Wie sich die Süddeutsche mit dem ADAC anlegt

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Die Süddeutsche Zeitung berichtet am heutigen Dienstag auf ihrer Seite Drei kritisch über den ADAC, die Mitgliederzeitschrift Motorwelt und angebliche Unstimmigkeiten bei der Wahl zum “Lieblingsauto der Deutschen”, dem laut ADAC-Eigenwerbung “wichtigsten Autopreis Deutschlands”. Laut SZ ist unklar, woher die Stimmen für die Mitgliederwahl kommen.

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Zentrale Figur der SZ-Story ist Michael Ramstetter, Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift ADAC Motorwelt und oberster Kommunikationschef des Vereins. Er hat die Mitgliederwahl “Gelber Engel” zum Auto des Jahres erfunden, er ist Chef der gleichnamigen Stiftung und laut SZ der Herr der Stimmenzählung bei der Wahl zum “Lieblingsauto der Deutschen”. Die ADAC Motorwelt ist mit einer Auflage von knapp 14 Millionen Exemplaren das mit Abstand reichweitenstärkste Printmedium in Deutschland.

Nun hat die Süddeutsche Unterlagen, laut denen für die Wahl zum “Gelben Engel”, zu der alle knapp 19 Mio. ADAC Mitglieder aufgerufen sind, im Jahr 2012 nur rund 76.000 gültige Stimmen eingegangen seien. Offiziell verbreitete der ADAC aber die Zahl von 290.000 Stimmen. Das aktuelle “Lieblingsauto der Deutschen” – wenig überraschend der VW Golf – kam laut SZ nur auf 3.409 Stimmen, laut ADAC waren es 34.299. Wenn die Zahlen Ramstetters Büro verlasen, schreibt die SZ, “scheinen sie sich vervielfacht zu haben”. Hat der ADAC etwa gemogelt, um die Abstimmung bedeutender erscheinen zu lassen?

Die SZ wirft auch die Frage auf, ob der ADAC in seiner Zeitschrift Autos wirklich unabhängig testen kann, wo der Verein doch mit vielen Auto-Herstellern in Geschäftsbeziehung steht. Zahlreiche Autofirmen lassen Pannenhilfen im Rahmen ihrer Mobilitätsgarantien vom ADAC abwickeln. Außerdem, so ist in der SZ zu lesen, sollen in der Motorwelt nach Spenden der Stahl- und Autolobby an die ADAC-Stiftung “Gelber Engel” positive Artikel veröffentlicht worden sein.

Der ADAC weist die Vorwürfe von sich. Auf MEEDIA-Anfrage sagte ADAC-Sprecher Christian Garrels: “Wir haben den Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 14. Januar 2014 zur Kenntnis genommen, weisen die darin erhobenen Behauptungen zurück und prüfen zu gegebener Zeit weitere Schritte.” Die Wahl zum Auto des Jahres im Rahmen der Veranstaltung “Gelber Engel” beruhten “auf sauberen, statistisch repräsentativen Auswertungen der Stimmen unserer knapp 19 Millionen Mitglieder”.

Im SZ-Text kommt mit Kai Diekmann noch ein weitere Medien-Schwergewicht neben Michael Ramstetter vor. Ramstetter, so werde erzählt, habe Diekmann in dessen Büro mal damit gedroht, millionenschwere Druckaufträge für Axel Springer zu streichen und sei dabei laut geworden. Angeblich hat Diekmann den Motorwelt-Chef aus seinem Büro werfen lassen. Der Vorgang, der auf Hörensagen beruht, wird von Ramstetter bestritten.

Und als die Bild-Zeitung den ADAC-Präsidenten Meyer mit der Zeile “Rad ab?” auf den Titel hob, weil der einen höheren Benzinpreis forderte, habe man beim ADAC gar eine Verschwörung zwischen Bild und CSU”gewittert”. Diekmann ließ den SZ-Artikel nicht unkommentiert. Er twitterte ein Foto mit einem Ausschnitt des Artikel mit dem Kommentar: “Lieber @ADAC , das ist in Deinen Augen jetzt die GANZ GROSSE Verschwörung von @BILD plus @CSU UND @SZ_Investigativ!”

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