Mascolo entwickelt Polit-Format für Springer

Der ehemalige Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo wird nach MEEDIA-Informationen ab 2014 für Axel Springer arbeiten. Für die Berliner soll er ein digitales politisches Format entwickeln, heißt es in Unternehmenskreisen. Spekuliert wird bereits seit einer Weile, wohin es Mascolo, der den Spiegel im April verlassen musste, verschlagen wird. Und nun wechselt er ausgerechnet zum Bild-Konzern Springer. Für den ist die Personalie, die (noch) nicht bestätigt wird, ein Coup.

Anzeige

Im Springer-Haus wurde Georg Mascolo bereits das eine oder andere Mal gesichtet. Darum gab es auch Spekulationen, dass der Top-Journalist hier aufschlagen könnte. Dann hieß es, Mascolo könne Mitglied der Welt-Chefredaktion werden. Oder sich an der Entwicklung des Wirtschaftsmagazins Bilanz beteiligen. Doch keine der beiden Varianten kommt offenbar zum Tragen. Der Ex-Spiegel-Chef wird wohl sein eigenes Ding machen dürfen. Angedacht ist nach MEEDIA-Infos ein Digitalformat mit Themenschwerpunkt Politik, das nicht den Nachrichten hinterherhechelt, sondern selber durch investigative Recherche glänzt. Bestätigt wird von der Springer-Kommunikation weder die Personalie Mascolo noch die Entwicklung eines Polit-Formats.
Mascolo kam über den ehemaligen Spiegel-Chef Stefan Aust zunächst zu Spiegel TV, später wurde er Ressortleiter des Print-Spiegel, dann USA-Korrespondent, Berlin-Bürochef und schließlich, 2008, gemeinsam mit Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur des Nachrichtenmagazins. Die Doppelspitze wurde im Frühjahr von Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe entmachtet. Blumencron und Mascolo konnten einfach nicht miteinander.
Zuletzt hatte Mascolo den Grünen-Politiker Christian Ströbele nach Moskau begleitet, um ein Gespräch mit dem NSA-Whistleblower Edward Snowden zu führen. Als Visiting Scholar des Weatherhead Center for Internationals Affairs hatte er in diesem Herbst an der Harvard University zu Beziehungen zwischen Geheimdiensten nach den Snowden-Enthüllungen geforscht.
Erst neulich hatte die Springer-Zeitung Die Welt den Spiegel-Journalisten Matthias Matussek abgeworben. Für die Welt schreibt u.a. auch Henryk M. Broder, ebenfalls Ex-Spiegel. Das Wirtschaftsmagazin Bilanz wird demnächst von dem ManagerMagazin-Redakteur Klaus Boldt (und, wenn die Anzeichen nicht trügen, vielleicht auch mittelfristig von Ex-MM-Chef Arno Balzer) entwickelt – das MM gehört zum Spiegel Verlag. Und nun Georg Mascolo. Der in seiner Amtszeit beim Spiegel, kurz nachdem er die alleinige Verantwortung für den gedruckten Spiegel übernommen hatte, eine Titelgeschichte über die Bild-Zeitung gebracht hatte – "Die Brandstifter". Merke: Es scheint leichter zu sein, als Spiegel-Mann zu Springer zu wechseln, als umgekehrt. Siehe die Aufregung um die Personalie Nikolaus Blome.
Für den Springer-Konzern, der einen ganzen Schwung von Zeitungen und Zeitschriften verkauft und voll auf digital Geschäftsmodelle setzt, ist die Verpflichtung Mascolos auch ein Imagegewinn. War Springer-Chef Mathias Döpfner doch zuletzt nachgesagt worden, er verkaufe den Journalismus, predige in Reden aber die kommenden goldenen Zeiten der Profession. Döpfner selber sagte kürzlich, Springer werde in fünf Jahren mehr journalistische Marken als heute herausgeben. Auf Nachfragen, wo denn die journalistische Offensive bei Springer bleibe, hieß es zuletzt gerne mal: "Abwarten!"  

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige