Die neue Social-Media-Strategie der Zeit

Tech Mehr Einblicke in einen der aktuell erfolgreichsten Print-Maschinenräume des Landes gewährt nun die Zeit. Via Facebook und Twitter wollen die Hamburger künftig mit ihren Lesern lebhaft diskutieren, sich mit neuen Themenideen versorgen und sie an ihrem Produktionsprozess teilhaben lassen. "Wir wollen die Tür ins Allerheiligste der Redaktion ein Stück aufmachen"

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Für ihre Social-Media-Offensive der Print-Redaktion starten die Hamburger extra neue Zentral-Kanäle für Facebook und Twitter. Diese frischen Angebote sind für den Verlag allerdings keine echte Neuerung, sondern die Erweiterung der bisherigen Doppel-Aktivitäten zu einem Dreiklang. Schon lange sind Zeit Online und auch das Zeit Magazin in allen wichtigen sozialen Netzwerken sehr erfolgreich aktiv und “natürlich bleiben diese Kanäle auch weiterhin völlig autark bestehen”, wie Juliane Leopold versichert.

 

Bislang kümmerte sich die Social-Media-Managerin von Zeit Online ausschließlich um die Aktivitäten des Internet-Portals. Jetzt übernimmt sie zusätzlich die neue Web-Spielwiese der Print-Redaktion. Innerhalb der Chefredaktion berichtet sie an Müller-Wirth. Neben der Organisation des zusätzlichen Contents und des klassischen Community-Managements soll Leopold auch einmal pro Woche Rückmeldung in die Chefredaktion geben, welche Themen die Zeit-Leser in den sozialen Netzwerken gerade besonders beschäftigen.

Nicht umsonst fällt der offizielle Start mit der aktuellen Titelgeschichte überein. Passend zur Titelgeschichte über zwölf moderne Heldinnen erzählen viele der Autoren via Facebook ein paar Anekdoten zu ihren jeweiligen Texten, für die in der gedruckten Ausgabe kein Platz mehr war. Müller-Wirth und Leopold hoffen, dass die Kollegen künftig immer ein wenig zusätzliches Material von ihren Recherche-Einsätzen mitbringen, mit der man die Facebook-Gemeinde versorgen kann.

“Die Leute sind wahnsinnig neugierig, was das Innenleben der Zeit betrifft. Für viele scheint das ein Mysterium”, sagt Müller-Wirth. Bei der Öffnung via Facebook & Co. wollten die Hamburger nicht zu vorschnell und unüberlegt handeln. “Wir haben uns gesagt: Erst wenn wir innerhalb der Print-Zeit ausreichend individuelle Erfahrung gesammelt haben, was die Nutzung von Facebook und Twitter betrifft, dann begeben wir uns hinein ins Getümmel und lassen die Leute an den Arbeitsabläufen und am Innenleben der Redaktion teilhaben”. Dieser Punkt sei nun erreicht. “Wir glauben, dass die Leute neugierig sind und wir sind jetzt bereit, diese Neugierde zu befriedigen”. Das gilt aber auch anders herum: “Wir sind auch neugierig auf unsere Leser, ihr Leben und ihre Sicht auf die Zeit”.

Ein angenehmer Nebeneffekt dieser Redaktions-Neugier könnte zudem sein, dass die Zeit dank Crowdsourcing ein paar neue Story-Ideen samt Protagonisten finden könnte.

 

In der ersten Twitter-Woche übernimmt nun erst einmal Stefan Schmitt, der stellvertretende Ressortleiter Wissen den Zwitscher-Kanal. Mit ihrem neuen Zwitscher-Rotationsverfahren hoffen die Hamburger von der hohen Twitter-Popularität einiger ihrer Autoren zu profitieren. Moritz von Uslar, Khuê Pham oder Christoph Amend folgen schon länger viele Nutzer. Wenn diese nun für eine Woche für die Zeit zwitschern, ist es nicht völlig abwegig, dass ein paar ihrer 140-Zeichen-Leser sich dann auch für den neuen Twitter-Stream der Print-Redaktion begeistern. “Einige unserer Autoren haben in ihren eigenen Communitys längst Kult-Charakter. Da darf von ihrer Popularität gerne auch etwas auf uns abstrahlen – und umgekehrt”. Besonders wichtig ist dem Social-Media-Zuständigen in der Chefredaktion allerdings auch der Fakt, dass kein Redakteur gezwungen wird, nun zu Twittern oder mit den Lesern via Facebook zu debattieren.

Neben einer noch stärkeren Leser-Blatt-Bindung hofft Müller-Wirth noch auf einen weiteren positiven Effekt der neuen Social-Media-Strategie. “Wenn wir noch stärker in die digitalen Lebenswelten unserer jüngeren Leser eintauchen, hilft es uns vielleicht, Themen zu finden, über die wir dann im Blatt berichten und sie auf diese Weise dauerhaft als Leser zu gewinnen”.

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