Beyoncé mit iTunes-Schnellverkauf-Rekord

Freitag, der 13. war alles andere als ein schlechtes Omen: Beyoncé veröffentlichte Ende vergangener Woche völlig überraschend ein neues Album – exklusiv über Apples iTunes Musicstore. 14,99 Dollar bzw. Euro mussten Nutzer für das Album berappen, das nicht nur 14 neue Songs, sondern gleich die dazugehörigen Videos lieferte – und sie taten es so bereitwillig wie nie in der zehnjährigen Geschichte von Apples digitalem Musikdienst. "Beyoncé" wird zum Rekordalbum, das sich blendend verkauft.

Etwas musste passieren. Jedes Jahr das gleiche Bild: Beyoncé, einst die unumstrittene Königin des R&B, musste mitansehen, wie die sieben Jahre jüngere Rihanna pünktlich vor Weihnachten ein Nummer eins Album nach dem anderen vorlegte – seit 2009 geht das so. 
Rihanna legte vor, Beyoncé schien nach ihrem dritten Solo-Album "I am… Sasha Fierce", das 2008 erschien, einfach nichts mehr zu bieten zu haben – der vorerst letzte Versuch "4" fiel 2011 gegen die junge Chartstürmerin aus Barbados, die ihr Ehemann Jay-Z auch noch entdeckt hatte,  seltsam uninspiriert und verhältnismäßig erfolglos aus. 
Bruch mit Steve Jobs-Maxime für "Beyoncé"
Am vergangenen Freitag nun der Überraschungscoup. Im ersten Jahr seit 2009, in dem Rihanna kein neues Material auf den Markt bringt, erfindet sich Beyoncé neu. Und das mit der Hilfe Apples: Erstmals in der zehnjährigen Geschichte des virtuellen Musik-Kaufhauses iTunes bietet der Kultkonzern aus Cupertino ein neues Album eines Megastars für eine Woche weltexklusiv an.
Am vergangenen Freitag war es so weit: Beyoncé bringt "Beyoncé" heraus – ihr fünftes Studio-Album, das dem Titel nach einfallslos klingt, in der Darreichung jedoch das vielleicht Kreativste ist, was der Musik-Industrie in Zusammenarbeit mit Apple bislang gelungen ist. Stolze 14,99 Dollar bzw. Euro muss der Käufer des neuen Beyoncé-Albums bezahlen – Apple bricht sogar mit der Prämisse seines Gründers, der zum Start 2003 das Download-Prinzip per Song eingeführt hatte.     
"Beyoncé": Ein prallgefülltes, visuelles Konzeptalbum für 15 Euro
Ein Woche müssen iTunes-Kunden noch warten, wenn sie lediglich die neue Single "Drunk in Love" herunterladen wollen oder etwa die exzellente Kollaboration "Mine" mit Rap-Superstar Drake. Für eine Woche gibt es "Beyoncé" nur, wie es ein Album per als CD im vergangenen Jahrhundert gegeben hatte: ganz oder gar nicht. 
Tatsächlich bekommt der Apple-Kunde für seine 15 Euro aber auch einiges geboten:  "Beyoncé" ein visuelles Album, das die Videos zu den 14 neuen Songs und vier weitere Clips gleich mitliefert. Ergo: Stolze 32 Tracks werden beim Kauf im iTunes Store durchgeladen. 
Apple und Beyoncé: Beide brauchen sich
Es sieht nach einer klassischen Win-Win-Situation aus: Beyoncé passt zu Apple wie Apple zu Beyoncé – Goldkehlchen trifft auf Goldstandard. Doch tatsächlich brauchen sich beide auch: Beyoncé braucht den großen Wurf, um mit 32 nach Jahren des stetigen Abstiegs noch einmal zum furiosen Comeback  anzusetzen – und Apple Argumente, warum Nutzer im Streaming-Zeitalter von Spotify und Pandora eigentlich noch Geld für das Download-Geschäftsmodell ausgeben sollen. 
Die Rechnung ging auf: 828.773 Mal wurde "Beyoncé" am den ersten Verkaufswochenende heruntergeladen – Apple war das sogar eine eigene Pressemeldung wert, die sich liest wie das Update nach dem Verkaufsstart eines neuen iPhones: "Apple hat bekannt gegeben, dass Beyoncé mit noch nie da gewesenen 828.773 verkauften Alben in den ersten drei Tagen das bislang am schnellsten verkaufte Album aller Zeiten im iTunes Store geworden ist", dröhnt die PR-Maschinerie aus Cupertino.
Unterschiedliche Vertriebskanäle im Hause Carter: Beyoncé bei Apple, Jay-Z bei Samsung
Wenn man es nicht besser wüsste, müsste man sich angesichts der Profanität der Meldung Sorgen machen: Aber Apple ist in den vergangenen Monaten vor allem durch immer neue Erfolgsmeldungen zu den Produktlaunches der neuen iPhones und iPads aufgefallen. 
Und eine letzte große Pressemeldung dürfte im Entwurfs-Ordner mit Vorlage auf den kommenden Donnerstag liegen: Die finale Bekanntgabe des China Mobile-Deals. Beyoncé indes hat ihren Deal des Jahres sicher – er fällt irgendwie um einiges glamouröser aus als der ihres Ehemanns, der sich im Sommer beim exklusiven Vertrieb seines neuen Albums tatsächlich mit dem Erzrivalen Samsung zusammengetan hatte …    

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