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Der Fall Alice Schwarzer und unsere total verschusselte Elite

Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer (Foto: dpa)
Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer (Foto: dpa)

Der Fußball-Gott und Vorzeige-Unternehmer Uli Hoeneß. Der Hanseat und Intellektuelle Theo Sommer. Die Ikone des Feminismus und Publizistin Alice Schwarzer. Alle haben sie Steuern hinterzogen. Und alle rechtfertigen sich mit Schusseligkeiten. Eine tolle Elite haben wir da im Land.

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Laut Bild soll Alice Schwarzer 2,4 Mio. Euro auf einem Konto in der Schweiz gebunkert haben, das seit 1980 besteht. Steuern zurückzahlen musste sie nach Selbstanzeige nur für die zurückliegenden zehn Jahre, für den Rest der Zeit ist das verjährt. Sie selbst rechtfertigt ihren Steuerbetrug damit, dass die “Hatz” auf sie Ausmaße angenommen habe, dass sie mit dem Gedanken an Republikflucht spielte. Solche Befürchtungen habe sie zwar lange nicht mehr, das Konto aber: “Es war einfach da. Zu meiner Beruhigung.”

So ein beruhigendes Millionenkonto in der Schweiz hätten viele gerne. Vielleicht sogar die Mitarbeiterinnen von Schwarzers Zeitschrift Emma. Zweifelhaft, dass die dort so üppig verdienen, dass sie sich ein paar Milliönchen zur Beruhigung zur Seite legen können. Alice Schwarzers Rechtfertigung für ihre Steuerhinterziehung ist peinlich und selbstgerecht. Vor allem da sie erst auf die Idee kam sich selbst anzuzeigen, als bekannt wurde, dass Schweizer Steuer-CDs mit Daten von deutschen Steuersündern in Umlauf sind. Ebenso unangenehm ist es, wie sie sofort mit dem Finger auf andere, in diesem Fall den Spiegel und die Medien allgemein zeigt, die die Unverfrorenheit besaßen, ihre Sache öffentlich zu machen.

Alice Schwarzer ist nun schon die dritte mehr oder weniger prominente Person innerhalb kurzer Zeit, deren Steuer-Hinterziehung öffentlich wird. Zuvor waren dies FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß und der frühere Zeit-Herausgeber Theo Sommer. Der Steuerhinterziehungs-Fall des ehemaligen Post-Chefs Klaus Zumwinkel liegt schon ein bisschen länger zurück, passt aber natürlich auch in die Reihe. Da haben wir also den höchstkarätigen Sportfunktionär und erfolgreichen Unternehmer Hoeneß, den intellektuellen Hanseaten Sommer und die Frauenrechtlerin und Publizistin Schwarzer.

Der Sportfunktionär und Unternehmer, der Intellektuelle und Hanseat, die Feministin und Publizistin – drei idealtypische Vertreter der gesellschaftlichen Elite des Landes. Und alle haben sie in beträchtlichem Maße Steuern hinterzogen. Fast noch schlimmer ist freilich, wie sie das rechtfertigen: mit Schusseligkeit.

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Uli Hoeneß sagte in der Zeit: “Es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes.“ Kontostand? “Das weiß ich nicht. Keine Ahnung, ich habe da nie draufgeschaut.” Er erweckte den Eindruck, dass er sein illegales Konto praktisch vergessen habe. Das Spielgeld-Konto – ach ja, das war ja auch noch da. Theo Sommer war direkter. “Aus Schusseligkeit oder Schlamperei” – man soll es sich wohl aussuchen – habe er versäumt, seine üppigen Honorare der Zeitschrift Atlantic Times anzugeben. Wobei man sich auch fragen darf, wie eine nur einem Mini-Publikum bekannte Mini-Zeitschrift derart üppige Honorare auszahlen kann, dass sich das Hinterziehen, bzw. “Verschusseln” in großem Stil lohnt.

Und Alice Schwarzer bekennt: “Ich war nachlässig.” Nachlässig, schusselig, vergesslich. Eine feine Elite haben wir da beisammen. Fehlt nur noch unsere früherer Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg, der aus Schusseligkeit und Überforderung gleichsam aus Versehen seine Doktorarbeit abgeschrieben hat.

Die Elite des Landes ist also entweder verkommen oder verschusselt. Keine allzu prickelnden Alternativen.

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