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„Mehr denken!“: Sprüche der „Journalisten des Jahres“

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Die "Journalisten des Jahres 2013" (Foto + ©: Dietmar Gust)

Am Montagabend wurden in Berlin zum zehnten Mal die "Journalisten des Jahres" vom MediumMagazin ausgezeichnet. Was Frank Schirrmacher über Großkritiker Joachim Kaiser sagte und wie sich Gabriele Fischer das schlimmste Schicksal eines Journalisten vorstellt - MEEDIA hat die besten Sprüche von Preisträgern und Laudatoren notiert.

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Joachim Kaiser (Lebenswerk) sprach per Videobotschaft zu den Gästen der Feier: „Es freut mich ungemein, in meinem hohen Alter ausgezeichnet zu werden….An meinem Leben hat sich leider etwas geändert. Mein Motto ‚Ich bin schnell oder gar nicht, das gilt nicht mehr. Mittlerweile macht mir aber auch die Langsamkeit etwas Spaß.“

Frank Schirrmacher (FAZ, Laudator Joachim Kaiser) erzählte von den beiden Großkritikern Joachim Kaiser und Marcel Reich-Ranicki. Einmal sei MMR bei einer Veranstaltung von zahlreichen Zuhörern umringt gewesen. Just hatte er in der FAZ einen Artikel über Goethe veröffentlicht. Kaiser sei bewusst verspätet erschienen, ging auf MMR zu, sagte dabei „Marcel, dein Goethe! Dein Goethe!“ Näherte sich dem Antipoden weiter mit „Marcel, dein Goethe…, dein Goethe…“. Als er schließlich bei Reich-Ranicki angekommen war, habe Kaiser den Satz beendet: „…dein Goethe hat mir überhaupt nicht gefallen.“ „Viele seiner Leser tranken Rotwein beim Lesen seiner Kritiken“, wusste Schirrmacher über die Kaiser-Verehrer zu berichten. Kaiser habe sein Publikum erreicht, „ohne die Intellektualität zu verraten“. Den Preis für Kaiser nahm dessen Tochter Henriette entgegen.

Nochmal Schirrmacher: „Der wichtigste Business Angel für Intellektuelle in den 50ern war der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Das ist heute etwas anders.“

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Foto + ©: Dietmar Gust

Bernd Ziesemer (Laudator Chefredakteure des Jahres): „Ich habe selber erlebt, wie sich die Manager großer Verlage mit Häme über brandeins äußerten: Wer soll das lesen?…Diese Herren glauben nicht an das Wort, sondern an Zahlen.“ Die „Chefredakteurin des Jahres“, Gabriele Fischer von brandeins, sei „eine altmodische Chefredakteurin. Und vielleicht erklärt das, warum das Blatt immer jünger wird.“

Nochmal Ziesemer: „Wir Journalisten müssen verdammt noch mal mehr nachdenken!“

Gabriele Fischer (Chefredakteurin des Jahres) forderte ein Ende des Jammerns über den Job des Journalisten. Denn: „Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist dass wir alle keine Journalisten mehr sind.“

Nochmal Fischer: „Ich danke auch den Anzeigenkunden, die uns trotz des aktuellen Titels (Anm.: „Kauf, Du Arsch!“) weiterbuchen.“

Holger Stark und Marcel Rosenbach

Holger Stark und Marcel Rosenbach (Foto + ©: Wolfgang Borrs)

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Sebastian Esser („Krautreporter“, Sonderpreis) zeigte sich „enttäuscht von den Verlagen“. Von dort kämen zu wenig neue Ideen und Projekte. Nun will Esser zusammen mit Kollegen Geld für ein eigenes, unabhängiges Angebot im Netz einsammeln.

Die Macher des Blogs NSU-Watch (Sonderpreis): „Wir haben leider kein Geld, brauchen Spenden.“

Christian Lindner (Chefredakteur des Jahres): „Ich bin dem Internet dankbar, dass man als Chefredakteur nicht mehr in den Presseclub kommen muss, um wahrgenommen zu werden.“

Wolfgang Kaden laudatierte die Wirtschaftsjournalistin des Jahres, Melanie Bergermann (WirtschaftsWoche), die nach einer Geschichte über die S&K Immobiliengruppe Personenschutz brauchte und sogar die Wohnung wechseln musste: „Es ist gut, dass es Magazine gibt, die Redakteuren solche zeitaufwändigen Recherchen ermöglichen.“

Silke Burmester (Laudatorin Kultur/Unterhaltung) kritisierte die immer noch verbreitete Haltung des Publikums: „Ist es Kultur, oder kann ich mich entspannen?“

Özlem Gezer (Der Spiegel, Preisträgerin Newcomer): „Ich hab immer viel recherchiert. Aber Schreiben hab ich erst beim Spiegel gelernt. Die haben mich da nie als Newcomerin behandelt.“

Holger Stark (Der Spiegel, gemeinsam mit Marcel Rosenbach Journalist des Jahres): „Wir haben Edward Snowden viel zu verdanken.“

Stefan Sichermann („Der Postillon„, Preisträger Kultur/Unterhaltung): „Vielen Dank und guten Appetit!“

Mehr Fotos von der Preisverleihung gibt es hier.

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