Neues Magazin SerienStar: nur für Anfänger

Die Idee ist sehr gut: ein Magazin für Fans der vielen grandiosen TV-Serien, die vor allem aus den USA zu uns herüberschwappen. "Breaking Bad", "Homeland", "The Walking Dead", "Mad Men" und und und. Das, was Axel Springer unter dem Namen SerienStar als Computer-Bild-Ableger nun aber an den Kiosk gebracht hat, wird den Erwartungen nicht gerecht. Das Konzept reicht höchstens für ein Sonderheft, die Zielgruppe sind eben keine Serien-Junkies, sondern maximal Serien-Anfänger. Eine Kritik.

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"Die 100 besten TV-Serien", "Mit großem Serienkalender: Alle geheimen Start-Termine", "Die Bibel für alle Serien-Fans" – zurückhaltend gibt sich das Magazin auf dem Cover nicht gerade. Etwas mehr Zurückhaltung hätte aber nicht geschadet, denn die großen Erwartungen, die es mit den Titelzeilen weckt, werden im Inneren leider nicht erfüllt.

So sind "Die 100 besten TV-Serien" nicht etwa als durch Experten oder Redaktion ermitteltes Ranking abgebildet, es sieht eher so aus, als hätte man alle Serien, über die man berichten wollte, kurzerhand zu den "100 besten TV-Serien" ernannt – und als man nur auf 50 kam, schrieb man auf zwei Doppelseiten schnell noch "weitere 50 Serien, die es in sich haben" auf, um die 100 komplett zu kriegen. Weil man im Heft auch über Soaps berichten wollte, gehören eben auch "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" und "Verbotene Liebe" zu den "100 besten Serien". Nun ja.

Das Heft besteht ohnehin fast nur aus den 100 Serien, auf den ersten 103 der 124 Seiten kümmert sich die Redaktion um nichts anderes. Viel Platz widmet man dabei Serien wie "Breaking Bad", "24", "Homeland" und "Mad Men", doch die bis zu vier Seiten pro Serie werden dabei leider vor allem für Bildgewaltiges als für echte Informationen verwendet. So sind die Artikel zu den Serien leider allzu oft sehr kurz – und zudem sehr sachlich und mit wenig Herzblut geschrieben.

Zudem ist die "Bibel für alle Serien-Fans" eben genau das nicht. Sie ist allenfalls ein Startpunkt für Serien-Anfänger. Echte Serienjunkies werden nämlich nichts Neues erfahren oder entdecken, in der Liste der 100 Serien findet sich kein Geheimtipp, keine Überraschung. Auch die Info-Kästen mit der Verfügbarkeit der Serien auf DVD/Blu-Ray, Online und TV hätten deutlich ausführlicher sein müssen, wenn man dem Leser echten Mehrwert bieten will.

Neue Serien, die es noch nicht nach Deutschland geschafft haben, die aber gerade Serien-Fans brennend interessieren, werden ab Seite 114 im "Serien-Kalender" kurz und knapp behandelt. Der "Kalender" also, der laut Cover "alle geheimen Start-Termine" liefern will. Geradezu lächerlich wirkt diese Ankündigung, wenn man sich den "Kalender" dann anschaut: Bis auf eine Serie, bei der man den Starttermin 29. Dezember schon wusste und einer, bei der man immerhin den Januar nennen konnte, finden sich bei allen Serien Angaben wie "Frühjahr 2014", "vermutlich Sommer 2014", einfach nur "2014" oder gar "noch offen". Einen ungenaueren "Kalender" hat die Welt noch nicht gesehen.

Ärgerlich ist zudem der "Ratgeber Technik für Serien-Fans", der vornehmlich dazu genutzt wird, das Portal Watchever, mit dem Springer u.a. bei Bild.de kooperiert, riesengroß abzubilden. Ein paar Seiten später gibt es dann auch noch die passende "Leseraktion" genannte Promotion mit Gewinnspiel für Watchever. Eins der sehr wenigen Highlights des Magazins ist hingegen der Artikel über "Erfolg in Serie". Auf sechs Seiten wurde hier aufgeschrieben, "was moderne TV-Serien so faszinierend macht".

Insgesamt ist das Magazin seine beachtlichen 5,90 Euro überhaupt nicht wert. Serienjunkies sollten ohnehin einen Bogen machen, weil sie nichts Neues erfahren. Serien-Anfänger, die an einem Katalog über sehenswerte Serien ohne tiefgehende Informationen interessiert sind, können am Kiosk ja mal blättern. Ob es eine weitere Ausgabe des Computer-Bild-Ablegers, der vorerst ohnehin als Sonderheft erschien, geben wird, ist fraglich. Wenn, dann müsste das Konzept "Wir schreiben einfach mal kurz und knapp über alle Serien, die uns einfallen" auf jeden Fall grundlegend geändert werden.

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