Zeitungs-IVW: Bild und BamS verlieren 8%

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Publishing Die beiden großen Verlierer der neuesten Zeitungs-Auflagen heißen Bild und Bild am Sonntag. Springers Boulevard-Duo büßte in den beiden wichtigsten Auflagenkategorien Abo und Einzelverkauf 7,8 bzw. 8,3% gegenüber dem Vorjahr ein, die Bild verlor damit über 192.000 Käufer. Zulegen konnten bei den überregionalen Tages- und Wochenzeitungen hingegen das Handelsblatt und Die Zeit. Bei den regionalen Titeln geht es ebenfalls am deutlichsten für die Boulevardblätter, u.a. B.Z. und Berliner Kurier, nach unten.

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Bei 2,31 Mio. verkauften Exemplaren ist die Bild inzwischen angekommen. Das ist natürlich immer noch eine eindrucksvolle Zahl, doch bis 2002 waren es eben noch mehr als 4 Mio. Das Minus in diesen 12 Jahren ist heftig und steht doch exemplarisch für die Rückgänge in der Print-Branche und hier insbesondere für die Boulevard-Zeitungen. Denn auch die Bild am Sonntag verlor im selben Zeitraum deutlich: Bis 2004 verkaufte man noch mehr als 2 Mio., nun noch 1,19 Mio.

Bei den überregionalen Tageszeitungen büßten zwei Titel im Gesamtverkauf sogar noch mehr Käufer ein als die Bild. Allerdings: Das liegt an Sondereffekten. So bauten Die Welt und das Handelsblatt jeweils weit über 20.000 sonstige Verkäufe und Bordexemplare ab, in den wichtigen Auflagenkategorien Abo und Einzelverkauf lief es klar besser als es der Gesamt-Rückgang vermuten lässt. So wird aus dem 11,5%-Minus der Welt eins von 4,5%, aus den 16,8% des Handelsblatts sogar ein Plus von 0,6%. Insbesondere bei den Abos geht es bergauf. Das dürfte zum einen an ehemaligen FTD-Lesern liegen, vor allem aber an einem Anstieg bei den ePaper-Abos. Zum einen könnten alte FTD-Abonnenten nun das Handelsblatt-ePaper bestellt haben, zum anderen aber auch ehemalige HB-Print-Kunden zum ePaper gewechselt sein.

Auch die F.A.Z., insgesamt mit 6,6% im Minus, schneidet in den beiden wichtigen Kategorien besser ab (-3,3%), auch hier wurden zahlreiche sonstige Verkäufe und Bordexemplare abgebaut. Insgesamt im Plus, tatsächlich aber im Minus befindet sich die taz. Der Grund: ein Plus von 3.200 sonstigen Verkäufen bei den ePapern. In Abo und Einzelverkauf ging es für die taz hingegen um 3,3% nach unten. Einen ähnlichen prozentualen Rückgang wie die Bild verzeichnet das Neue Deutschland: Das Minus von 8,1% bzw. 7,4% lässt das linke Blatt auf inzwischen nur noch etwas mehr als 30.000 Verkäufe fallen.

Bei den Wochen- und Sonntagszeitungen heißt der Gewinner Die Zeit: Im Gesamtverkauf ging es für das Blatt um 0,7% nach oben, bei den Abos und im Einzelverkauf sogar um 1,4%. Insgesamt leicht im Plus, in den wichtigen Kategorien aber leicht im Minus ist die Welt am Sonntag, etwas deutlicher verloren hat die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Im Vergleich zu den Tageszeitungen geht es den großen Wochen- und Sonntagszeitungen aber klar besser. Ausnahme: die erwähnte Bild am Sonntag mit ihrem Minus von 7,5% bzw. 8,3%.

Kommen wir zu den größten Regionalzeitungen und damit zu unserer traditionellen Reise durch die Bundesländer, die wie immer in Berlin startet. Dort zeigt sich Der Tagesspiegel in stabiler Form, verlor im Vergleich zum Vorjahresquartal nur 0,4%. Allerdings: Man verteilte fast 2.500 Exemplare mehr als 2012 per Bordexemplar oder sonstigem Verkauf. Bei den Abos büßte man 1,9% ein, bei den Einzelverkäufen sogar 8,6%. Die anderen vier Berliner Zeitungen haben dennoch deutlicher verloren: Vor allem für die B.Z. und den Berliner Kurier ging es mit 7,8% und 7,3% bergab. Die B.Z. musste damit sogar der Berliner Zeitung den ersten Platz in Berlin überlassen: Mit 4,4% verlor sie nicht ganz so stark.

