Web-Protest: Zweifel an der Anti-Lanz-Petition

„Unfair behandelt“: Markus Lanz erntete harsche Kritik für sein Interview mit Sahra Wagenknecht
"Unfair behandelt": Markus Lanz erntete harsche Kritik für sein Interview mit Sahra Wagenknecht

Fernsehen Die Petition gegen Markus Lanz findet online immer mehr Fürsprecher. Nach knapp einer Woche haben bereits über 140.000 die Petition, die die Absetzung des ZDF-Moderators verlangt, gezeichnet. Von den 140.000 Unterzeichner haben laut Seitenbetreiber openpetition.de aber nur 14 ihre Identität über das eID-Verfahren verifiziert.

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Diese Frage stellt David Hugendick in einem Kommentar bei Zeit Online. Die Petition, die Markus Lanz Verhalten gegenüber seinem Talk-Gast Sahra Wagenknecht kritisiert und die Absetzung des Moderators verlangt, sei eine „wahrhaft unbehagliche Angelegenheit“, so Hugendick. „Eine Petition gegen eine Person, eine Verbannung gewissermaßen mit demokratischen Mitteln – wobei man kurz daran erinnern sollte, dass Demokratie zunächst eine Staatsform meint und nicht jeden Versuch, für irgendein Anliegen Mehrheiten zusammenzubekommen.“ Der Vorgang erinnere an ein Scherbengericht.

Tatsächlich ist eine Petition, die sich gegen eine Person richtet, eine moralisch zweifelhafte Sache und auch die erste ihrer Art – zumindest für den Seitenbetreiber openpetition.de, bei dem Initiatorin Maren Müller die Petition online gestellt hat. Normalerweise gehe es bei openpetition.de um politische Belange, erklärt Sprecher Fritz Schadow. Trotzdem haben sich die Betreiber dafür entschieden, die Unterschriftensammlung nicht offline zu nehmen. Zwar hänge sich die Petition an einer Person auf, die Begründung der Initiatorin mache aber deutlich, dass sie die Petition nicht aus Willkür gestartet habe, so Schadow. Es gehe darum, die journalistische Qualität in öffentlich-rechtlichen Medien zu kritisieren. „Würde die Petentin anprangern, dass ihr der Gesichtsausdruck von Markus Lanz nicht passt oder sie andere Persönlichkeitsrechte verletzt, wäre das ein Ausschlusskriterium für uns gewesen.“

Von 140.000 Zeichnern haben sich nur 14 verifiziert

Unterdessen kommen vor allem auf Grund des rasanten Anstiegs und der mittlerweile durchaus relevanten Anzahl der Zeichner Zweifel an der Petition auf. Ein Blick auf die Liste der Unterstützer zeigt, dass offenbar auch viele anonyme, mutmaßlich sogar doppelte, Stimmen abgegeben wurden. Zeichner mit den Namen „Rosa Luxemburg“ oder „Markus Lanz“ aus Orten wie „Entenhausen“ verstärken diesen Eindruck. Gegenüber MEEDIA teilt openpetition.de mit, dass von 140.000 Unterzeichnern tatsächlich nur 14 unter Verwendung der eID-Funktion des neuen Personalausweises unterzeichnet haben. „Seit August 2011 können Unterschriften auf openPetition mit der eID-Funktion des neuen elektronischen Personalausweises verifiziert werden. Damit war openPetition die erste Petitionsseite, auf der verifizierte Petitions-Unterschriften online gesammelt werden konnten“, erklärt Schadow.

Die Verifizierung ist allerdings nur eine optionale Funktion, keine Pflicht. Die geringe Anzahl von verifizierten Zeichnungen – die in relativen Zahlen gegen null läuft – sei allerdings nichts Ungewöhnliches, erklärt Schadow weiter. „Das deckt sich mit unserer generellen Beobachtung, dass nur ein Bruchteil der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner diese Funktion nutzen.“

Doch auch ohne die eID will der Seitenbetreiber eine höchstmögliche Legitimität erreichen. Dazu verlangt openpetition.de neben dem vollen Namen auch Adresse, Postleitzahl und Wohnort der Unterzeichnet – allerdings besteht auch hier keine Pflichtangabe. „Wir prüfen, ob viele Unterschriften über die gleiche IP-Adresse gemacht werden und ob sich Muster in den Unterschriften zeigen, um automatisierten Missbrauch auszuschließen. So etwas können wir gut erkennen. Einzelne Spaß-Unterschriften bereinigen wir und die Initiatoren einer Petition per Hand“, erläutert Schadow. Dies soll verhindern, dass ein Teilnehmer möglichst viele Stimmen fälscht. Ein MEEDIA-Mitarbeiter wurde via E-Mail benachrichtigt, dass er seine Stimme bei der Anti-Lanz-Petition abgegeben habe. Die Stimm-Abgabe konnte auf der Petitionsseite wieder rückgängig gemacht werden. Der Vorgang weckt freilich Zweifel an der Authentizität der vielen Stimmen.

Je nachdem, welche Eingabefelder die Unterzeichner ausgefüllt haben, färben sich ihre Namen in der Petitionsliste in unterschiedlichen Farben. Blaue Namen sind Unterstützer, die aus der Region kommen auf die sich die Petition bezieht. Grau sind Unterschriften, die nicht der Region zugeordnet werden können, weil beispielsweise Angaben fehlen oder die Angabe der Stadt Tippfehler enthält. Die unterschiedlichen Blautöne hätten laut Seitenbetreiber keine Bedeutung. Sie dienten zur besseren Lesbarkeit.

Beim ZDF in Mainz und auch in der Lanz-Redaktion in Hamburg werde die Petition und damit verbundene Kritik „grundsätzlich“ ernstgenommen. Das ZDF stelle sich der Diskussion mit den Zuschauern, „indem wir ihre Fragen dazu beantworten“, so ein ZDF-Sprecher gegenüber MEEDIA. Sachliche Kritik könne dabei teils nachvollzogen werden. Das ZDF gibt aber auch zu: „Das Echo hat uns überrascht.“ Die Anzahl der Petitions-Unterzeichner müsse aber auch in Relation zu den Millionen Zuschauern gesehen werden, die keine Kritik geäußert haben. In Mainz sei man zudem bereit mit der Petentin Maren Müller Gespräche zu führen. Sie habe sich allerdings noch nicht beim Sender gemeldet.

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