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Wochenrückblick: Jörges’ lärmende Selbst-Therapie

Larissa, Hans-Ulrich, Harald und Focus Online
Larissa, Hans-Ulrich, Harald und Focus Online

Am Ende dieser Arbeitswoche bestaunen wir Hans-Ulrich Jörges' Selbst-Therapie in Sachen Sahra Wagenknecht, lernen vom stern wie man günstig an C-Promis rankommt, bewundern Harald Martenstein für seine effiziente Kolumnen-Befüllung, und lernen von Focus Online wir man an Print-Produkten spart.

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Kommen wir noch einmal zum leidigen Thema Lanz, Jörges, Wagenknecht und der Shitstorm. Ganz interessant ist es, die Reaktion der beiden Männer zu beobachten, die hart dafür kritisiert wurden, die Linken-Politikern Sahra Wagenknecht angeblich zu hart und schroff angegangen zu sein. Während Markus Lanz eher schweigt und auch in seiner Sendung darauf achtet, kein Wort zuviel zu dem Thema zu verlieren, schlägt sich Hans-Ulrich Jörges im stern selbst lautstark auf die Brust. “Nein, ich bereue nichts.”, beginnt er seine, diesmal auf doppelte Größe angeschwollene, Kolumne und man vermisst eigentlich das Ausrufezeichen. Er, der Jörges, sei nun mal total emotional. Und, ja, er fuchtle auch schon mal mit dem Zeigefinger (“Eine alte Schwäche.”) Dann folgt eine Aufzählung, welche Politiker er, der Jörges, schon in welchen Talkshows zur Minna gemacht hat und warum er sich eigentlich nichts vorzuwerfen hat. Aber ja, ja, im Ton habe er sich womöglich schon vergriffen. Recht habe er, der Jörges, ja trotzdem usw. Das kann man als selbstverliebtes Geschwafel abtun. Eines muss man dem notorisch aufgeregten Mann aber doch lassen: Langweilig ist seine lärmend vorgetragene Selbsttherapie nicht. Man kann sich darüber wunderbar aufregen oder eifrig mit dem Kopf nicken. Egal ist einem “der Jörges” nicht. Damit hat er sein Ziel im Prinzip erreicht.

Ebenfalls für den aktuellen stern hat Nora Gantenbrink die Eltern von Dschungel-Prinzessin Larissa besucht. Dabei erfährt man nebenbei, dass Larissa Marolt als Ex-Kandidatin von “Germany’s next Topmodel” offenbar noch immer von Heidi Klums Papa Günther (zwangsweise?) gemanagt wird. Der wollte, so steht es im stern, für ein Interview mit den Eltern die Titelstory und 4.000 Euro Honorar. Angeblich stapeln sich die Angebote auf Papa Klums Schreibtisch. Der stern hat dankend abgewunken. Frau Gantenbrink ist dann halt auf eigene Faust nach St. Kanzian am Klopeiner See gegondelt und hat bei den Marolts geklingelt. So kam der stern dann deutlich billiger zum Plausch mit den Larissa-Eltern, die so furchtbar viel gar nicht zu sagen hatten (“Die Larissa, die ist wirklich so.”)

Bleiben wir dabei, was Medien so über Medien schreiben. Diese Woche befasst sich Zeit-Magazin-Kolumnist Harald Martenstein  mit der von uns allen über alles geliebten Branche. Eine Privatradiostation wollte mit dem stadtbekannten Formulierungskünstler Martenstein vor Weihnachten ein ironisches Interview zum Thema Weihnachten führen. Nun wundert sich Herr Martenstein in seiner Kolumne, dass der Privatradio-Moderatorenmensch die Fragen und vor allem auch die spontan-lustigen Antworten vorher haben wollte. Mensch, Herr Martenstein, es ist Privatradio! Am Schluss findet er sogar noch einen Schlenker zu einer medienkritischen Pointe (“Es ist nicht um jede Zeitung schade.”) aus einem unveröffentlichten Essay von sich selbst. Und schwups, hat H.M. aus einer doofen Interview-Anfrage von vor Weihnachten und einem alten, unveröffentlichten Text eine frische Zeit-Magazin-Kolumne gebastelt. Der Mann hat’s einfach drauf!

Dann war da noch Focus Online. Die schwindelerregend erfolgreiche Trafficschleuder aus München hat am späten Donnerstag-Nachmittag mal wieder mit einer Hammerstory aufgemacht: “Bahnfahrten, Kosmetik und GetränkeSchnorren für Fortgeschrittene: Hier können Sie 16-mal absahnen” (Erinnerung: Focus Online ist nach eigener Definition ein Nachrichtenmedium). Darunter waren altbewährte Tipps wie “Brot abends kaufen” oder zum Blutspenden gehen, weil es da Süßigkeiten gibt. Naja. Besonders gefallen hat aber der Geizkragen-Tipp Nummer 3: “Probeabos nutzen”. Wer gerne Zeitungen lese aber nicht zahlen will, der komme, so rät Focus Online bauernschlau, mit Probeabos prima über die Runden. Dazu gebe es sogar oft Geschenke oder Gutscheine. Der Zeitschriften-Verleger, der sich auf dem DLD gerade beklagte, mit Qualitätsjournalismus alleine könne man im Web nicht überleben, wird solche “Tipps” sicher gerne lesen.

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Und zum Schluss noch ein Facebook-Fundstück aus Österreich zum allseits beliebten Thema Qualitätsjournalismus:

wochenrückblick 31.1.2013

gefunden auf der Facebook-Seite von Florian Klenk, dem Chefredakteur des Wiener Stadtmagazins Falter

Schönes Wochenende!

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