Kein Käse: Buzzfeed-Klon aus der Schweiz

Selten haben wahrscheinlich so viele deutsche Verlagsmanager gespannt auf eine schweizerische Webseite geschaut, wie in diesen Tagen: Seit gestern ging in der Alpenrepublik mit Blickamabend.ch der erste Buzzfeed-Klon online, hinter dem mit Ringier ein großes deutschsprachiges Verlagshaus steht. Bereits am ersten Tag zeigte sich, wie enorm die virale Kraft der maximal emotional erzählten Listicles ist. So sammelte alleine die Story „10 Dinge, die du im Bündnerland nicht tun solltest“ bei Facebook über 5.400 Likes, Shares und Kommentare.

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Unter den zehn Dingen, die „Unterländer“ im Bündnerland nicht machen sollten gehören unverständliches wie „dinen Bündner Schtaibock-Tschingg nennen“ oder „keinen Braulio“ zu trinken.

Die typsischen Blickamabend-Stories sind „die zehn dreckigsten Freizeitvergnügen“, „Fünf Tipps: Orgasmus vortäuschen für Anfänger“ oder „die 15 seltsamsten Sprachen der Welt“.

Ringier erweitert mit dem neuen Portal seine bisherige Strategie. So verlegt das Medienahaus mit dem Blick die größte Boulevard-Zeitung der Schweiz. Die eidgenössische Bild spricht allerdings eher eine ältere und ländliche Zielgruppe an. Im Web spielte sich dies auf dem Nachrichten-Portal Blick.ch.

Mit dem Blick am Abend etablierte der Verlag seit 2008 allerdings auch eine der größten Pendlerzeitungen der Schweiz. Die Zielgruppe des Gratisblattes, das werktäglich ab 16.00 Uhr verteilt wird, ist jünger und urbaner. Dieser Leser sollen nun von den schnell und bissig erzählten Blickamabend.ch-Storys online bedient werden. Dabei ist die neue Seite auch gleich extrem auf Mobile-Nutzer ausgerichtet. Was bei einer Pendler-Zeitung allerdings auch nur konsequent ist.

Das Risiko, dass das neue Angebot die längst eingeführten eigenen Marken angreifen könne, kalkulieren die Macher dabei offenbar ganz gezielt mit ein. „Wenn, dann kannibalisieren wir uns lieber selbst, als dass es andere tun“, erklärte dazu der Publishing-CEO von Ringier Florian Fels, gegenüber Persönlich.com. „Insgesamt wird die Blick-Gruppe stärker, davon wird auch Blick.ch profitieren – etwa in Sachen mobiler Entwicklung, Know-how-Austausch, Ressourcen-Teilung und Traffic-Unterstützung.“

Hinter dem Buzzfeed-Klon steht zudem keine Garagenredaktion, sondern einer der größten Nachrichtenproduzenten der Schweiz. Alleine deshalb liegt die Vermutung nahe, dass auch hierzulande viele Verlagsmanager mit großem Interesse nach Zürich schauen. Immerhin gibt es aus Berlin, Hamburg, München und Köln immer Gerüchte, wer gerade alles an einem deutschen Version der US-Erfolgsseite feilen würde. Die einheimische Entsprechung zur Bündnerland- Story müsste dann wohl heißen „10 Dinge, die du in Bayern nicht tun sollst“.

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