112 Mio. Euro Miese in 2012:
Bittere Bilanz für DuMont

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Verlagshaus von M. DuMont Schauberg in der Amsterdamer Straße in Köln

Publishing Die Mediengruppe M. DuMont Schauberg hat 2012 einen Fehlbetrag von 112,2 Millionen Euro bilanzieren müssen. Im Vorjahr lagen die Kölner noch bei einem Fehlbetrag von 2,7 Millionen Euro. Für diese Horrorbilanz verantwortlich sind vor allem: die desolate Lage bei der Frankfurter Rundschau, die in die Pleite ging und an die FAZ verkauft wurde, Wertberichtigungen sowie Verluste u.a. in Berlin.

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Der Gesamtumsatz sank von knapp 710 Millionen im Jahr 2011 auf 671 Millionen Euro. Das EBITDA sank von 94,8 Millionen auf 30 Millionen Euro. Der Fehlbetrag inkludiert auch die auf fremde, nicht beherrschende Gesellschafter bei Beteiligungen (hier vor allem die SPD-Medienholding ddvg bei der Frankfurter Rundschau) entfallenden Fehlbeträge. Ohne fremde Gesellschafter liegt der Jahresfehlbetrag bei knapp 75 Millionen Euro.

Es zeigt sich nun schwarz auf weiß in der just im Bundesanzeiger veröffentlichten Bilanz des Kölner Medienkonzerns, dass die Zukäufe von Frankfurter Rundschau sowie Berliner Verlag und Hamburger Morgenpost strategische Fehler waren. Patriarch Alfred Neven DuMont hatte sich für die Rettung der Zeitungen Frankfurter Rundschau (vor der Pleite, die dann doch kam) und Berliner Zeitung (vor dem Investor David Montgomery) feiern lassen. Der Glaube an die Zukunftsfähigkeit der im operativen Geschäft schlecht aufgestellten Blätter war stärker als die Vernunft, sich lieber auf die bestehenden Zeitungen im Haus zu konzentrieren. Lockte doch die Aussicht auf eine Art Zeitungskette, auf Synergien zwischen den Blättern. Die Idee war gut, der Glaube an die Zeitungen ehrenhaft, allein: der Plan ging nicht auf, durch Zukäufe den Konzern zu stärken.

Millionengrab Frankfurter Rundschau

Die Frankfurter Rundschau macht den größten Anteil an dem gewaltigen Fehlbetrag aus. Für den Konzernabschluss bedeutet das Ex-Investment eine Belastung von 64,8 Millionen Euro (das Minus für den kleineren Mitgesellschafter ddvg eingerechnet). Das Geschäft in Berlin und Hamburg wurde ebenfalls durch hohe Restrukturierungskosten belastet. Wertberichtigungen wurden für diese Verlage in Höhe von knapp 17 Millionen Euro, aber auch für die Beteiligungen an Center.tv und der israelischen Zeitung Ha’aretz nötig, an der DuMont Schauberg mit 20 Prozent beteiligt ist.

Sorgen dürfte man sich bei DuMont Schauberg vor allem über die geringe Eigenkapitalquote machen, die zumindest zum Stichtag 31. Dezember 2012 bei 10,5 Prozent lag. Die mit den kreditgebenden Banken vereinbarte Quote von 35 Prozent wurde weit verfehlt. Theoretisch hätten die Banken die Möglichkeit zur außerordentlichen Kündigung der Kreditlinien gehabt, doch dieses Risiko wurde offenbar abgewendet. Nicht ohne Grund dürfte DuMont allerdings die Wertberichtigungen vorgenommen haben.

Die Verlage in Köln, Halle und Hamburg erzielten am Ende des bilanzierten Jahres immerhin jeweils Gewinne. Die lagen dann aber deutlich unter den Ergebnissen des Vorjahres. Grund: neben Auflagenrückgängen vor allem die sehr hohen Umsatzverluste im Anzeigengeschäft an allen Standorten. Alle einbezogenen Gesellschaften verzeichneten gemeinsam einen gegenüber 2011 um 29 Millionen Euro geringeren Anzeigenumsatz – das entspricht einem Rückgang von 10,8 Prozent. Als „sehr zufriedenstellend“ bezeichnen die Kölner indes die Ergebnisse ihrer Radiobeteiligungen, der Anzeigenblätter in Köln/Bonn und des Bundesanzeiger Verlags für 2012.

