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Zeit Online gründet Investigativ-Ressort

Das Investigativ-Team von Zeit Online mit Kai Biermann, Karsten Polke-Majewski, Sascha Venohr, Philip Faigle
Das Investigativ-Team von Zeit Online mit Kai Biermann, Karsten Polke-Majewski, Sascha Venohr, Philip Faigle

Noch immer gilt der Online-Journalismus als etwas schmuddeliger Bruder der Print-Kollegen. Das ist natürlich ein Vorurteil, allerdings ein weit verbreitetes. Einen weiteren Schritt hin zur Angleichung der Online- und Offline-Welt macht jetzt die Zeit. Die Online-Redaktion der Wochenzeitung startet das erste Investigativ-Ressort eines deutschen Internet-Mediums.

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Das Team, das vom stellvertretenden Chefredakteur Karsten Polke-Majewski geleitet werden wird, besteht aus vier Mitgliedern. Neben Polke-Majewski sind das Kai Biermann, Sascha Venohr und Philip Faigle. Ein Nebeneffekt der Aufstellung der neuen Recherche-Mannschaft ist, das Markus Horeld neuer stellvertretender Chefredakteur wird. Bislang leitete der 42-Jährige die Ressorts Politik und Gesellschaft. Die stellvertretende Chefredakteurin Domenika Ahlrichs und der Geschäftsführende Redakteur Christoph Dowe bleiben wie bisher Mitglieder der Chefredaktion.

„In Deutschland sind wir das einzige Online-Medium mit einem eigenen Investigativ-Team“, erklärt Polke-Majewski nicht ohne einen gewissen Stolz im Gespräch mit MEEDIA. „Wir haben immer gesagt, dass wir zeigen wollen, dass Qualitätsjournalismus auch im Netz funktionieren kann. Da gehört eine solche Einheit einfach dazu.“

„Dienstleistungsressort für Ideen und Interessen der anderen Kollegen“

Tatsächlich sind die Recherchen der Netz-Redakteure längst so umfangreich, dass man sie nur noch im Team erledigen könne. „Eine Online-Redaktion mit einem hohen redaktionellen Output braucht dafür eine eigene Struktur“, erklärt der neue Team-Chef. „Der Alltag in einer Online-Redaktion sieht gewöhnlich so aus, dass man unter Druck und in kurzer Zeit viel liefern muss. Das führt wiederum dazu, dass Recherche-Ideen aus Zeitmangel liegenbleiben. An dieser Stelle wollen wir für die Redaktion eine Art Dienstleistungsressort sein, dass den Ideen und Interessen der anderen Kollegen zur Verfügung steht.“

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Das Ziel der neuen Einheit ist allerdings nicht, den Kollegen aus der Print-Redaktion Konkurrenz zu machen. Die Web-Journalisten wollen reine „Onliner“ bleiben. „Das heißt: Wir werden uns nicht ständig monatelang in irgendwelchen Archiven vergraben, sondern aktiv mit allen anderen Kollegen zusammenschließen“. Jede Idee aus den Ressorts soll angeschaut werden. „Wenn sie gut ist und unsere Ressourcen es zulassen, dann arbeiten wir mit den Kollegen daran, sie umzusetzen.“

Neues Ressort soll dazu beitragen vermarktbare Reichweite zu gewinnen

Ein wichtiger Bestandteil der Aufgaben der neuen Vierer-Einheit wird – so sieht es zumindest die Planung vor – auch die Daten-Arbeit sein. So soll sich die Abteilung um Datenjournalismus und die Auswertung großer Datenmengen kümmern. Beide Teilbereiche, falls man sie überhaupt trennen kann, sind aktuell die Aspekte des Online-Journalismus, in dem viele Chefredakteure und Verlagsmanager die besten Chancen sehen, etwas für das Renommee ihrer Netz-Publikation zu tun.

Wenn in Deutschland zur Zeit Extra-Budgets in Sachen Online-Journalismus freigegebenen werden, dann meistens für Daten-Journalismus-Projekte. Das geht natürlich zu Lasten anderer Recherche-Kapazitäten. Zumindest teilweise will das neue Investigativ-Team von Zeit Online dies nun ändern und zudem noch beweisen, dass sich im Netz auch klassischer Qualitätsjournalismus monetarisieren lässt. „Unsere Geschichten werden in allen Ressorts erscheinen und dort dazu beitragen, vermarktbare Reichweite zu gewinnen.“

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