Das MEEDIA TV-ABC des Jahres 2013

Castingshows, "Wetten, dass..?"-Desaster und ein Sommer voller Wüsten-Trash. Das Jahr 2013 bescherte uns wahrlich keine TV-Revolution. Stattdessen konnten wir einem ehemaligen Helden beim tiefen Fall zusehen, durften uns endgültig vom Nachmittags-Talk verabschieden und dem Medien-Bashing gegen Markus Lanz beiwohnen. Die Sender setzten auf Altbewährtes oder produzierten programmierte Flops. In dem großen TV-ABC lässt MEEDIA das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren.

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A wie Abgesetzt
2013 verabschiedeten sich die Sender von altbewährten und gefloppten Selbstversuchen. Neben den RTL-Eigenproduktionen (siehe auch S wie Serienflops) "Doc meets Dorf", "Christine. Perfekt war gestern" und "Sekretärinnen" fand mit der Absetzung von "Britt" im März auch der Nachmittags-Talk endlich ein Ende. Versuche des ZDF, das Genre mit der Talkshow "Inka" wieder aufleben zu lassen, sind glücklicherweise gescheitert. Zum Bedauern der Generation 70+ verabschiedete sich der Sender nach 25 Jahren auch von dem Serien-Klassiker "Forsthaus Falkenau" und schickte auch gleich noch die Lotto-Fee des Mittwochslottos in Rente.
Ein weiterer Meilenstein in Richtung niveauvolleres Fernsehen war das Ende des Scripted-Reality-Formats "Mitten im Leben" bei RTL.
B wie Blamage Boris Becker
Es war ein trauriges Jahr für Boris Becker. So sieht es wahrscheinlich jeder, außer Herr Becker selbst. Höhe- bzw. Tiefpunkt war die Schlammschlacht mit Erz- oder auch PR-Rivale Oliver Pocher und einem daran anschließenden Auftritt in dessen Fernsehsendung "Alle auf den Kleinen". Als wollte Becker sein Image endgültig ruinieren, trug er dort eine Kopfbedeckung aus Fliegenklatschen und schoss seine eigenen Fotos mit Tennisbällen ab. Peinliche Aktionen wie diese kannte man bisher nur von Beckers Sportskollegen Lothar Matthäus.
C wie Clash of Castingshows
Man möchte meinen, die Sender würden sich die abwärts neigenden Quoten der gefühlten fünf Dutzend Castingshows irgendwann einmal zu Herzen nehmen. Doch es gibt kein Erbarmen. "Das Supertalent" startete 2013 in die siebte Staffel und Deutschland versucht aktuell bereits zum elften Mal einen Superstar zu finden. Dann war da noch die Klum, die zum achten Mal Fotos verteilte, natürlich "The Voice of Germany" und zuletzt brachte Sat.1 das Casting-Fass mit der Kochshow "The Taste" endgültig zum Überlaufen.
D wie Dschungelcamp und das Comedypreis-Hickhack 
Sie hätten den Comedypreis für die beste Moderation verdient gehabt. Doch Sonja Zietlow und Daniel Hartwich lehnten die Auszeichnung ab – aus Respekt gegenüber dem verstorbenen Dirk Bach. Dieser Respekt war allerdings nur von kurzer Dauer. Denn nach der Absage hieß es plötzlich, dass Duo würde den Preis nun doch annehmen, schließlich handele es sich hier um eine Teamleistung. Mit diesem Hickhack haben sich die sonst so souveränen Moderatoren wahrlich keinen Gefallen getan.
E wie Ermittler-Debüt
Ihren Einstand gaben an Weihnachten die neuen "Tatort"-Kommissare Christian Ulmen und Nora Tschirner, die in Weimar auf Verbrecherjagd gehen. Der Event-Krimi rund um die Entführung einer Wurstkönigin soll kein Einzelfall bleiben. Der MDR hat bereits angekündigt, noch mindestens eine weitere Folge aus Weimar produzieren zu wollen. 2014 können wir uns also auf weitere Ermittlungen mit Augenzwinkern freuen.
