Springer formuliert ein Glaubensbekenntnis

"Was wir sind und was wir wollen" heißt ein Papier, das Springer-Vorstand Mathias Döpfner am Dienstag bei einem Pressetermin vorstellte. Eine Art Glaubensbekenntnis des Medienunternehmens, das sowohl wirtschaftliche, strategische und gesellschaftliche Ziele nennt. Döpfner spricht von einer "Selbstvergewisserung". Ganz konkret sortiert Springer seine Segmentierung neu – in Bezahlangebote, Vermarktungsangebote und Rubrikenangebote.

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Der Grund für die neue Einteilung ist eine Ausrichtung an den Erlösquellen eines Verlages: Erlöse von zahlenden Leser, zahlenden Anzeigenkunden und zahlenden Kleinanzeigenbuchern. Eine Unterscheidung nach print/digital sowie national/international wird es nicht mehr geben. Zu Bezahlangeboten zählen beispielsweise sowohl Portale wie Welt Online und Bild.de und Apps wie Runtastic.
Der Vorwurf von Kritikern, Springer verabschiede sich nach dem Funke-Deal vom Journalismus, wird nun gleichsam mit dem Döpfner-Papier, "Homepage" getauft, gekontert. Lautet der erste "Grundsatz" doch: "Wir sind und bleiben ein Verlag, also ein Haus des Journalismus." Und weiter: "Sinn und Seele des Unternehmens ist der Journalismus." Redaktionelle Unabhängigkeit sei "unser höchstes Gut". Natürlich habe ihn die Kritik nach dem Verkauf der Zeitungen und Zeitschriften getroffen, sagte Döpfner auf Nachfrage. Gleichzeitig habe er jedoch mit ihr gerechnet. Das Papier liest sich nun wie eine explizite Antwort auf Springer-Skeptiker.
Wirtschaftlich verfolge Springer eine "Strategie des profitablen Wachstums". Das Ergebnis pro Aktie sei die entscheidende Kennziffer, doch das Selbstbild sei "nicht auf wirtschaftlichen Erfolg allein" beschränkt. Springer definiere sich als internationales Unternehmen mit dem Kernmarkt in Europa und Wachstumsmärkten in Indien, Brasilien, Asien und den USA. Die Engagements seien auf demokratische Länder beschränkt.
Dann: "Wir organisieren den Verlag als operative Holding – so zentral wie nötig und so dezentral wie möglich." Alle Marken, Geschäftsbereiche und Dienstleistungen würden zu eigenständigen Gesellschaften – "die bei aller Unterschiedlichkeit zusammenhalten wie Mitglieder einer Familie". Den entscheidenden Schritt zu dieser Organisation unternahm der Konzern mit einer Umfirmierung in eine europäische Aktiengesellschaft (SE).

Ohne Grund werden solche Grundsätzlichkeiten in keinem Unternehmen formuliert. Zweifelsohne sind die strategischen Weichen, die Döpfner und seine Kollegen im Springer-Vorstand im auslaufenden Jahr gestellt haben, signifikant und nicht immer leicht zu verdauen. Gerade bei den angestellten Journalisten herrscht kein ungeteilter Hurra-Patriotismus. Trotz guter Bilanzen. Die Frage geht um, was Springer in Zukunft sein will. Die Antwort soll nun die "Homepage" liefern. Eine Art "geistige Heimat", wie Döpfner es nennt. Eine Heimat, die sich vehement auf den Journalismus beruft, in der aber Vieles ganz anders aussieht als bisher.

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