Seehofer mahnt Journalisten zu Selbstkritik

Für ihn nimmt die Tendenz zur Herabsetzung von Politikern zu: CSU-Chef Horst Seehofer hat sich im Spiegel zum Verhalten der Presse geäußert. "Ich empfehle allen Politikern, so etwas nicht hinzunehmen", fordert der 64-Jährige seine Kollegen auf. Sie sollen sich stärker gegen Kritik aus den Medien zur Wehr zu setzen. Auch zum Interview von Marietta Slomka mit Sigmar Gabriel und zu seiner SMS an ZDF-Intendant Thomas Bellut äußerte sich der CSU-Chef.

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"Mir will es nicht in den Kopf, wenn man sich in einer Demokratie für mehr Demokratie rechtfertigen muss", erklärt Seehofer im Spiegel. Er hätte daraufhin ZDF-Intendant Thomas Bellut eine SMS geschrieben: "Lieber Herr Bellut, für Auftritt von Frau Slomka gegenüber Gabriel kann man sich nur wundern. Wir entscheiden als CSU heute Nachmittag mit ca. 100 Leuten über Koalitionsvertrag. Verfassungswidrig? Ihr HS aus Bayern." Was in der Briefantwort von Bellut gestanden hätte, will der CSU-Mann dann aber nicht verraten. Die komme in seinen Safe.
Laut Seehofer seien Politiker, die von den Medien kritisiert würden, in einer Zwickmühle. Setze man sich zur Wehr, würde behauptet, die Pressefreiheit sei gefährdet. "Dann springen alle Journalisten dem armen Kollegen bei, und der unvermeidliche Journalistenverband hebt warnend den Finger." Wenn man nicht zu diesem Totschlaghammer greife, würde einem stattdessen Weinerlichkeit und Dünnhäutigkeit vorgeworfen. "Das sind die beiden Klassiker. Beides ist falsch."
Seehofer spielt unter anderem auf den Titel "Crazy Horst" an, den ihm die Frankfurter Allgemeine Zeitung verpasst hatte. Das sei für ihn eine persönliche Herabwürdigung. "Es gibt einen Qualitätsverlust in manchen Medien." Politiker sollten das nicht länger hinnehmen, Journalisten im Gegenzug mehr Selbstkritik üben.

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