einer Ehrung hat das nichts mehr zu tun – Hin- und Herreisen (Fliegen) ist nebenbeigesagt auch anstrengend, kostet sinnlose Zeit und das nur zum Possen für die Selbstbeweihräucherung von ein paar verrückte, abgehobene Manager und Moderatoren -zu mindestens sehen die Sportler nicht amüsiert aus, eher ungläubig und genervt, in keinem Fall so, als würden sie sich geehrt fühlen.

    Wahrscheinlich sind die Vergütungen der Verantwortlichen so immens hoch, dass sie die Beziehungen zur Herkunft der dafür notwendigen Finanzen nicht mehr realisieren können: der schwer erkämpfte Mindestlohn liegt bei 8,50€/h und da gehen noch Steuern ab und der Anteil an denjenigen, die das betrifft, wird immer größer (Pflegekräfte, Friseure, Reinigungskräfte, …) in unserem Land.

    Da ist Fremdschämen angesagt! Aber solche Vorgänge sollten ENDLICH auch mal für solche Leute spürbare Konsequenzen haben!

  2. betrifft: Gebühren

    Der WDR ist der Werbesender für Köln. NRW hat ca.16 Mill. Einwohner.
    Trotzdem im Schnitt ist jede 3. Sendung mit der o.g. Stadt verbandelt.
    Wie oft wird der Dom, die Deutzer Brücke

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