“Niete”, Großmaul” – Matussek beschimpft Ex-Kollegen

Früher Spiegel, jetzt Welt: Grenzgänger Matthias Matussek
Früher Spiegel, jetzt Welt: Grenzgänger Matthias Matussek

Publishing Der Autor Matthias Matussek ist nach 26 Jahren beim Spiegel zu Springers Welt gewechselt. Im Interview mit dem Debattenmagazin The European keilt er nochmal kräftig gegen den Spiegel und einzelne Ex-Kollegen aus, die er wahlweise als “Niete”, “Großmaul”, “Verräter” und “Schienbeintreter” beschimpft.

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Freund und Feind sind klare Kategorien für Matthias Matussek. Der frühere Kulturchef des Spiegel, der zuletzt noch Autor war und auch dies dann nicht mehr sein durfte, hadert im Interview mit The European mit seinem Ex-Arbeitgeber und einigen Ex-Kollegen. So habe ihm der ehemalige Spiegel-Redakteur Moritz von Uslar die größte Enttäuschung seiner Spiegel-Karriere beschert: “Der Moment, als einer der Jungs, die ich engagiert habe, zur Chefredaktion gelaufen ist und meine Absetzung gefordert hat, weil ich böse zu ihm war. Mir stand der CvD auf den Füßen und der hat in Paris noch an seinem Text gefummelt, und ich hab gesagt, er soll das Manuskript rübermailen, sonst hacke ich ihm die Finger ab.” Und weiter: “Nein, das war ein ganz beschissener Verrat von einem, wie sich rausstellte, sehr beschränkten Großmaul.”

Matussek selbst nennt  den Namen nicht, das nimmt ihm Interviewer Alexander Wallasch ab. Der versteht sich scheinbar blendend mit Matussek und liefert eifrig die Stichworte für gepfefferte Lästereien: “Aber eigentlich hätten Sie es dem von Uslar schon ansehen müssen, oder? So eine grobe Physiognomie gebietet doch von vornherein besondere Obacht, oder?” Matussek fühlte sich von Moritz von Uslar offenbar schwer hintergangen. Er habe ihm Platz im Heft eingeräumt, Freiräume geschaffen, so dass dieser sich um seinen Sohn kümmern konnte. Und dann war von Uslar so unverschämt, Matusseks Video-Kolumne “blöd” zu finden: “Die fand er blöde, weil ich da eine witzige Plattform geschaffen hatte, auf der er keine Rolle spielte. Ein Kindskopf halt. Aber einer, der dir ohne zu fackeln das Messer in den Rücken rammt.”

Nebenbei bekommt noch eine namentlich nicht genannte Spiegel-Mitarbeiterin ihr Fett weg. Über deren Rolle bei seiner Demontage als Kulturchef sagt Matussek:  “Da hat diese Tante, die sich von mir im Fahrstuhl belästigt fühlte und später über ihren Posten in der Mitarbeiter-KG den Mob gegen Aust anführte – journalistisch übrigens eine Vollniete – gar nicht eine so große Rolle gespielt.” Matussek bezieht sich hier auf jene Tage, als er als Kulturchef des Spiegel zum Rücktritt aufgefordert wurde, angeblich wegen Entgleisungen gegenüber Kollegen. Die Berliner Zeitung bezeichnete ihn damals als “Krawall-Feuilletonisten”, der einen “stumpfgeistige Stammtischton” im Kultur-Ressort des Spiegel etabliert habe.

Ebenfalls hart ins Gericht geht Matussek mit Spiegel-Redakteur Georg Diez, den er für einen Verfechter des Hipstertums hält. O-Ton: “Die schlimmste Tröte in diesem Beritt ist wohl Georg Diez, ein Neukollege, der von mir mal NICHT eingestellt würde, weil ich ihn zu halbseiden fand.” Er habe Diez öfter gesagt, dass er ihn für eine Niete hält. Matussek wörtlich: “Man nennt ihn ja den Thesen-Diez, er liest von Büchern eben meistens nur die Klappentexte und hat sofort eine angespitzte These.” Diez sei “nunmal ein Schienbeintreter.”

Gnade finden bei Matussek Spiegel-Autor Jan Fleischhauer (“…die Fleischhauer-Kolumnen, das Brillanteste, was die konservative Publizistik in Deutschland zu bieten hat.”), Alexander Smoltzcyk, Alexander Osang und Ex-Spiegel-Chef Stefan Aust. Über den aktuellen Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner sagt Matussek nur: “Leicht wird er es nicht haben.” Büchner habe ihm bei seinem Abschied “viel Glück” gewünscht. “Ich glaube, er hätte mich gerne gehalten. Das Problem war der Stellvertreter. Ironischerweise ist der jetzt gerade entmachtet worden. So ist das Business”, sagt Matussek. Mit dem Stellvertreter meint er Spiegel-Vize Martin Doerry, der künftig nur noch als Autor tätig ist.

Matusseks neue Redaktion bei Springers Welt sei jedenfalls “sehr liberal”. Er habe sie mit einem erzkatholischen Text “auf die Probe gestellt”. Denn, so Matussek, “das war beim Spiegel nicht mehr geduldet, war nicht politisch korrekt genug. Daran wird der Spiegel zugrunde gehen – an der entsetzlichen mehltaumäßigen, sozialdemokratisch-grünen politischen Korrektheit.” Das bringt wahrscheinlich auch nur Matthias Matussek fertig: das Platzieren eines “erzkatholischen” Textes in der Zeitung Die Welt als liberalen Akt wider die Policital Correctness zu labeln.

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