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Neue App Secret: anonyme Lästerecke für die Tech-Branche

Secret will „mehr Authentizität, Empathie und Selbstbewusstsein“ in die Welt bringen
Secret will „mehr Authentizität, Empathie und Selbstbewusstsein“ in die Welt bringen

Tuscheln, lästern, Gerüchte streuen: Dieses Trio gehört definitiv zu den beliebtesten Nebenbeschäftigungen im Büroalltag. Mit der neuen App Secret ist es jetzt möglich, diese kleinen Business-Gemeinheiten anonym an die große Glocke zu hängen. Im Silicon Valley ist die App ein Renner. Dabei erinnert sie auch an den deutschen New Economy-Klassiker DotComTod.

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Tatsächlich pervertiert diese Sicht des Dienstes etwas seine Grundidee. Eigentlich wollten die Gründer und ehemaligen Google-Mitarbeiter David Byttow und Chrys Bader „mehr Authentizität, Empathie und Selbstbewusstsein“ in die Welt bringen.

Secret definiert sich dabei über eine negative Abgrenzung gegenüber Facebook. Byttow und Bader gehen davon aus, dass man beim größten Social Network stets bemüht ist, sich immer von seiner besten Seite zu zeigen. Ihre App will dagegen helfen, dass man möglichst seine Ehrlichste zeigt. Deshalb haben die Nutzer bei Secret keine Namen und Profilbilder. Es zählen nur die nackten Texte und Bilder. Je besser, pfiffiger oder intelligenter sie sind, desto häufiger werden sie geteilt. So zumindest die Theorie.

Secret-Netzwerk funktioniert auf Basis des Telefonbuches des Nutzers

Allerdings entsteht das Secret-Netzwerk auf Basis des Telefonbuches des Nutzers. Deshalb beinhaltet es, im Vergleich zum ähnlichen Angebot Whisper, auch einen gewissen persönlichen Knobel-Effekt, weil man stets miträtseln kann, welcher der Kontakte hinter einem Posting steckt.

Seit einer Woche ist die kostenlose Applikation nun im App-Store. Seitdem beschäftigt Secret die Techbranche schon recht rege. Allerdings waren die geteilten Geheimnisse eher Befindlichkeits-Geblubber, statt spannender oder emotionaler Beichten. Bis jetzt. Denn am gestrigen Donnerstag wurde es erstmals substanziell. Ein Nutzer behauptete: „Ich arbeite bei Evernote und wir werden bald verkauft.“

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Das hatte gesessen. Dieses einfache Posting ging sofort durch die Community und in die entsprechenden Tech-Portale. Der Evernote-CEO Phil Libin sah sich sogar gezwungen, das Gerücht zu dementieren. Damit belegte Secret zum ersten Mal, dass es tatsächlich einen gewissen Impact entwickeln kann. Eine erste wichtige Duftmarke für das Startup.

App erinnert an Kult-Portal Dotcomtod

Diese Seite der App erinnert an Angebote wie Dotcomtod, die in der Hochphase und vor allem während des Platzens der New Economy-Blase über „Pleiten, Pech & Pannen“ der jungen Branche berichtete. Dazu gehörte ein toter Briefkasten, in dem jeder Insider aufgerufen war, interessante, belastende oder nur schlicht bösartige Internas einzuwerfen. Betrieben wurde Dotcomtod von Lanu und Don Alphonso. Das Portal für „exitorientierte Unternehmensmeldungen“ existiert selbst nicht mehr. Allerdings gibt es noch immer das Archiv.

Zwischen 2000 und 2004 hatte Dotcomtod einen gehörigen Einfluss in der jungen deutschen Tech-Branche. Bis Secret zu einem vergleichbaren Phänomen wird, braucht die App noch eine Vielzahl an Geheimnissen, die über sie verraten werden. Mit dem Evernote-Leak ist ein erster Schritt getan. Allerdings zeigt er auch, wo das Problem liegen könnte. Im Grunde kann bei Secret jeder alles behaupten. Die US-Tech-Journalisten werden ganz genau hinsehen müssen, welche Infos sie übernehmen.

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