WDR verzichtet auf Journalistenrabatte

Der Westdeutsche Rundfunk will seine Mitarbeiter vor Korruption und sich selbst schützen. Darum sollen Mitarbeiter künftig keine Journalistenrabatte mehr in Anspruch nehmen. Die Regelung wurde auch in den WDR Verhaltenskodex aufgenommen. Aber: Für spezielle WDR-Mitarbeiterrabatte gilt die neue Selbstbeschränkung merkwürdigerweise nicht. Kuriose Begründung: bei lokalen Unternehmen sei die Gefahr von Interessenkollisionen "deutlich geringer".

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Große Medienunternehmen "wie der Springer Verlag und der NDR" hätten bereits auf Journalistenrabatte verzichtet, erklärt WDR-Justiziarin Eva-Maria Michel auf der Website des Senders. Bei der Aktion gehe es darum, die Glaubwürdigkeit von Medien zu stärken. "Transparency International hat in einer Studie kürzlich festgestellt, dass die Medien zunehmend an Glaubwürdigkeit einbüßen." Bisher habe man seinen Mitarbeitern "ausdrücklich" zugestanden Rabatte für Journalisten in Anspruch zu nehmen, ebenfalls habe man ihnen "großes Vertrauen" entgegengebracht, dass sie damit verantwortungsbewusst umgegangen sind.
So genannte "WDR-Rabatte", also Vergünstigungen für WDR-Mitarbeiter in beispielsweise Gastronomiebetrieben, dürfen aber weiterhin bestehen. Berechtigt ist die Frage von Interviewführerin Susanne Hagen, ob WDR-Rabatte nicht mit Journalistenrabatten gleichzustellen seien? "In der Regel handelt es sich bei den Mitarbeiterrabatten um Angebote lokaler Unternehmen wie Cafés", so Michel. Die "Interessenkollisionen" sei in diesen Fällen geringer. "Vielleicht muss man sich auch hier noch einmal die einzelnen Angebote im Detail anschauen". Warum die Sender-Justiziarin glaubt, dass mögliche Interessenkollisionen bei lokalen Unternehmen geringer sind, bleibt rätselhaft. Immerhin bietet ist WDR auch stark lokal verwurzelt.
Um ein Verbot handelt es sich bei den neuen Richtlinien übrigens nicht. Sollte es doch zu Konflikten kommen, appelliere man an die Verantwortung des Einzelnen, selbst abzuwägen. Man habe bewusst den Weg eines "Appells an das Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen" gewählt, anstatt Presserabatte in Zukunft zu verbieten. "Ich bin der Überzeugung, dass ein von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und ihren Vertretungsorganen mitgetragener Appell im Interesse der Akzeptanz wirksamer als die Androhung von Sanktionen ist", so Michel. 

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