F wie "Fack ju Göhte"
Mit mehr als 5 Millionen Zuschauern löste die Komödie rund um einen zweifelhaften Lehrer "Django Unchained" als meistbesuchten Kinofilm 2013 in Deutschland ab. Das dürfte nicht zuletzt an Hauptdarsteller Elyas M´Barek gelegen haben, der junge Mädchen ins Kino lockte. 
G wie Gottschalk goes RTL
Anfang des Jahres kritisierte er noch Supertalente bei RTL, im Juli wechselte Thomas Gottschalk dann dauerhaft zum Privatfernsehen. Dort bekam er zusammen mit Günther Jauch das Live-Event "Die 2 – Gottschalk & Jauch gegen Alle" auf den Leib geschneidert. Die Sendung stand ihm dabei besser als die meisten seiner Anzüge. 2014 wird das Entertainer-Urgestein dann noch öfter bei dem Kölner Sender zu sehen sein: Anfang Januar moderiert er die Jubiläums-Sendung "30 Jahre RTL" und einen Monat später will er in "Gottschalks großes Klassentreffen" die Schulzeit diverser Stars Revue passieren lassen.
H wie Hoffnungsträger
Sie schaffen das, was die meisten anderen Fernsehmacher offenbar verschlafen haben: die Leute zu unterhalten. Seit Ende Februar präsentieren Joko & Klaas die Late-Night-Sendung "Circus HalliGalli", die derzeit als eine der wenig sehenswerten Shows im TV zu nennen ist. Damit bewies das Duo Entertainer-Qualitäten, die sonst in diesem Jahr Mangelware waren. Die Zuschauer dankten mit konstant ordentlichen Quoten.
I wie Interview-Schlagabtausch
Kaum ein Interview wurde in den Medien so lang und breit diskutiert wie das zwischen "heute-journal" Moderatorin Marietta Slomka und SPD-Chef Sigmar Gabriel. Zur Erinnerung: Slomka hatte in dem Interview die Verfassungsrechtlichkeit der SPD-Mitglieder-Abstimmung zur Großen Koalition hinterfragt. Gabriel passte das gar nicht in den Kram und reagierte mit den Worten: "Es ist nicht das erste Mal, dass Sie in einem Interview mit Sozialdemokraten versuchen, das Wort im Munde rumzudrehen." Auch CSU-Chef Horst Seehofer, Mitglied des ZDF-Verwaltungsrats, meldete sich zu Wort, wurde daraufhin der politischen Einflussnahme beschuldigt und sagte darauf seinen Besuch beim ZDF-Jahresrückblick ab. Im Kindergarten sehen Konflikte sicherlich ähnlich aus.
K wie König Fußball
Auch dieses Jahr sorgten die Fußball-Übertragungen für Jubelrufe bei den Sendern. Das Champions-League-Finale zwischen dem BVB und dem FC Bayern München war dabei der quotentechnische Gewinner und ist mit Abstand die meistgesehene Sport-Übertragung 2013. Insgesamt lockte das rein deutsche Finale in Wembley 21,61 Millionen Fußball-Fans vor den Fernseher. Die beiden Halbfinalspiele landeten auf Platz zwei und drei.
L wie Lanz-Bashing
2013 hat Deutschland einen neuen Volkssport entwickelt – das Lanz-Bashing. Spiegel Online tat es regelmäßig, die Bild-Zeitung sowieso und auch in den Sozialen Netzwerken wurde Markus Lanz für seine "Wetten, dass..?"-Moderation regelrecht zerrissen. Zeitweise kam sogar das Gefühl auf, die letzten verbliebenen Zuschauer würden die Samstagabend-Show nur noch einschalten, um sich anschließend darüber auszulassen. In einem Gespräch mit dem Stern ging Lanz mit seinen Kritikern ins Gericht – sie schrieben "Millionen Menschen etwas kaputt". 
