DuMont ernennt Digital-Chefredakteur

Thomas Kemmerer wird Chefredakteur für digitale Medien bei M. DuMont Schauberg. Der bisherige Vize des Kölner Express übernimmt damit die inhaltliche Kontrolle über die Websites, Apps und alle weiteren digitalen Produkte der DuMont-Zeitungstitel. Angedockt ist die neu geschaffene Position bei DuMont Net. Die Online-Redakteure wechseln zur Verlagstochter. Im Gespräch mit MEEDIA erklären Kemmerer und DuMont Net-Chef Björn Schmidt die neue Organisation.

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"Wir müssen an Effizienz und Geschwindigkeit in der redaktionellen Arbeit gewinnen – und darüber Reichweite wie Wirtschaftlichkeit steigern", sagt Kemmerer gegenüber MEEDIA. Bei der Tochter DuMont Net werden nun u.a. alle redaktionellen Online-Kräfte des Kölner Verlagshauses konzentriert. Die Onliner mit Kemmerer an der Spitze werden aber einen sehr engen Draht zu den Print-Kollegen halten. Die digitalen Angebote seien weiterhin das Ergebnis der Zusammenarbeit der gesamten Redaktion, ob Print oder Online.
Der Express-Mann, der das Online-Angebot der Boulevardzeitung seit vielen Jahren profitabel steuert, kümmert sich künftig zusätzlich um die digitalen Kanäle von Kölner Stadt-Anzeiger, Berliner Zeitung, Berliner Kurier und Mitteldeutsche Zeitung. Die Hamburger Morgenpost, die auch zu DuMont gehört, wird erst 2014 in den Kreis aufgenommen. Streng genommen wird den Print-Chefredakteuren das Digital-Thema zumindest in der direkten Zuständigkeit weggenommen. Doch so mögen es Geschäftsführer Schmidt und Chefredakteur Kemmerer nicht sehen. Alle zögen an einem Strang – weder werde Online an DuMont Net abgeschoben noch würden Print-Redaktionen von Online abgehängt.
Dies wäre vermutlich auch eine sehr verkürzte und strategisch nicht sinnvolle Sichtweise. Doch faktisch fehlt manchen Online-Angeboten von DuMont eine klare Richtung, eine effiziente wie inhaltlich sinnvolle Positionierung. Dies gilt vor allem für die Berliner Zeitung, die sich gerade erst einer kleinen Profilschärfung unterzog. "Zielgruppen, Tonalität und Inhalte der jeweiligen Websites müssen noch besser als bisher abgestimmt sein", sagt Kemmerer über alle Angebote.
In Köln arbeiten für drei Titel (plus Kölnische Rundschau) 17 feste Redakteure plus Webmaster und Volontäre. In Berlin sind es zehn Kollegen, in Halle neun. Jeder der DuMont-Titel hat einen zuständigen Online-Redaktionsleiter. Für Berlin haben die Kölner gerade Michaela Pfisterer verpflichtet, die CvD bei der Financial Times Deutschland war und zuletzt für FischerAppelt arbeitete.
Seine zentrale Aufgabe beschreibt Kemmerer so: "Es ist nicht so, dass alle überregionalen Inhalte aus Köln kommen. Es geht um bessere Abstimmung. Die Sturmflut könnte in Zukunft aus Hamburg produziert werden, die Berichte zum Tod von Nelson Mandela in Berlin. Oder zu einem Thema könnte etwas von der DuMont Redaktionsgemeinschaft beigesteuert werden. Es zählt, dass die Arbeit besser verteilt wird."
Bei Express Online sei es beispielsweise gelungen, eine Nutzerbindung aufzubauen. Dies müsse besser als bisher auch bei den anderen Titeln gelingen: "Wir brauchen loyale Leser, die regelmäßig, möglichst täglich, wiederkehren. Weil wir ihnen ein Versprechen geben, dass sie bei uns verlässlich Informationen zu gesetzten Themen finden. Beim Express ist das beispielsweise der 1. FC Köln. Es macht keinen Sinn, als regionale Marke nur Google hinterherzulaufen."
DuMont Net ist u.a. auch für die Apps der Titel zuständig. Um diese hat sich vor allem Schmidts Kollege Patrick Wölke gekümmert. Die beiden hatten ihre Strategie für DuMont "Schwarze Null" genannt. Sind die Ziele so niedrig gehängt? "Das war ein Arbeitstitel", sagt Schmidt: "Natürlich geht es aber darum, effektive Strukturen aufzubauen, um mit unseren digitalen Angeboten dauerhaft profitabel zu werden."
Ein Baustein ist dabei auch die Einführung von Online-Bezahlmodellen. Die sind für 2014 angekündigt. Zunächst werde viel getestet, sagt Kemmerer. Denn klar ist auch: Erst muss die Nutzerbindung stimmen, dann kann man von diesen Nutzern auch Geld nehmen. 

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