„Callis“ Kantinen-Brandrede bei DuMont

Was macht eigentlich Reiner Calmund, ehemaliger Fußballmanager, TV-Type (Big Boss) und Medienpartylöwe? Er hält "Motivationsreden". So geschehen in der vergangenen Woche beim Kölner Express. "Calli" soll dort zu Kollegen aus Vertrieb und Marketing gesagt haben, sie sollten "arbeiten, arbeiten, arbeiten". Und wer nur seinen Vertrag erfülle, dem gehöre "eine Briefmarke auf den Hintern geklebt". Darüber regt sich nun der DJV auf, schließlich plane der Verlag 84 Kündigungen.

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Fingerspitzengefühl ist nicht die Sache des ehemaligen Leverkusen-Managers Reiner Calmund. Von der Rede im DuMont’schen Betriebsrestaurant sind folgende Zitate überliefert: Die Verlagsmitarbeiter sollten nicht nur 40 Stunden arbeiten, sondern "mehr, mehr, mehr". Reine Vertragserfüllung genüge nicht, sonst drohe die eingangs erwähnte "Briefmarke auf dem Hintern". Sprich: Ablage Postausgang. Und: Freigestellten Betriebsräten, die Tarifrechte einforderten, "gehöre der Stecker gezogen".
Letztere Ankündigung klingt eher nach Auftragskiller denn nach Auftragsredner. Auf Nachfrage heißt es bei DuMont Schauberg, von der Rede gebe es kein Manuskript oder Mitschnitte. Was vermutlich stimmt, denn Rampensäue wie Calli ziehen gern frei nach Schnauze vom Leder. Das ist schließlich ihr Markenzeichen, und dafür werden sie auch gebucht. Laut Referentenagentur Bertelsmann, bei der Calmund unter Vertrag steht, spricht er zu den Themen "Kommunikation, Leadership, Management, Medien, Motivation, Sport und Psychologie".
Die überlieferten Calmund’schen Aufrüttelsätze vereinen alle diese Themenkomplexe quasi in einer Nussschale. Sie klingen dabei leider nur so, als ob sie vor vielen Jahren schon gegenüber den Spielern von Calmunds ehemaliger Wirkungsstätte Bayer 04 Leverkusen gefallen sein könnten. Mit dem Unterschied freilich, dass Fußballprofis etwas besser entlohnt werden als Verlagsmitarbeiter. Und der Umgangston in der Umkleidekabine etwas rauer ist als die in Verlagskantinen.
Anlass für Calmunds Auftritt sei eine Kickoff-Veranstaltung für das 50jährige Express-Jubiläum im kommenden Jahr gewesen, sagte ein Sprecher. Er habe für seinen Auftritt kein Geld bekommen, teilte Calmund gegenüber MEEDIA mit. Er habe auch keineswegs eine "Brandrede" gehalten, sondern eine ausgewogene Ansprache gewählt. Calmund urlaubt zurzeit – seine Stellungnahme war in einer ersten Version des Artikels noch nicht enthalten.

Calmund ist seit Jahren Kolumnist beim Express. Dass der Verlag einen bekannten Fußballschwadronierer einsetzt, um Mitarbeiter zu motivieren, wirkt eher unfreiwillig lustig als bedenklich. Dennoch mögen sich sensible Gemüter darüber echauffieren, dass ihnen ein Dampfplauderer Beine machen will, wenn im eigenen Haus gerade ein Stellenabbau vollzogen wird.
Der DJV sieht den Auftritt in diesem Zusammenhang als "Pöbelei" und Beschimpfung von Mitarbeitern. "Mieser geht’s nicht mehr", schreibt DJV-Sprecher Hendrik Zörner im Blog der Gewerkschaft

Nachtrag: In einer ersten Version des Artikels war zu lesen, DuMont-Verlagsgeschäftsführer Philipp Froben habe den Auftritt Calmunds als Ausdruck einer neuen Kultur im Haus bezeichnet. Froben dementiert diese Aussage. Er habe den Auftritt zu keiner Zeit kommentiert.

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