M wie Mallorca-Ausgabe
Apropos: Am liebsten würde man die diesjährige Mallorca-Ausgabe von "Wetten, dass..?" komplett aus dem Gedächtnis verdrängen aber wir kommen leider nicht drum herum, dieses Desaster noch einmal zu erwähnen. Kurzer Rückblick: Stefan Raab machte ungehindert Werbung für seinen Duschkopf, Gerald Butler bekam Eiswürfel in die Hose gekippt und im Rahmen der Lanz-Wette wurde die arrogante Herausforderin minutenlang ausgebuht. Was den Fremdschäm-Faktor angeht, hat Lanz an diesem Abend selbst "Promi Big Brother" in den Schatten moderiert. 2014 erspart uns das ZDF deshalb eine weitere Ausgabe. 
N wie Nischensender-Boom
In puncto Programmvielfalt ist ein Trend klar erkennbar: Spartensender werden immer beliebter. So gingen in diesem Jahr beispielsweise der Männersender ProSieben Maxx und Sat.1 Gold für die älteren Herrschaften an den Start. Der Frauensender sixx konnte in diesem Jahr mit 2,4 Prozent den höchsten Marktanteil seines Bestehens feiern. Auch RTL Nitro konnte mit 1,1 Prozent Marktanteil einen neuen Rekord vermelden. Die Spezialisierung der Sender wird weiter zunehmen. 
S wie Serien-Flops
In Amerika feiern TV-Serien wie "Breaking Bad", "Homeland" oder "Game of Thrones" Erfolge. Sie machen süchtig, sind innovativ und an Spannung nicht zu überbieten. Und was servierten uns die deutschen Sender dieses Jahr? Die Flop-Produktion "Doc meets Dorf", den noch viel größeren Flop "Christine. Perfekt war gestern" und dann noch den Ober-Flop der Donnerstagsserien "Sekretärinnen." Auf VOX laufen dagegen Wiederholungen diverser Krimiserien rauf und runter. ProSieben zeigt mit "Bully macht Buddy" aktuell den nächsten Quatsch und über das Serien-Angebot bei Sat.1 wollen wir am besten gar nicht erst reden
T wie Til trifft Tatort
Tatort die Zweite. Am 10. März bekam der "Tatort" schon einmal prominenten Zuwachs. Til Schweiger nuschelte sich als Kommissar Nick Tschiller erstmals durch den Hamburger Tatort. "Willkommen in Hamburg" hieß der Regionalkrimi, der dem Ersten mit 12,57 Millionen Zuschauern eine Traumquote bescherte. Wir dürfen gespannt sein, welche Promis die ARD nächstes Jahr an Bord holt.
U wie Under the Dome
Im Sommer zeigte ProSieben den US-Serienhit "Under the Dome" und landete damit endlich mal einen Volltreffer bei den deutschen Serienfans. Die ersten drei Episoden der von Steven Spielberg produzierten Serie erreichten 2,24 Mio.der 14-49-Jährigen. Damit war "Under the Dome" der erste richtig große Hit der neuen TV-Saison und brachte ProSieben meilenweit über die Sendernormalwerte.
W wie Wüsten-Trash
Gleich zwei Sender schickten die C-Promis des Landes 2013 in die Wüste. Erst verfrachtete RTL "Wild Girls" wie Kader Loth, Fiona Erdmann und Conchita Wurst nach Namibia. Kurz darauf übernahm ProSieben den Stab im Trash-Staffellauf und schickte die "Reality Queens" an den Kilimandscharo. Beide Sendungen liefen erwartbar katastrophal – ProSieben bereitete dem Wüstengestöckel sogar vorzeitig ein Ende. Zu allem Überfluss kamen die TV-Tussis nach den Aufzeichnungen auch wieder zurück nach Deutschland. Die Wüsten-Shows hatten einfach gar nichts Gutes.
Z wie ZDF-Eigentor
Den Preis für den peinlichsten Werbespot sicherte sich in diesem Jahr das ZDF. Im Rahmen der Frauenfussball-EM zeigte der Sender einen TV-Spot, der sich im wahrsten Sinne des Wortes gewaschen hatte. Zu sehen war eine durchtrainierte Frau, die im Keller gekonnt einen Ball zwischen den Füßen balancierte und ihn dann mit einem Kick mitten in die Waschtrommel beförderte. Dann stellte sie noch das Waschprogramm "Leder" ein. Der zugehörige Slogan "Ballsauber in Schweden" war die Kirsche auf dem Klischee-Sahneberg.

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