Digitalgeschäfte sollen von Print-Operationen abgekoppelt werden

Etwas konkreter: Die Umsätze in Köln sanken um 5 Prozent auf 231 Millionen Euro. Das Print-Anzeigengeschäft in der Domstadt ging gegenüber 2011 um 13,6 Prozent zurück. Der Umsatz in Halle bei der Mitteldeutschen Zeitung sank leicht auf 84,7 Millionen Euro. Der Berliner Verlag verzeichnete 2012 wie die Konzernmutter einen Jahresfehlbetrag. Der wird in der Bilanz nicht gesondert ausgewiesen, dürfte aber bei einer zweistelligen Millionenhöhe liegen. Die Anzeigenerlöse sanken auch in Berlin um 13 Prozent gegenüber Vorjahr.

Auf der positiven Seite stiegen die Onlineerlöse – über die Gruppe sind es knapp 16 Millionen Euro. Der Zuwachs gegenüber 2011 von 1,7 Millionen Euro konnte aber nicht annähernd die Print-Rückgänge ausgleichen. Dieses Problem teilen die Kölner mit anderen Verlagen. Die Mediengruppe sei nun gefordert, heißt es in der Bilanz, „neue Geschäftsfelder und Märkte aktiv zu erschließen“. Insbesondere sollen Online- und Digitalangebote entwickelt werden. Internetauftritte müssten „stärker als bisher nachfrageorientiert auf das besondere Userverhalten, die Usernutzung und die massiv reichweitengesteuerten Werbeangebote ausgerichtet werden“.

Bemerkenswert ein weiteres Fazit des Vorstands, was das Digitalgeschäft betrifft: „Sowohl die standortübergreifenden nationalen Online-Werbeerlöse und Contentangebote als auch die lokalen Onlineaktivitäten müssen noch stärker als bisher von den Printtiteln getrennt und eigenständig entwickelt werden.“ Vor kurzem verlegte DuMont die Online-Redaktionen in die Tochtergesellschaft DuMont Net und benannte einen Ober-Online-Chefredakteur. Die Digital-Beteiligungsgesellschaft DuMont Venture schloss mit einem Fehlbetrag ab – wobei es auf diesem Feld letztlich darum geht, in junge Geschäftsmodelle zu investieren, um sie später auszukoppeln und eigenständig weiterzuführen.

Ab 2013 erwartet Vorstand wieder ausgeglichenes Ergebnis

2013 und 2014 will der Vorstand für den Gesamtkonzern wieder ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen. Doch die Gerüchte um mögliche Verkäufe, beispielsweise des Berliner Verlags, werden nach Offenlegung der 2012er Bilanz wieder lauter werden. „Absurd und aus der Luft gegriffen“, nannte ein Sprecher von DuMont gegenüber MEEDIA indes die Vorstellung, die Verlage in Berlin und Hamburg könnten zum Verkauf stehen. Die Rundschau war DuMont ein Klotz am Bein, der Plan der weitgehenden redaktionellen Zusammenlegung mit der Berliner Zeitung war nicht aufgegangen. Dreht sich das Geschäft vor allem in der schwierigen Zeitungsstadt Berlin nicht, droht hier eine weitere dauerhafte Minusquelle.

Gleichzeitig sind dem Verlag bei der derzeitigen Ausgangslage weitgehend die Hände gebunden, neue Geschäftsfelder durch Zukäufe zu erschließen. Neuer Vorstandsvorsitzender von M. DuMont Schauberg ist seit Jahresanfang Christoph Bauer, der bis 2012 CEO der Schweizer AZ Medien war. Er wird im ersten Halbjahr Akzente setzen müssen. Ein Stellenabbau wurde bereits im vergangenen Jahr angekündigt. 2012 ist zwar schon eine Weile vorbei – doch die Bilanz zeigt schmerzhaft auf, wo die aktuellen schwarzen Löcher von MDS zu finden sind.

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