In den fünf anderen östlichen Bundesländern liegen die Rückgänge der großen Titel fast ausnahmslos im Korridor zwischen 2,0% und 3,5%. Einzig die Ostsee-Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern kam mit -1,5% etwas glimpflicher davon. Um 3% und mehr nach unten ging es hingegen für die Märkische Allgemeine und die Märkische Oderzeitung in Brandenburg, die Freie Presse in Sachsen, sowie die Zeitungsgruppe Thüringen. In Bremen und Hamburg büßten die Platzhirsche Weser-Kurier und Hamburger Abendblatt ebenfalls 2,0% und 2,6% ein, die Hamburger Morgenpost sogar 4,7%. Das Abendblatt steigerte seine sonstigen Verkäufe allerdings um etwa 4.000 Stück, ohne diese Auflagenkosmetik hätte man ebenfalls ca. 4% verloren.

In Niedersachsen gibt es auf den ersten Blick einen Gewinner: Die Nordwest-Zeitung/Zeitungsgruppe Nordwest. Allerdings gab es nur wegen eines Sondereffektes ein Plus. Im Gegensatz zum Vorjahr zählt nun nämlich auch das Delmenhorster Kreisblatt zu der Vermarktungseinheit – mit seinen 16.510 verkauften Exemplaren. Ohne die läge auch die Nordwest-Zeitung/Zeitungsgruppe Nordwest im Minus. Die HAZ und die Neue Osnabrücker Zeitung/Zeitungsgruppe Südwest-Niedersachsen legten bei den sonstigen Verkäufen zu und hielten sich so im Gesamtverkauf relativ schadlos. Die Braunschweiger Zeitung büßte mit 4,4% am deutlichsten ein.

In Schleswig-Holstein pushte die sh:z ihre Auflage ebenfalls mit 2.500 zusätzlichen sonstigen Verkäufen, insgesamt läuft es für die Blätter im hohen Norden aber vergleichsweise gut. Große Unterschiede gibt es hingegen in NRW: Während die Funke-Mediengruppe mit ihren Blättern 8,9% weniger Exemplare absetzt und auch die Rheinische Post mit -4,2%, der Express mit -5,6% und das Aachener Duo mit -5,0% deutlich unter dem Vorjahr blieben, ging es für zwei Titel sogar leicht nach oben. Doch, sie ahnen es bereits, hat auch das mit Sondereffekten zu tun. So wurden bei der Zeitungsgruppe Münsterland im Vorjahr noch keine ePaper mitgerechnet und beim Westfälischen Anzeiger gab es 876 zusätzliche sonstige Verkäufe. Wenn Sie mitgerechnet haben, wissen Sie nun, dass das Blatt ohne diese Verkäufe leicht im Minus läge. Allerdings nur so minimal, dass es trotz des Minus eine stolze Leistung ist: Im Jahr 2013 eine stabile verkaufte Auflage zu melden, verdient Respekt.

Das 36%-Plus der hessischen Vermarktungskombi RheinMainMedia ist natürlich ebenfalls kein echtes Plus: Es kommt zustande, weil im Gegensatz zum Vorjahr nun auch die Frankfurter Rundschau mitgerechnet wird – zusätzlich zur Frankfurter Neuen Presse, dem Höchster Kreisblatt, der Taunus-Zeitung und anderen. Tatsächlich mit dem Vorjahr vergleichbare Zahlen wird es hier erst wieder im zweiten Quartal 2014 geben.

In Rheinland-Pfalz verlor die Rhein-Main-Presse unterdessen am deutlichsten, im Saarland geht es auch für die Saarbrücker Zeitung mit -3,0% deutlich nach unten. Das gilt in Baden-Württemberg auch für das Duo Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten. Die Schwäbische Zeitung und die Badische Zeitung liegen im Gesamtverkauf hingegen im Plus – auch hier allerdings wegen gesteigerter sonstiger Verkäufe und nicht wegen neuer Abonnenten oder Kiosk-Käufern. Auch das kleine Minus von 0,4% des Südkuriers sieht wegen neuer sonstiger Verkäufe so klein aus.

Gleiches gilt in Bayern für Augsburger Allgemeine und Allgäuer Zeitung, für die TZ und auch die Mittelbayerische Zeitung. Sie alle lägen in den wichtigeren Auflagenkategorien über dem nun erreichten Minus von weniger als 1%. 3,2% eingebüßt hat die Abendzeitung – ein im Vergleich zu anderen Boulevardzeitungen der Republik aber noch verhaltener Rückgang.

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