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Der Grüne, der sich mit der taz zoffte

Der Grünen-Politiker und taz-Genosse Thomas Pfeiffer zofft sich mit seiner Lieblingszeitung wegen eines Blinden-Witzes. stern-Chefredakteur Dominik Wichmann hat einen wunderbaren Spitznamen verpasst bekommen. Eine wiwo.de-Kolumnistin schießt übers Ziel hinaus, Ex-FTD-Mitarbeiter betrinken sich (und eine verschickt Torten). Und Kai Diekmann wandelt, bzw. rollt auf den Spuren von Kult-Regisseur David Lynch auf dem “Lost Highway” nach Potsdam.

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Neulich hat sich der Focus-Money-Chefredakteur auf ganz und gar unmögliche Art und Weise über die so genannte einfache Sprache lustig gemacht, die Hilfe Menschen mit Lese-Schwierigkeiten das Verständnis von Texten erleichtern soll. Der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter, auf den Focus-Money eigentlich zielte aber danebenschoss, schrieb daraufhin einen gepfefferten offenen Brief. Diese Woche regte sich nun der Grünen-Politiker Thomas Pfeiffer in einem offenen Brief darüber auf, dass die taz auf ihrer Satire-Seite “Die Wahrheit” einen Blinden-Witz machte und vergisst nicht zu erwähnen, dass er taz-Genosse ist. Die taz parierte das Schreiben in erfreulich rotziger Form. U.a. heißt es in der taz-Antwort: “Mitleid aber ist die schlechteste Medizin. Es trübt den Blick und vernebelt die Sinne. Besser ist es, wenn jemand über Sie lacht, weil Sie damit Teil einer Gemeinschaft werden.” Die taz hat Recht. Der Unterschied zwischen den schwer erträglichen Einlassungen des Focus-Money-Chefs und dem mehr oder weniger lustigen Blinden-Witz auf der “Wahrheit”-Seite der taz ist, dass der Witz nicht ernst gemeint ist. Er ist eben ein Witz. Und hier gilt nach wie vor das grundlegende Menschenrecht: Jeder ein Recht darauf, verarscht zu werden.

In der Berliner Zeitung hat Ulrike Simon diese Woche ein eher kritisches Stimmungsbild über das Wirken von stern-Chefredakteur Dominik Wichmann veröffentlicht. So ganz ist die Kritik, die da aus der Redaktion kolportiert wird, nicht immer nachvollziehbar. So soll z.B. die Kohl-Titelstory von neulich “am Schreibtisch” entstanden sein. Dabei hat die Autorin Ulrike Posche doch erkennbar mit sehr vielen Leuten für die Geschichte geredet. Was aber auf jeden Fall notiert werden sollte ist der sehr nette Spitzname, den Wichmann angeblich mittlerweile in der Redaktion genießt: “Dr. W Ichmann”. Damit sollte er sich ein T-Shirt bedrucken lassen. Oder eine Kaffeetasse.

Das Krawall-Interview zwischen Marietta Slomka und SPD-Obermufti Sigmar Gabriel hatte einen gewaltigen Nachhall in den Medien. Bei wiwo.de schrieb die Kolumnistin Bettina Röhl mit noch ordentlich Schaum vor dem Mund, dass die Fragen Marietta Slomkas ein “Paradebeispiel für den Missbrauch öffentlich-rechtlicher Medienmacht” seien. Wie bitte? Die “verfassungsrechtlich unbeleckte Moderatorin” sei wohl “im Schnellkurs vor der Sendung von ihren Fachleuten getrimmt” worden. Dazu sei folgende Frage gestattet: Hä? Zur Erinnerung: Marietta Slomka hatte den SPD-Chef Gabriel lediglich mit einer Aussage des Staatsrechtlers Degenhart konfrontiert, die dieser im Handelsblatt getätigt hatte. In jenem Handelsblatt, in dessen Verlagsgruppe auch die WirtschaftsWoche und wiwo.de (und MEEDIA – huch!) erscheinen. Aber Gabriel hatte den Handelsblatt Artikel offenbar nicht gelesen. Anders lässt sich seine “Quatsch”-Reaktion bei dem Interview nicht erklären. Und Frau Röhl hat offenbar überhört, dass Slomka selbst gar keine “Vorwürfe” gegen Gabriel erhoben hat, sondern ihn lediglich mit der Meinung eines Staatsrechtlers konfrontierte. Der (immer lesenswerte!) Wirtschaftsblogger Egghat hat die Sache treffend aufgeschrieben.

Am morgigen Samstag ist es genau ein Jahr her, dass die letzte Ausgabe der Financial Times Deutschland erschien. Einige Ex-FTD’ler treffen sich darum in einer Kneipe im Hamburger Schanzenviertel, wo es viel Alkohol und viele Anekdoten geben soll. Na dann, Prosit! Eine schöne FTD-Anekdote ist übrigens die Karriere der Ex-FTD-Mitarbeiterin Theresa Goebbels. Sie hat ihre Geschäftsidee, im Internet unter tartenovelle.de Küchlein zum Verschicken anzubieten, nach dem Exitus der Zeitung in die Tat umgesetzt, wie in der aktuellen Maxi zu sehen ist:

Und hier noch die wöchentliche Dosis Diekmann: Der nimmermüde Bild-Chef hat diese Woche eine düstere, schneereiche Heimfahrt in seinem Mercedes von Berlin nach Potsdam bei Facebook im Video dokumentiert – very scary! Eine Diekmann-Variante des David-Lynch Schockers “Lost Highway”, wie ein Video-Vergleich zeigt:

Kai Diekmann

David Lynch
Mit diesen schaurigen Bildern entlassen wie sie in ein hoffentlich …

schönes Wochenende!

PS: Die Überschrift zu diesem Wochenrückblick wird Ihnen präsentiert von der Jonas-Jonasson-Society der Freunde des gepflegten Relativsatzes.

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