Massenabmahnungen nach Porno-Streaming

Erstmals werden in Deutschland offenbar massenhaft Abmahnungen an Nutzer von Streamingangeboten verschickt. Im Detail geht es um drei urheberrechtlich geschützte Filme, die die Betroffenen auf dem Porno-Portal Redtube konsumiert haben sollen. Die Rede ist derzeit von rund 10.000 Personen, die bereits Abmahnungen der Regensburger Kanzlei U+C im Auftrag von The Archive bekommen haben sollen - einige Nutzer sogar gleich mehrere auf einmal. Noch ist unklar, wie die IP-Adressen weitergegeben wurden.

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"Denkbar ist, dass die Plattform die Adressen selbst herausgegeben hat", erklärt der Kölner IT-Anwalt Christian Solmecke. "Klar ist schon jetzt, dass das Landgericht Köln die Herausgabe der IP-Adressen gestattet hat. Soweit ersichtlich, sind viele Telekom-Kunden von den Abmahnungen betroffen." Die aktuellen Abmahnungen bezögen sich auf das Anschauen von Filmen im August 2013. "Ich gehe davon aus, dass nun kontinuierlich weitere Abmahnungen folgen werden.“
Nach Einschätzung des IT-Anwalts hat die Kanzlei U+C im Auftrag von The Archive mit Sitz in der Schweiz über 10.000 Abmahnungen verschickt. Am Samstag sei die Informationsseite von 8.000 Menschen aufgerufen worden, am Sonntag bis dato von 12.000 Nutzern. 500 Abgemahnte hätten sich bislang in der Kanzlei gemeldet. Was den Fall so ungewöhnlich macht, ist der Grund für die Abmahnung. Niemals zuvor waren Nutzer in Deutschland für den Konsum von Streamingangeboten abgemahnt worden. U+C verlangt von den Betroffenen 250 Euro. Dabei wird im Detail das Anschauen der Filme "Miriam´s Adventures", "Hot Stories", "Amanda´s Secret" und "Dream Trip" abgemahnt.
"Aus unserer Sicht haben die Nutzer hier keine Straftat begangen", so Solmecke. "Anders als es zum Beispiel bei Kino.to der Fall war, werden die Filme auf Redtube nicht offensichtlich rechtswidrig (im Sinne des Urheberrechts) verbreitet." Sofern also beim Anschauen der Filme überhaupt eine Kopie auf dem eigenen Rechner erfolge, sei diese als legale Privatkopie gemäß § 53 Urheberrechtsgesetz einzustufen. Offizielle Urteile zum Streaming von urheberrechtlich geschützem Material gibt es nicht. 
Es ist nicht das erste Mal, dass die Kanzlei U+C im Auftrag der Porno-Industrie für Furore sorgt, zuletzt mit der Versteigerung von Filesharing-Forderungen im Wert von 90 Millionen Euro. Darüber hinaus drohte die Kanzlei den abgemahnten Porno-Tauschern mit der Veröffentlichung ihrer Adresse im Internet, sofern auf die Abmahnung keine Zahlung erfolge. Dieser geplante Porno-Pranger war jedoch Ende 2012 vom Essener Landgericht verboten worden.

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