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Geo Epoche wird 15: die Erfolgsstory mit edlem Altpapier

Chefredakteur Michael Schaper (l.), Publisher Alexander Schwerin, aktuelles Geo Epoche
Chefredakteur Michael Schaper (l.), Publisher Alexander Schwerin, aktuelles Geo Epoche

Geo Epoche feiert mit der aktuellen Ausgabe "1914" seinen 15. Geburtstag. Das Geschichtsheft aus Gruners Geo-Familie ist eine bemerkenswerte Print-Erfolgsstory. 2013 wurden mit 1,16 Mio. so viele Epoche-Hefte und Ableger verkauft wie noch nie, davon über 17 Prozent Zweitverkäufe. Also quasi edles Altpapier. Nun stehen eine App-Offensive und die Internationalisierung an. MEEDIA sprach mit Epoche-Chefredakteur Michael Schaper und Publisher Alexander Schwerin.

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Herr Schaper, 2011 haben Sie gesagt, Digital-Ausgaben lohnen sich nicht für Epoche. Ein Jahr später kam dann mit Geo Epoche „Israel“ doch die erste iPad App, die sehr gelungen war. Wie waren die Erfahrungen damit?

Michael Schaper: Wir haben die Israel-App gemacht, um das einfach mal auszuprobieren. Unsere eigentliche Digital-Offensive starten wir erst in diesem Jahr. Verkauft, bzw. an Abonnenten verschenkt wurden von der Israel-App über 6.300 Exemplare. Das gedruckte Israel-Heft war mit rund 135.000 verkauften Exemplaren das zweitbeste des Jahres.

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Seiten aus der Jubiläumsausgabe „1914“ von Geo Epoche

Und wie viele Apps wurden an Nicht-Abonnenten richtig verkauft?

Schaper: Mehr als 1.300 Stück. Wir wollen in den nächsten Monaten beginnen, unsere Hefte regelmäßig auch als digitale Magazine herauszubringen und mittelfristig unsere komplette Backlist digitalisieren. Das würde uns dann auch bei dem nächsten Schritt helfen – Geo Epoche soll digital nämlich international werden. Wir wollen die Ausgabe früher oder später im englischsprachigen Markt zu platzieren. Die Art und Weise, wie wir Geschichten erzählen, steht in der angelsächsischen Tradition. Zuerst müssten dafür aber die alten Ausgaben digitalisiert und anschließend übersetzt werden.

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Verstehe ich das richtig – die Israel-App hat sich nicht gut verkauft. Und die Lehre daraus ist, aus allen alten Geo Epoche-Heften auch eine App zu machen?

Schaper: Der Markt für digitale Magazine entwickelt sich gerade erst, und noch ist er recht klein. Dennoch wollen und müssen wir uns darauf einstellen. Es gibt zwei Schulen bei der Digitalisierung. Die einen sagen, man muss alle Möglichkeiten des digitalen Mediums nutzen. Dazu gehören auch Bewegtbild und Sounds, wie wir das bei der Israel-App sehr schlicht und dezent auch gemacht haben. Die anderen sagen, dass es vor allem auf die Inhalte ankommt. Vielleicht reicht es, wenn man einfach die Inhalte der alten Geo Epoche-Hefte nimmt und ansprechend digital präsentiert. Das würde die Produktionskosten für eine App-Ausgabe drastisch senken. Ob wir unsere Backlist dann chronologisch digitalisieren oder uns zuerst die Bestseller und Themen heraussuchen, die international besonders gut ankommen könnten, werden wir sehen. Das Thema „Germanen“ interessiert zum Beispiel eher die Deutschen, aber keinen einzigen Menschen in Brooklyn. Für den internationalen Markt eignen sich eher Themen wie „Israel“ oder der „Zweite Weltkrieg“. Klar ist auch: Es ist eine Investition in die Zukunft. Aber eine sinnvolle.

Alexander Schwerin: Mit starkem Fokus auf mobile Medienformate treiben wir bei Gruner + Jahr die digitale Transformation unseres Kerngeschäftes voran. Das G+J-Zeitschriften-Portfolio soll vollständig digitalisiert werden. Und Geo Epoche mit seinen zeitlosen, hochwertigen Inhalten bietet sich geradezu ideal für die Digitalisierung an.

Wann kommt denn die erste Geo Kompakt-App?

