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Google weidet Motorola aus und stößt es an Lenovo ab

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Milliardenschwere Fokussierung aufs Kerngeschäft: Google hat nach Handelsschluss die zu diesem Zeitpunkt überraschende Veräußerung seiner Handytochter Motorola für 2,92 Milliarden Dollar an Lenovo bekannt gegeben. Vor 2,5 Jahren hatte der weltgrößte Internetkonzern noch 12,5 Milliarden Dollar zum Kauf überwiesen. Allerdings: Der Großteil der Motorola-Patente bleibt in Mountain View.

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Die Gerüchte gab es immer. Larry Page und Sergey Brin hätten Motorola nur wegen der Patente übernommen, um sein mobiles Betriebssystem juristisch besser gegen Apple abzusichern, hieß es im August 2011, als Google stolze 12,5 Milliarden Dollar für den alternden Handy-Pionier überwies.

Gerade mal zweieinhalb Jahre später wird Motorola nun wieder für einen Bruchteil verkauft – bzw. sein Handy-Geschäft, das für 2,91 Milliarden Dollar an den größten chinesischen Computerhersteller Lenovo geht. Ein irre Wertvernichtung von 9,59 Milliarden Dollar in 30 Monaten?

Patente bleiben in Mountain View 

Nicht, wenn es nach Googles Grundrechenarten geht: Die Handy-Sparte, die von Tag eins an wie ein Fremdkörper im Universum des Internet-Giganten wirkte, wird samt seiner 11.000 Mitarbeiter wieder veräußert – was nie zusammengehörte, muss nun auch nicht mehr zusammenwachsen. Was dagegen in Mountain View bleibt, ist der Löwenanteil der 10.000 Patente der Handy-Pioniers, deren Wert Google selbst auf 5,5 Milliarden Dollar bezifferte. 

Zusammen mit der Veräußerung der Settop-Box-Sparte im Dezember 2012, für die Google 2,35 Milliarden Dollar von Arris kassierte, hätte sich das rechnerische Minus damit auf 1,75 Milliarden Dollar beschränkt – eine durchaus verkraftbare Summe angesichts einer chronisch defizitären Unternehmenssparte, die nun nicht weiter die Bilanz belastet.

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Die Wall Street erfreut über Verkauf der Problemsparte

Motorola sei bei Lenovo als neuem Eigner „besser gedient“, lobte Larry Page seine Handytochter weg, schließlich besäßen die Chinesen ein rapid wachsendes Smartphone-Geschäft und wären ohnehin schon der größte und am schnellsten wachsende PC-Hersteller der Welt. Google könne seine Energie nun noch besser auf Innovationen im Android-Ökosystem verwenden, ließ Page durchblicken. 

Kaum ist Vertrag unterschrieben, schmiedet der wertvollste Internetkonzern der Welt unterdessen bereits neue Allianzen, wie das Anfang der Woche über 10 Jahre abgeschlossene Patentabkommen mit Samsung verdeutlicht. „Google und Samsung zeigen dem Rest der Branche, dass Kooperation mehr einbringt als unnötige Patent-Streitigkeiten“, lautete die unüberhörbare PR-Spitze in Richtung Apple.

Die Wall Street, an der Google seit Längerem ohnehin nichts falsch machen kann, hebt den Daumen nach dem Verkauf der Problem-Sparte: Die Google-Aktie zog nachbörslich um 25 Dollar oder 2,5 Prozent auf 1132 Dollar an. Ganze 70 Milliarden Dollar liegt Google im Börsenwert nur noch hinter Apple – die Wachablösung könnte nach Apples erneut enttäuschender Geschäftsentwicklung nun schneller kommen als noch vor Monaten für möglich gehalten …

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