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„Intellektuelles Vakuum”: interne Kritik an der Spiegel-Spitze

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Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner

Beim Spiegel steht Chefredakteur Wolfgang Büchner weiter in der Kritik. Laut Handelsblatt wird in der Redaktion von einem “intellektuellen Vakuum” an der Redaktionsspitze gesprochen. Für neuen Ärger könnte die geplante Einführung des neuen Heft-Ressorts "Netzwelt" sorgen, dem die Mitarbeiter KG zustimmen müsste.

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“Wir sind mitten in einer tiefen Depression”, zitiert Handelsblatt-Autor Kai-Hinrich Renner einen namentlich nicht genannten Print-Redakteur des Spiegel. Mit ein Grund für die Verzweiflung der Heft-Leute ist die Abberufung des langjährigen Spiegel-Vizes Martin Doerry durch Büchner. Doerry soll massive Kritik an der Titelgeschichte “Spielen macht klug” geäußert haben – ein eher untypisch positiver Spiegel-Titel.

Für Irritationen in der Spiegel-Redaktion soll außerdem gesorgt haben, dass Doerrys Nachfolger in der Chefredaktion, der bisherige Ausland-Ressortleiter Clemens Höges, auf einem Treffen Büchner-kritischer Ressortleiter aufgetaucht sein soll. Das es so etwas überhaupt gibt – “ein Treffen Büchner-kritischer Ressortleiter” – spricht Bände. Nun werde laut Handelsblatt gerätselt ob Höges dort entweder als “U-Boot des Chefredakteurs” unterwegs war oder ob der Chefredakteur womöglich nichts von der kritischen Gesinnung seines neu gewählten Stellvertreters ahnte. So oder so sind solche Kolportagen der Stimmung und Arbeitsatmosphäre gewiss nicht zuträglich. Bei Spiegel Online hat Büchner an diesem Montag die neue Führungsstruktur mit zwei stellvertretenden Chefredakteuren offiziell gemacht.

In der Mitarbeiter KG, die Büchners Berufung als Chefredakteur befürwortete, regt sich dagegen offenbar neuer Widerstand. So soll geprüft worden sein, ob die Ernennung des bisherigen Online Co-Chefs Rüdiger Ditz zum geschäftsführenden Redakteur verhindert werden kann. Konnte sie nicht, weil die Mitarbeiter KG nur bei “strukturverändernden Maßnahmen” ein Mitspracherecht hat. Die von Büchner geplante Einführung des von SpOn bekannten Ressorts “Netzwelt” im Heft wäre aber eine solche “strukturverändernde Maßnahme” – möglicherweise steht für den Chefredakteur hier der nächste interne Machtkampf an.

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Und während der neue Chefredakteur intern am Kämpfen ist, hat sein Vorgänger Georg Mascolo die Recherche-Hoheit im Fall Edathy übernommen, veröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung und in der ARD und sitzt entspannt bei “Günther Jauch”, um gut informiert über den Fall zu sprechen, der das politisch interessierte Publikum derzeit in Atem hält. Der Spiegel hat Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen zu Jauch geschickt – obwohl ein Gerichtsverfahren im Fall Edathy noch in weiter Ferne liegt, wenn  es überhaupt je zu einem kommt.

Die ARD-Talkshow “Hart aber fair” kassierte neulich eine Absage von der Spiegel-Chefredaktion. Da ging es um den Steuerfall Alice Schwarzer, eine Geschichte, die immerhin der Spiegel öffentlich gemacht hatte. Die “Hart aber fair”-Redaktion hätte gerne den Spiegel-Chef zur Diskussion in der Runde gehabt, aber der schickte eine Absage. Bei der “Günther Jauch”-Runde zum Thema entsandte Büchner den früheren Bild-Mann und Redaktions-Reizfigur Nikolaus Blome an die Talkfront. Wenn Wolfgang Büchner als Spiegel-Chef extern wie intern an Statur gewinnen will, sollte er sichtbarer werden.

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