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Schwerin: Das Storytelling und die Inhalte von Geo Epoche können wir digital wesentlich besser umsetzen als die wissenschaftlichen Themen von Geo Kompakt. Auf die Geo Kompakt-App müssen Sie also noch ein bisschen warten.

Schaper: Die Inhalte von Geo Kompakt altern auch deutlich schneller, weil es permanent einen neuen Stand der Forschung gibt. Und Themen wie zum Beispiel den Urknall digital umzusetzen, wäre extrem teuer und aufwändig.

So ähnlich haben sie auch argumentiert, als Sie meinten, Sie brauchen keine Geo Epoche-App. Kurz gesagt lauteten ihre Argument: zu teuer und bringt nix. Ein Jahr später war die App da.

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Schaper: Nochmal: Wir haben bei der Israel-App zum ersten Mal mit den Möglichkeiten des digitalen Mediums gespielt. Dazu gehörten Filme, zusätzliche Bildessays sowie Texte, die dem iPad-Nutzer vorgelesen wurden. Das hat Geld gekostet, und dieses Geld ist bislang noch nicht wieder hereingespielt worden. Aber zum einen ist die App ja noch zu kaufen – und Sie wissen, dass unsere Hefte in der Zweitvermarktung über den Buchhandel ja selbst nach 15 Jahren noch nachgefragt werden, warum sollte das bei der App anders sein? Zum anderen war die digitale Israel-Ausgabe für uns ein Experiment, um uns auf das neue Medium einzustellen. Einen großen Teil der Kosten machte beispielsweise die Fortbildung unserer Mitarbeiter aus, das wird sich nun, wenn wir Geo Epoche regelmäßig digital herausbringen, nach und nach amortisieren. Aber klar ist auch: Das digitale Geschäft ist derzeit noch ein recht kleines Geschäft. Von daher fühle ich in meinen ursprünglichen Aussagen auch noch nicht widerlegt.

Schwerin: Die digitale Transformation vom Zeitschriften- zum Inhaltehaus ist Bestandteil unserer Strategie und wird von uns zügig voran getrieben. Das Hauptgeschäft bei Geo Epoche machen wir nach wie vor im Printbereich. Das Geschichtsmagazin ist seit Jahren sehr erfolgreich im Lesermarkt und hat sich eine herausragende Stellung mit hoher Akzeptanz und vielen Lesern erarbeitet. Um den Sammel- und Buchcharakter der Heftreihe stärker zu betonen, gehen wir nun sogar noch einen Schritt weiter, indem wir ab jetzt auf Anzeigen verzichten.

Geo Epoche hat in diesen Tagen seinen 15. Geburtstag – Thema des Jubiläumsheftes ist das Schicksalsjahr 1914. Wie feiern Sie?

Schaper: Wir haben das Jubiläum zum Anlass genommen, alle Schriften und das komplette Layout auszuwechseln. Hintergrund ist unser Zweitvermarktungsgeschäft. Sie können heute noch fast alle Geo Epoche-Ausgaben kaufen. Die Texte altern gut, die Bilder auch, die Layouts aber nicht. Das hat mich zunehmend gestört. Wir wollten mit dem neuen Layout also das Kunststück fertigbringen, zugleich moderner und zeitloser zu werden. Wir sind ja fast schon ein kleiner Buchverlag und machen Hefte, die so langlebig wie Bücher sein sollen.

Also Bookazines?

Schaper: Diesen Begriff würde ich gern vermeiden. Wir sind sowohl im Grosso vertreten als auch im Buchhandel. Das funktioniert beides hervorragend für uns. Wir werden zwar „buchiger“, machen aber noch lange keine Bücher.

Was wurde konkret verändert?

Schaper: Neudeutsch auf den Punkt gebracht könnte man sagen: Wir machen jetzt eine erweiterte Premium-Strategie. Das Cover wurde neu gestaltet und veredelt. Es hat dickeres Papier und ist geprägt. Der Bildteil ist zudem matt. Wir wollten dem Heft einen noch edleren Auftritt geben. Die meisten Schriften haben wir zugekauft, aber eine Schrift, die wichtigste, haben wir von einem Schriften-Designer in London eigens für Geo Epoche entwickeln lassen. Die Schrift heißt auch „Epoche“ und gehört uns für einige Jahre weltexklusiv.

Schwerin: Wie eben schon erwähnt, wird Geo Epoche in Zukunft auf Formatanzeigen verzichten. Es hat sich gezeigt, dass die redaktionellen Themen, bei denen es nicht selten um kriegerische Auseinandersetzungen oder andere problematische geschichtliche Aspekte geht, nur bedingt als Umfeld für die Bewerbung von Konsumgütern geeignet sind. Anzeigenkunden können ihre Produkte allerdings weiterhin durch Beilagen im Heft bewerben. Es ist die Stärke von Print, auf das haptische Erlebnis zu setzen. In Zeiten des virtuellen Lesens an Bildschirmen ist es naheliegend, das analoge Lesen noch schöner und wertiger zu machen. Die höhere Wertigkeit und unsere Investitionen drücken sich auch im Preis aus: Wir haben den Copypreis von 9,50 Euro auf 10 Euro für die Ausgaben ohne DVD erhöht.

Wie entwickelt sich die Geo Epoche Auflage?

Schaper: Die Erstverkaufsauflage ist etwas zurückgegangen, dafür ist die Zweitverkaufsauflage gestiegen. 2013 haben wir insgesamt 1,16 Mio. Geo Epoche-Produkte verkauft, also Geo Epoche, Geo Epoche Edition und Geo Epoche Panorama. Das ist die höchste Zahl jemals. Wir machen unserer Erstauflage selbst Konkurrenz durch die Zweitvermarktung.

Schwerin: Wir haben 2013 so viele Hefte in der Zweitvermarktung verkauft wie noch nie zuvor bei Geo Epoche. Das waren gut 260.000 Exemplare. Über alle 15 Jahre hinweg machen die Zweitverkäufe bei Geo Epoche über 17 Prozent an der Gesamtauflage aus. Das sind fast zwei Millionen Magazine! Das Heft über die „Germanen“ hat in der ersten Vermarktung mit beinahe 180.000 Exemplaren auch schon wirklich gut verkauft, durch die Zweitvermarktung liegen die  Verkäufe inzwischen allerdings bei knapp 280.000 Exemplaren – also 100.000 Exemplare mehr.

Bei einem Geschichtsheft haben Sie das Problem, dass Ihnen irgendwann die Themen ausgehen oder sie müssen immer spezieller werden.

Schaper: Ich finde, wir können die Heftthemen durchaus etwas schmaler schneiden, ohne uns dafür schämen zu müssen. Wir haben beispielsweise eine Ausgabe gemacht über die Geschichte der Indianer,  dann eine über die der USA; wir haben die Geschichte New Yorks behandelt und den Amerikanischen Bürgerkrieg. Und wir haben ein Geo Epoche Panorama gemacht über „Das amerikanische Jahrhundert“. Der Vietnamkrieg wäre auch noch ein amerikanisches Thema. Wenn Sie all diese Hefte nach einander lesen, finden Sie jeweils nur ganz kleine oder überhaupt keine Wiederholungen – im Gegenteil: Die Ausgaben ergänzen sich. Und es gibt viele Themen, die wir uns noch gar nicht vorgenommen haben. Wir haben den Islam noch nicht behandelt, Arabien, Lateinamerika. Afrika kommt jetzt als nächstes Heft. Zudem machen wir seit einiger Zeit Themenausgaben, etwa über die Mafia oder die Geschichte der Piraterie. Für die nächsten Jahre fällt uns garantiert immer wieder etwas Neues ein.

Welche Themen gehen besser, welche schlechter?

Schaper: Bei der Auflage waren die Germanen der absolute Topseller. Dann kommt der „Dreißigjährige Krieg“ mit 262.000 Exemplaren, dann „Preußen“, „Deutschland um 1900“ und die „Weimarer Republik“ – alles deutsche Themen. Mao Tse-tung hat sich dagegen eher schlecht verkauft. Wir haben gelernt, dass wir die Heftthemen auf dem Cover nicht personalisieren dürfen. Also nicht „Martin Luther und die Reformation“, sondern nur „Die Reformation“.

Ganz entgegengesetzt zu den Regeln im klassischen Journalismus …

Schaper: Ja, die Leute denken sonst, sie bekommen eine Biografie präsentiert und nicht das gesamt Zeitalter. Heute würde ich das Mao Tse-tung Heft  eher „China im 20. Jahrhundert“ nennen.

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